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Nach Weihnachtsmarkt-Anschlag : „Nicht ein einzelnes Land ist getroffen, sondern das Herz Europas“

  • Aktualisiert am

Trauer um die Berliner Opfer in der Nähe des Anschlagsortes Bild: AP

Mit Entsetzen reagieren internationale Politiker und Medien auf den Anschlag in Berlin. Ein viel gefürchteter „Albtraum“ sei in der deutschen Hauptstadt wahr geworden.

          Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt mit zwölf Toten und 48 Verletzten drücken internationale Politiker Deutschland ihr Beileid aus. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte nach Berichten der russischen Nachrichtenagentur RIA, er sei geschockt über die Gewalt und den Zynismus der Attacke.

          Ein Lastwagen mit polnischem Kennzeichen war am Montagabend in Berlin vorsätzlich in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz gesteuert worden. Der am Dienstag festgenommene Terrorverdächtige leugnet die Tat.

          Die EU-Kommission setzte im Gedenken an die Opfer von Berlin ihre Flaggen auf Halbmast. „Unser Beileid gilt den Familien und Angehörigen aller, die in Berlin getötet oder verletzt wurden“, teilte die Brüsseler Behörde am Dienstag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. „Wir stehen in tiefer Trauer an der Seite der Opfer.“

          Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte sich bereits kurz nach dem Anschlag am Montagabend geäußert und sein Beileid ausgedrückt. Die ständigen Vertreter bei der EU begannen ihre Sitzung am Dienstag mit einer Schweigeminute.

          Der französische Staatspräsident François Hollande schrieb in der Nacht in einer Twitter-Botschaft: „Der Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem deutschen Volk und den Familien der Berliner Opfer drücke ich meine Solidarität und mein Mitgefühl aus.“

          Finnlands Regierungschef Juha Sipilä schrieb, es sei ein Abend „der absolut schockierenden Nachrichten und sinnlosen Gewalt“. Seine Gedanken seien in in der deutschen Hauptstadt „bei allen Berlinern und unseren deutschen Freunden“.

          Auch der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni drückte mit einer Twitter-Nachricht seinen Schmerz über „das Weihnachts-Blutbad in Berlin“ aus. Er sei in Gedanken bei „Angela Merkel und dem ganzen deutschen Volk“.

          Der ungarische Außenminister Peter Szijjarto sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. „Die Menschen in Ungarn verurteilen aufs entschiedenste den hemmungslosen und niederträchtigen Angriff in Berlin, der genau dann erfolgte, als sich Europa auf das größte christliche Fest vorbereitete“, schrieb Szijjarto an Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Das Außenministerium in Budapest veröffentlichte den Text des Schreibens am frühen Dienstagmorgen.

          Der gewählte amerikanische Präsident Donald Trump nahm in seiner Twitter-Botschaft auch Bezug auf die Vorfälle in Zürich und Ankara und forderte die westliche Welt zum Umdenken auf:

          Internationale Medien reagierten auf den Anschlag von Berlin. Für die französische Zeitung „Le Parisien“ ähnelt die „Tragödie“ von Berlin „dem Albtraum, den alle Polizeibehörden in westlichen Ländern schon seit Jahren fürchteten“. Schon seit langem hätten Islamisten „das Symbol des Weihnachtsmarktes im Visier, der die christliche Tradition und volkstümliches Feiern vereint“, im Blick gehabt. In Straßburg seien bereits Anschläge vereitelt worden, nun habe es die deutsche Hauptstadt getroffen. „Aber nicht ein einzelnes Land ist getroffen, sondern das Herz Europas.“

          Die „Schablone“ von Nizza?

          Die italienische Zeitung „La Repubblica“ bezeichnete die Attacke als Antwort der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) an den Westen. Es sei unklar, ob der Angriff auf Touristen in Jordanien, die Attacke in Berlin, die Ermordung des russischen Botschafters in Ankara und die Schießerei in Zürich „unter der gleichen Regie“ stattgefunden hätten. Doch zumindest „beim Massaker auf dem Weihnachtsmarkt“ scheine es eine klar identifizierbare Schablone zu geben: „Es war dieselbe wie bei dem Blutbad in Nizza.“

          Doch „auf die Brutalität weniger“ dürfe man nun nicht „mit der Diskriminierung zahlreicher hoffnungsloser Asylsuchender“ antworten.  Die einzige Mauer gegen den Terror sei „die Verteidigung unserer Werte der Demokratie, des Respekts und der Solidarität“.

          Die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) schrieb über die Folgen des Anschlags, das „politische Klima für einen Ausbau der Sicherheitsvorkehrungen“ sei in Deutschland nun „günstiger“ geworden, ohne dass das Land „in Gefahr geriete, die Massstäbe des demokratischen Rechtsstaats zu verletzen“. Es könne derzeit noch nicht beurteilt werden, ob die „Gewalttat von Berlin durch geschickte Polizeiarbeit hätte verhindert werden können“. Die NZZ warnte außerdem vor „voreiligen Spekulationen und der Suche von Sündenböcken“.

          Ähnliche Anschläge im öffentlichen Raum, „einem Emblem für gemeinsame Werte und eine offene Gesellschaft“, habe es bereits gegeben, schrieb die amerikanische „New York Times“. Doch die „Symbolkraft des Anschlagsortes“ sei im Fall von Berlin „noch tiefer“ gegangen. Denn die Gedächtniskirche sei ein Mahnmal für die Deutschen, eine Erinnerung an den Terror, den sie in der Vergangenheit über die Welt gebracht hätten. Kritik an der Offenheit Berlins, wie sie jetzt die „Alternative für Deutschland“ übe, erinnere an bekannte Worte von 1928 – gesprochen von Joseph Goebbels.

          Soziale Medien: #PrayForBerlin

          In den sozialen Netzwerken verbreitete sich nach der Attacke auf den Weihnachtsmarkt am Montagabend der Hashtag #PrayForBerlin. Zahlreiche Menschen drückten so ihre Solidarität mit den Opfern aus. Fredi Bobic, Sportvorstand beim Fußballverein Eintracht Frankfurt twitterte:

          Viele weitere Botschaften in den Sozialen Netzwerken wurden mit dem Hashtag #IchBinEinBerliner versehen.

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