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Anschläge in Madrid „Kriegserklärung an die Demokratie"

11.03.2004 ·  Nach den Bombenanschlägen in Madrid hat der konservative Spitzenkandidat Mariano Rajoy den Wahlkampf der Volkspartei (PP) für beendet erklärt. Weltweit haben die Anschläge Trauer und Entsetzen ausgelöst.

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Die verheerenden Anschläge von Madrid haben in ganz Europa Trauer, Empörung und Wut ausgelöst. Bei den Attentaten sind mindestens 131 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 400 wurden verletzt. Der konservative Spitzenkandidat Mariano Rajoy hat den Wahlkampf der regierenden Volkspartei (PP) für beendet erklärt.

Die Attentate hätten die Demokratie in Trauer gestürzt. „Aber sie werden uns nicht in die Knie zwingen“, sagte er im Rundfunk. Die Regierung macht die baskische Untergrundorganisation Eta für die Anschläge verantwortlich. Die ETA kämpft seit 1968 gewaltsam für die Unabhängigkeit des Baskenlandes. Bei Anschlägen wurden seitdem mehr als 850 Menschen getötet. Beim bislang blutigsten ETA-Anschlag starben 1987 in einem Supermarkt in Barcelona 21 Menschen.

Schweigeminute im Europaparlament

Der Präsident des Europaparlaments, Pat Cox, hat die Bombenanschläge in Madrid als „Kriegserklärung an die Demokratie“ verurteilt. „Dies ist der schlimmste Tag in der Geschichte Spaniens“, sagte Cox am Donnerstag morgen vor dem Plenium des Europaparlaments in Straßburg. Dieses „furchtbare Verbrechen“ sei durch nichts zu gerechtfertigen. Die EU müsse ihren Kampf gegen den Terror verstärken, forderte der irische Liberale. „Es ist unsere Pflicht gegenüber dem spanischen Volk und den anderen Völkern in der EU, dafür zu sorgen, daß Terroristen keinen Unterschlupf bei uns finden“. Die sichtlich bewegten Europaabgeordneten gedachten mit einer Schweigeminute der Opfer.

Fischer: Trauer und Empörung

Bundespräsident Johannes Rau und Außenminister Joschka Fischer haben die Bombenanschläge von Madrid verurteilt, Sie seien entsetzt über die Attentate mit so vielen Toten, schrieben Rau und Fischer in Beileidstelegrammen an König Juan Carlos I und Außenministerin Ana Palacio. „Der Tod vieler unschuldiger Menschen durch einen hinterhältigen Anschlag macht mich fassungslos", schrieb Rau an den Monarchen. Die vielen Opfer erfüllten ihn mit Trauer und Empörung, hieß es in dem Kondolenzschreiben Fischers.

Der Bundespräsident und der Außenminister bekundeten Spanien die Anteilnahme und Solidarität Deutschlands. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse unterbrach die Sitzung des Parlaments und äußerte ebenfalls sein Entsetzen über die Anschläge.

EU verurteilt „Anschlag auf Demokratie“

Als einen „Anschlag auf die Demokratie“ hat der amtierende Ratspräsident der Europäischen Union, der irische Regierungschef Bertie Ahern, die Attentate in Madrid verurteilt. Dafür gebe es keinerlei politische Rechtefertigung, erklärte Ahern. Der Zeitpunkt der Explosionen sei bewußt so gewählt worden, daß ein größtmögliches Blutbad und Verwüstungen angerichtet würden.

Frankreich verstärkt Kontrollen im Baskenland

Frankreich hat die tödlichen Terroranschläge von Madrid als „feige Attentate“ verurteilt. Staatspräsident Jacques Chirac erklärte in einem Schreiben an Spaniens Regierungschef José Maria Aznar, er habe mit Bestützung von den „fürchterlichen Attentaten“ erfahren, die zu verurteilen seien. Wegen der Anschläge verstärkte die französische Polizei die Sicherung der Landesgrenzen im französisch-spanischen Baskenland, teilte ein Polizeisprecher mit.

Der britische Außenminister Jack Straw verurteilte den „abscheulichen Angriff auf die Prinzipien der europäischen Demokratie“. Großbritannien stehe Spanien im Kampf gegen „diese Art von Terrorismus“ bei. IAuch taliens Ministerpräsident Silvio Berlusconi erklärte sich in einem Beileidsschreiben mit seinem spanischen Kollegen José Maria Aznar solidarisch, wie sein Büro in Rom mitteilte.

Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana hat „jeden Europäer und jeden Demokraten“ dazu aufgerufen, die Bombenanschläge in Madrid mit aller Energie zu verurteilen. Die Urheber dieser schrecklichen kriminellen Taten hätten hunderten Familien wahllos schweres Leid angetan, sagte der frühere spanische Außenminister am Donnerstag in Brüssel. Er hoffe und sei sich darüber sicher, daß alle Europäer an diesem Tag mit ihren spanischen Mitbürgern dafür einstehen würden, gemeinsam mit Entschlossenheit weiter gegen den Terrorismus zu kämpfen.

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