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Anschlag in Berlin : Was wusste Lutz Bachmann?

Wusste er schon früh Details aus internen Ermittlungen? Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann am Tag vor dem Anschlag auf dem Theaterplatz in Dresden Bild: dpa

Schon zwei Stunden nach dem Anschlag in Berlin twitterte Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann, interne Polizeiermittlungen deuteten auf einen tunesischen Verdächtigen hin. War das nur geraten?

          Wusste Pegida-Gründer Lutz Bachmann schon kurz nach dem Terroranschlag Details aus Polizeiermittlungen? Um kurz nach 20 Uhr raste am Montagabend der Lkw in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz. Und schon um 22:16, kaum zwei Stunden später, als gerade ein Pakistaner festgenommen worden war und zunächst als Hauptverdächtiger galt, brüstete Bachmann sich auf Twitter mit einer „internen Info“ aus der „Berliner Polizeiführung“, wonach der Täter ein tunesischer Moslem sei. „Das (sic!) der Generalbundesanwalt übernimmt, spricht für die Echtheit“, schrieb Bachmann weiter.

          Am Mittwoch dann, als die Spur immer deutlicher nach Tunesien führte, legte Bachmann noch einmal nach. „Da stimmte meine Info von 1h nach dem Anschlag wohl doch? Polizei sucht nun Tunesier...“, twitterte er am Mittag. Wenige Stunden später schrieb das Bundeskriminalamt den 23 Jahre alten Anis Amri schließlich öffentlich zur Fahndung aus.

          Bachmanns Tweets sorgten für erhebliche Irritationen – und viele stellten sich am Donnerstag die Frage: Hatte der Pegida-Gründer nur zynisch geraten, weil auch der Lastwagen-Attentäter von Nizza ein Tunesier war, und lag möglicherweise leider zufällig richtig? Oder hatte die Berliner Polizei doch schon kurz nach dem Anschlag Hinweise auf Amri und jemand stach diese Interna womöglich tatsächlich an Bachmann durch – zu einem Zeitpunkt, als die Ermittlungen zumindest offiziell noch in eine ganz andere Richtung ging, nämlich in die des festgenommenen und am Dienstagabend wieder freigelassenen Pakistaners?

          Die Berliner Polizei wies diese Spekulationen am Donnerstagvormittag entschieden zurück. „Es ist hundertprozentig und eindeutig: Die Berliner Polizei hat erstmals am Dienstagnachmittag im Führerhaus des Lkw Hinweise auf einen tunesischen Tatverdächtigen gefunden“, sagte der Berliner Polizeisprecher Winfrid Wenzel zu FAZ.NET. Mehr sei zu Bachmanns Tweet derzeit nicht zu sagen.

          Am Donnerstagmittag, als das Thema in den Medien längst hochgekocht war, relativierte dann plötzlich auch der unter anderem wegen Anstiftung zur Falschaussage vorbestrafte Bachmann seine Äußerung. „Liebe Presse, ich gebe es zu, ich hatte natürlich nur meine Glaskugel und keinen Informanten!“, schrieb er auf Twitter. „Und jetzt bitte Ruhe geben, ok?“

          Das klang wie ein klares Dementi – und war doch so gewohnt ironisch-provokativ formuliert, dass die Causa bei manchem trotzdem einen schalen Nachgeschmack hinterließ. Weckte sie doch zumindest ungute Erinnerungen an den Fall der sogenannten Gruppe Freital in Sachsen, bei dem ein Bereitschaftspolizist verdächtigt wurde, Einsatzdetails vorab an führende Mitglieder der rechtsterroristischen Gruppe verraten zu haben. Der Beamte wurde vorsichtshalber vom Dienst suspendiert, ein Disziplinarverfahren wurde eingeleitet.

          Bachmann: „Man braucht nur die richtigen Verbindungen“

          Wie er an seine angeblichen internen Informationen gekommen sei, wurde Bachmann am Mittwoch auf Twitter offenbar in einem internen Mailwechsel von einer amerikanischen Reporterin gefragt, als er von einem Dementi noch nichts wissen wollte. „Ziemlich einfach“, antwortete Bachmann auf Englisch: „Man braucht nur die richtigen Verbindungen und einen Whistleblower, der von den Lügen genug hat.“

          Und nach Bachmanns Dementi am Donnerstagmittag schrieb ein Nutzer auf Twitter, er hoffe „inständig, dass deine Glaskugel niemals enttarnt wird“.

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