04.06.2003 · Mit ihrer Unterstützung des "Fahrplans" zur Regelung des Nahost-Konflikts haben sich die amerikafreundlichen arabischen Regime abermals auf einen Balanceakt eingelassen.
Mit ihrer Unterstützung des "Fahrplans" zur Regelung des Nahost-Konflikts haben sich die amerikafreundlichen arabischen Regime abermals auf einen Balanceakt eingelassen: Einerseits wollen sie ihre guten, finanziell einträglichen Beziehungen zu Washington bewahren, andererseits vor ihren Völkern nicht als ergebene Vasallen der Vereinigten Staaten dastehen.
Präsident Bush hat sich spätestens durch den Krieg gegen den Irak den Haß der Araber zugezogen. In ihren Augen ist es kaum wahrscheinlich, daß eine von Bush und Scharon getragene Friedensregelung mehr sein könnte als eine Unterwerfung arabischer Interessen. In den arabischen Hauptstädten ist zwar zur Kenntnis genommen worden, daß Scharon, vermutlich zum ersten Mal, den Begriff "Besatzung" benutzt hat, um die Zustände in den palästinensischen Gebieten zu beschreiben, und mit dieser Wortwahl den arabischen Standpunkt indirekt anerkannt hat. Doch die Vorbehalte der israelischen Regierung gegen den "Fahrplan" sprechen für die Araber dafür, daß ein "Diktat" Israels bevorstehe, das auf eine palästinensische Kapitulation hinauslaufe.
Abweichler Syrien nicht geladen
Schon vor dem Gipfel in Aqaba haben die arabischen Teilnehmer des arabisch-amerikanischen Treffens im ägyptischen Scharm al Scheich ihre Bereitschaft erklärt, den Plan anzunehmen. Abweichler wie das Regime Syriens und die von ihr abhängige libanesische Staatsführung sind nicht geladen worden, obwohl beide Länder territoriale Probleme mit Israel haben. Auch die Arabische Liga ist ausgeklammert worden. Der ägyptische Außenminister Ahmad Mahir redete sich mit der Bemerkung heraus, an dem Treffen nähmen diejenigen teil, die sich dazu bereit erklärt hätten. Weitere Treffen würden folgen, kündigte er an.
Offen kritisiert wurde der Plan vor den Gipfeltreffen in Scharm al Scheich und Aqaba vor allem von islamistischen Vereinigungen in Ägypten, Jordanien und im Libanon. Die größte ägyptische Oppositionsvereinigung, die offiziell verbotene, doch vom Regime tolerierte "Muslim-Bruderschaft" bezeichnete den Friedensplan als einen Betrug, der den Interessen der Juden diene. Die "Islamische Aktionsfront", der politische Arm der Muslim-Bruderschaft in Jordanien und größte politische Partei des Landes, warnte die arabischen Führer davor, in die "Falle" dieses Planes zu gehen, dessen einziges Ziel es sei, den Widerstand der Palästinenser gegen die israelischen Besatzungstruppen zu beenden. Der Anführer der libanesischen Schiiten-Bewegung Hizbullah ("Partei Gottes"), Saijid Hassan Nasrallah, forderte die Palästinenser auf, diesen "finsteren" Plan abzulehnen, und machte denjenigen arabischen Führern Vorwürfe, die Scharon wegen seiner Annahme des Planes gepriesen hätten. Denn, so argumentierte er, Scharon habe den Plan schon untergraben, indem er das Recht der Palästinenser auf Rückkehr in ihre Heimat abgelehnt habe.