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Anschlag von Paris : Trump: „Das französische Volk wird das nicht hinnehmen“

  • Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Donald Trump am 20. April in Washington Bild: AFP

Frankreichs rechtspopulistische Präsidentschaftskandidatin nutzt den jüngsten Terroranschlag als Steilvorlage für ihre Forderungen. Präsident Trump wagt eine Prognose. Und die Hinweise auf einen möglichen „IS“-Hintergrund verdichten sich.

          Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf Polizisten in Paris hat die rechtspopulistische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen die Regierung scharf angegriffen. Seit zehn Jahren sei unter den Regierungen der Konservativen und der Sozialisten alles getan worden, damit Frankreich den „Krieg“ gegen den Terrorismus verliere, sagte sie am Freitag in Paris. Zwei Tage vor der Präsidentschaftswahl forderte sie „eine Nation, die die Naivität ablegt“.

          „Ich rufe zum Erwachen der tausendjährigen Seele unseres Volkes auf, die in der Lage ist, der blutigen Barbarei eine Entschlossenheit entgegenzustellen, die durch nichts eingeschüchtert wird“, so Le Pen. Sie wiederholte ihre Wahlkampfforderungen nach härteren Maßnahmen im Kampf gegen den Islamismus. So will sie alle Ausländer, die in einer Datei der Behörden als mutmaßliche Gefährder geführt werden, ausweisen. Le Pen kann sich laut Umfragen Chancen ausrechnen, sich am Sonntag für die entscheidende Stichwahl am 7. Mai zu qualifizieren.

          Amerikas Präsident Trump twitterte, der Anschlag werde „große“ Auswirkungen auf die bevorstehende Präsidentschaftswahl in Frankreich haben. „Ein weiterer Terroranschlag in Paris. Das französische Volk wird das nicht viel länger hinnehmen", erklärte Trump. Der Anschlag werde „einen großen Einfluss auf die Präsidentschaftswahl“ haben.

          Zettel mit IS-Bezug am Tatort gefunden

          Nach dem Anschlag haben Ermittler in Paris unterdessen eine handschriftliche Notiz mit Bezug zur Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) gefunden. Das Papier sei am Tatort gefunden worden, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP am Freitag unter Berufung auf Ermittlerkreise. In dem Text werde der IS verteidigt. Nach Informationen des Senders BFMTV wurden im Wagen des Angreifers eine weitere Schusswaffe und Adressen eines Kommissariats, des Inlandsgeheimdienstes DGSI und von Waffengeschäften gefunden. Eine offizielle Bestätigung für die Informationen gab es zunächst nicht.

          Die renommierte islamische Al-Azhar-Universität in Kairo verurteilte den mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag auf dem Pariser Prachtboulevard Champs-Elysées als „sündhaft" und unislamisch. Derartige Anschläge „widersprechen islamischen Lehren", erklärte die Universität, die als eine der wichtigsten des sunnitischen Islam gilt, am Freitag in der ägyptischen Hauptstadt.  „Al Azhar verurteilt diesen sündhaften terroristischen Angriff scharf“, heißt es in der Mitteilung weiter.

          Auch der Außenamtssprecher Irans, Bahram Ghassemi, sagte. „Wir verurteilen diesen Terrorangriff und kondolieren dem französischen Volk“, sagte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi am Freitag.  Gleichzeitig kritisierte er, die Politik einiger Regierungen im Kampf gegen die Terroristen sei „quasi ein Ansporn“ für solche Angriffe mitten in Europa. Der Terrorismus sei derzeit die größte Bedrohung des Weltfriedens und ohne eine gemeinsame globale Zusammenarbeit können dessen Wurzeln nicht ausgetrocknet werden, erläuterte der Sprecher in einer Presseerklärung.

          Marine Le Pen spricht am Freitag auf einer Pressekonferenz in Paris über den jüngsten Terroranschlag.
          Marine Le Pen spricht am Freitag auf einer Pressekonferenz in Paris über den jüngsten Terroranschlag. : Bild: AFP

          Bei dem Anschlag auf den Pariser Champs-Elysées ist auch eine Deutsche verletzt worden. Die Frau wurde am Donnerstagabend durch eine Kugel am Fuß verletzt, wie von Seiten der französischen Polizei verlautete. Die Frau sei „nicht in einer lebensbedrohlichen Situation, hat aber eine ernste Verletzung davongetragen", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Freitag in Berlin. Sie sei „ganz offensichtlich rein zufällig“ verletzt worden. „Sie war offenbar zur falschen Zeit am falschen Ort.“ Die deutschen Behörden würden alles tun, um sie konsularisch zu betreuen.

          Im Zusammenhang mit der Tat stellte sich am Freitag ein zur Fahndung ausgeschriebener Mann der der belgischen Polizei. Der Mann meldete sich in einem Polizeirevier der Stadt Antwerpen, wie der Sprecher des französischen  Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, der Nachrichtenagentur AFP sagte. Bislang ist aber völlig unklar, ob es einen Zusammenhang mit der tödlichen Attacke auf Polizisten in Paris gibt.

          Terror in Paris : Polizist bei Anschlag getötet

          Die belgischen Behörden hatten ihren französischen Kollegen am Donnerstag einen Fahndungsaufruf nach dem 35-Jährigen zugestellt. Es wurde vermutet, dass er sich nach Frankreich begeben wollte. Bei einer Wohnungsdurchsuchung waren Waffen, Sturmhauben  und ein auf Donnerstag datiertes Zugticket für eine Fahrt nach Frankreich gefunden worden.

          Der Mann trägt den gleichen Vornamen wie jener, den die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) als Namen des Pariser Angreifers genannt hatte. „Der Angreifer von den Champs-Elysées im Zentrum von Paris ist Abu Yussef der Belgier", erklärte das IS-Propagandasprachrohr Amaq in der Nacht auf Freitag. Allerdings war der erschossene Angreifer ein 39-jähriger Franzose.

          Dieser hatte am Donnerstagabend auf den Champs-Elysées das Feuer auf Polizisten eröffnet. Er tötete einen Beamten und verletzte zwei weitere sowie eine Touristin, bevor er selbst erschossen wurde. Die Attacke kurz vor der ersten Runde der  Präsidentschaftswahl am Sonntag schockierte Frankreich.

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          Quelle: lohe./AFP/dpa

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