10.11.2008 · Statt zu zeigen, dass den Atomkraftgegnern die Sorge um die Nachwelt wirklich am Herzen liegt, bemühen sie sich, das Land so gut wie möglich als Polizeistaat vorzuführen.
Von Stefan DietrichSeit drei Tagen demonstrieren Atomkraftgegner wieder einmal, für wie ungefährlich sie die Abfälle aus Kernreaktoren halten. Da macht es gar nichts aus, wenn ein Zug mit hochradioaktivem Müll einen halben Tag lang im Freien herumsteht, weil er von einbetonierten Widerständlern an der Weiterfahrt gehindert wird; da versucht man, ihn durch Wühlarbeiten im Schotterbett aus den Gleisen zu kippen, und einige ganz Mutige springen sogar auf die Container mit der tödlichen Fracht. Sie werden es überleben - aber ihre Freundinnen werden trotzdem beeindruckt sein.
Nun spielen die Grünen wieder die Helden in Gorleben
Der Gorleben-Protest ist wieder da, sogar deutlich verjüngt: eine bunte Manifestation für ein „Leben mit der Sonne“, für eine andere Gesellschaft und eine ziemlich romantische Vorstellung von der Industrienation Deutschland. Dass er ein Protest gegen die Gefahren der Kernenergie sei, wird von Mal zu Mal unglaubwürdiger. Nicht nur die militanten Störer, die Polizisten mit Steinen bewerfen und mutwillig Schäden anrichten, sondern auch die friedlichen Demonstranten haben es vor allem darauf abgesehen, dieses Land als „Polizeistaat“ vorzuführen, damit sich die Prophezeiung Robert Jungks erfülle, dass Atomenergie zwangsläufig in die Diktatur führe. Und wie immer nehmen sie nicht zur Kenntnis, dass die übergroße Toleranz dieses Staates sie jedesmal widerlegt.
Entgegen der Behauptung der Grünen-Vorsitzenden Roth hat das Aufleben des Protests mit der Diskussion über die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken sehr wenig, mit dem von Umweltminister Gabriel geplanten Neuanfang in der Endlagersuche aber sehr viel zu tun. In Gorleben ist zu besichtigen, was daraus werden soll: die Verdoppelung und Verdreifachung des Protests an möglichen Alternativ-Standorten. Eine konstruktive Haltung in der Endlagerfrage hatte die Anti-Atom-Bewegung immer von der Beendigung der Kernkraftnutzung abhängig gemacht. Als diese Bedingung mit der gesetzlichen Fixierung des „Ausstiegs“ erfüllt war, hätten die Gegner zeigen können, dass sie es ernst meinen mit ihrer Sorge um die Nachwelt. Statt dessen brachten sie die Endlagersuche gänzlich zum Erliegen. Nun spielen die Grünen, die führend daran beteiligt waren, wieder die Helden in Gorleben. Mit einer „Nein danke“-Partei ist aber auf Dauer kein Staat zu machen.
Zum Thema
Andreas Fabri (Andreas.Fabri)
- 10.11.2008, 20:13 Uhr
Schöner Kommentar
Kurt Schröder (Giubar)
- 10.11.2008, 21:41 Uhr
Guter Beitrag
Margrit Steer (Margrit-Steer)
- 10.11.2008, 22:08 Uhr
Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit
Florian Besser (florianbesser)
- 11.11.2008, 00:06 Uhr
Treffender Kommentar
Björn Bierström (bierstroem)
- 11.11.2008, 09:25 Uhr