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Verdächtiger Anis Amri : Ein Portemonnaie und viele Fragen

Spurensuche: Ermittler untersuchen den Ort, wo der Lastwagen mutmaßlich gestohlen wurde. Bild: dpa

Nach dem Anschlag in Berlin finden die Ermittler erst spät einen Hinweis. Der verdächtige Tunesier Anis Amri war schon lange im Fokus der Behörden.

          Am Dienstagmittag, keine vierundzwanzig Stunden nach dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz, hatte es den Verantwortlichen einschließlich des Generalbundesanwalts längst gedämmert: Der noch am Tatabend verhaftete Pakistani kam als Täter wohl nicht länger in Frage. Zwar wurde das formal erst am Abend durch die Bundesanwaltschaft bestätigt, aber schon die öffentlichen Äußerungen der Berliner Polizei hatten es zuvor erkennen lassen. Ein sehr schwieriger Moment muss das für die Behörden und die Politik gewesen sein, nach einer solchen Bluttat den ersten und bis dahin wichtigsten Verdächtigen zu verlieren.

          Eckart Lohse

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Etwa um diese Zeit fanden die Ermittler in der Fahrerkabine des Lastwagens, mit dem die Tat verübt worden war, ein Portemonnaie. Es enthielt Personaldokumente, unter anderem die Duldungsbescheinigung eines Tunesiers namens Anis Amri. Für Ermittler ist so etwas natürlich sehr wertvoll. Am Mittwoch gingen die Einschätzungen von Fachleuten auseinander, ob es ungewöhnlich sei, dass ein so wichtiges Objekt erst einen knappen Tag nach dem Anschlag gefunden wurde.

          Keine Kritik an den Ermittlern

          Die einen fanden das erstaunlich spät, andere sagte mit Hinweis auf die umfassenden übrigen Arbeiten am Tatort, das sei schon vorstellbar. Offene Kritik an den Ermittlungsbehörden gab es jedenfalls nicht für den späten Fund. Schließlich musste er gründlich geprüft werden. Und es gab etwa 500 Hinweise auf Tat und Täter, die ebenfalls zu untersuchen waren.

          Der Linken-Politiker Frank Tempel sagte am Mittwochnachmittag sogar, dass diese Spur im Lkw möglicherweise „gelegt“ worden sei. Von anderer Seite hieß es, das Portemonnaie habe gut bei einem Kampf zwischen dem Täter und dem tot im Führerhaus gefundenen ursprünglichen Lastwagenfahrer, einem Mann aus Polen, aus der Tasche gefallen sein können. Dass es einen solchen Kampf gegeben hat, darauf deutet inzwischen vieles hin.

          Ermittlung abseits der Öffentlichkeit von Vorteil

          Die Verantwortlichen gingen fortan jedenfalls der Spur von Anis Amri nach. Zunächst lief die Fahndung nicht öffentlich. Für die Behörden bedeutete das einen Vorsprung. Während die Öffentlichkeit sich noch mit dem Pakistani beschäftigte, konnte man die Suche nach Anis Amri beginnen, ohne dass dieser oder sein Umfeld sofort darauf aufmerksam wurden. Doch damit war bald Schluss. Schon am späten Mittwochvormittag gelangten Informationen über einen tatverdächtigen Tunesier an die Öffentlichkeit.

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          Nach einer Sondersitzung des Innenausschusses im Bundestag, bei der neben Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) auch die Leiter der Sicherheitsbehörden zugegen waren, um die Abgeordneten zu informieren, sagte Tempel, ein gelernter Polizist, dass es die Arbeit der Ermittler nicht erleichtere, wenn frühzeitig Informationen öffentlich würden.

          Anis Amri gehört vermutlich zu einem salafistischen Netzwerk

          Solange Anis Amri nicht wusste, dass sein Portemonnaie in den Händen der Polizei war, konnte er noch mutmaßen, es irgendwo anders bei seiner Flucht verloren zu haben. Nun war ihm klar, dass seine Identität bekannt war – vorausgesetzt, es handelt sich um eine echte Spur. Doch Behörden und Politikern war schnell klar, dass nicht nur die Fahndung so erschwert war.

          Am Berliner Friedrich-Krause-Ufer hatte der LKW zuletzt geparkt. Im LKW fanden die Ermittler das Portemonnaie des Verdächtigen.
          Am Berliner Friedrich-Krause-Ufer hatte der LKW zuletzt geparkt. Im LKW fanden die Ermittler das Portemonnaie des Verdächtigen. : Bild: dpa

          Anis Amri ist kein Unbekannter, ganz im Gegenteil. Noch im November war der Mann Gegenstand einer Besprechung im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum, in dem die Sicherheitsbehörden einschließlich der Nachrichtendienste sich besprechen. Der Mann hat nicht nur unterschiedliche Identitäten benutzt. Offenbar gehört er in ein salafistisches Netzwerk rund um den inzwischen verhafteten Hildesheimer Islamisten Abu Walaa.

          Verdächtiger hatte verschiedene Anschläge geplant

          Die Zeitschrift „Focus“ berichte mit Bezug auf Akten der Bundesanwaltschaft, er habe unter anderem Anschläge auf Polizeikräfte geplant, auch sei es darum gegangen, einen Lastwagen mit Sprengstoff in eine Menschenmenge zu steuern. Die Sicherheitsbehörden tauschten demnach Informationen über den Mann über das gemeinsame Terrorabwehrzentrum von Bund und Ländern aus, zuletzt im November.

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