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Anschlag auf Flüchtlingsheime : Hoffen auf Unterstützung der Bevölkerung

  • Aktualisiert am

Die Polizei in Vorra untersucht die Spuren nach dem Brandanschlag. Bild: AFP

Nach dem Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkünfte im mittelfränkischen Vorra hofft die Polizei auf Unterstützung der Bevölkerung. Bürger planen Solidaritätsaktionen.

          Eine 20-köpfige Sonderkommission setzt nach einem Brandanschlag auf leerstehende Flüchtlingsunterkünfte im mittelfränkischen Vorra auch auf die Hilfe der Bevölkerung. Am Samstag wollen die Ermittler Fahndungsplakate und Handzettel in dem Ort verteilen, wie die Polizei am Freitagabend ankündigte. Zeugen können sich auch unter der Telefonnummer 0800 7766320 melden.

          Zudem hat die Sonderkommission eine Belohnung von 5000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Aufklärung der Tat oder zur Ergreifung der Täter führen.

          Die Polizei geht von einem Brandanschlag mit rechtsextremen Hintergrund aus. Bei dem Brand in den drei leerstehenden Gebäuden war in der Nacht zum Freitag ein Feuerwehrmann leicht verletzt worden. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach von einer schändlichen Tat und versprach, die bayerischen Behörden würden alles unternehmen, um Täter, Urheber und Anstifter zur Rechenschaft zu ziehen. Seehofer sagte nach dem Brandanschlag: „Braunes Gedankengut hat keinen Platz in unserer freiheitlichen Gesellschaft.“ Die Menschen in Bayern ließen sich durch die Provokation, den Hass und die Menschenverachtung nicht beirren. Bayern zeichne sich durch die Hilfsbereitschaft aus für diejenigen, die im Freistaat Schutz vor Krieg und Verfolgung und Obhut in Frieden suchen. Die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), sagte, die mutmaßlichen Brandanschläge zeigten die Täter eine „abgrundtiefe Menschenfeindlichkeit“ der Täter.

          Die örtliche Pfarrgemeinde kündigte unterdessen für Sonntag einen Gedenkgottesdienst in Vorra an. Mann wolle damit ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen, kündigte der evangelische Pfarrer Björn Schukat an. Bereits für den Samstag planten Bürger kleinere Solidaritätsaktionen.

          Auch außerhalb Bayerns hatte der Brandanschlag für Entsetzen gesorgt. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte es „unerträglich, wenn Asylbewerberheime geschändet werden, wenn Menschen versuchen, radikale Sprüche zu machen“. Bundespräsident Joachim Gauck sagte: „Wir können nur mit aller Entschlossenheit der anständigen Menschen reagieren.“

          Linke wirft AfD „geistige Brandstiftung“ vor

          Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland zeigte sich besorgt. „Mit verbalen Attacken fängt es an und mündet in Anschläge wie jetzt in Bayern auf das geplante Flüchtlingsheim“, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster den „Ruhr Nachrichten“ (Samstag). Die neue Anti-Islam-Bewegung „Pegida“ sei „brandgefährlich“. Gruppen vom ganz rechten Rand nutzten die Verunsicherung vieler Bürger schamlos aus.

          Drei Gebäude sind in Vorra nahe Nürnberg ausgebrannt. Bilderstrecke

          Linkspartei-Chef Bernd Riexinger warf der AfD vor dem Hintergrund der Brandanschläge in Bayern und der „Pegida“-Demonstrationen in Dresden eine Politik der „geistigen Brandstiftung“ vor. Aber auch die Union breche „ein weiteres Tabu nach rechts“, indem sie offen Verständnis für fremdenfeindliche Demonstrationen äußere, sagte Riexinger der „Leipziger Volkszeitung“ (Samstag). In einem politischen Klima, „wo etablierte Parteien Rassismus salonfähig machen, fühlen sich rechte Gewaltbanden ermutigt“.

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