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Anschläge in Amman Al Qaida bezichtigt sich - mehr als hundert Festnahmen

11.11.2005 ·  Zwei Tage nach den Terroranschlägen in Amman hat die jordanische Polizei im ganzen Land mindestens 120 Verdächtige festgenommen. Al Qaida versucht, die Anschläge im jordanischen Amman zu rechtfertigen, und kündigt weitere „katastrophale“ Terrorakte an.

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Die Selbstmordanschläge von Amman gehen laut einer Erklärung von Al Qaida auf das Konto von vier Irakern, darunter eine Frau. „Sie gelobten zu sterben, und sie haben den kürzesten Weg gewählt, um Gottes Segen zu erhalten“, hieß es in der Stellungnahme, die am Freitag im Internet veröffentlicht wurde.

Die Frau habe ihren Ehemann „in den Märtyrertod“ begleiten wollen. Bei den Anschlägen auf drei Luxushotels wurden am Mittwoch mindestens 60 Menschen getötet. Al Qaida im Irak bekannte sich zu den Taten. Die Anschläge seien eine Antwort auf „die Verschwörung gegen die Sunniten, deren Blut und Ehre von den Kreuzzüglern und den Schiiten vergossen wurde“, hieß es in der Stellungnahme weiter. Die Ziele für die Anschläge seien nach vierwöchigen Observierungen ausgewählt worden.

Mehr als hundert Festnahmen

Angesichts der Proteste der jordanischen Bevölkerung hatte Al Qaida schon am Donnerstag abend eine weitere Erklärung veröffentlicht. Darin hieß es, sie habe erst zugeschlagen, als sie sicher gewesen sei, daß die Hotels Zentren des Kriegs gegen den Islam seien. Die Hotels unterstützten die Präsenz „der Kreuzfahrer“ im Irak und auf der arabischen Halbinsel und der Juden im Land Palästina.

Die jordanische Polizei suchte unterdessen mit einem Großaufgebot nach den Drahtziehern der Anschläge. Mindestens 120 Verdächtige wurden festgenommen, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Bei den meisten handele es sich um Iraker und Jordanier. „Wir wissen nicht, ob sie in die Anschläge verwickelt waren oder den Selbstmordattentätern geholfen haben“, sagte ein Gewährsmann in Jordanien. „Viele sind vielleicht einfach unschuldig.“ Der jordanische Innenminister Auni Jirfas sagte, die Polizei verhöre Verdächtige verschiedener Nationalitäten. Die Polizei wertete die Aufnahmen von Überwachungskameras der Hotels aus.

Unklarheit über Attentäter

Aus Sicherheitskreisen verlautete, es seien drei männliche Leichen geborgen worden, bei denen es sich vermutlich um die der Täter handele. Spuren eines vierten Attentäters seien bislang nicht entdeckt worden. Möglicherweise sei eine Täterin aber für einen Gast der Hochzeitsgesellschaft im Radisson-Hotel gehalten worden.

UN-Generalsekretär Kofi Annan traf am Freitag in Amman mit König Abdullah II. zusammen. Keine Ideologie könne die Tötung unschuldiger Zivilisten rechtfertigen, sagte Annan vor Journalisten. Anschließend besuchte er zwei der betroffenen Hotels.

Trauer und Proteste

Im ganzen Land gedachten die Menschen der Opfer. In den Moscheen wurden spezielle Gebete gesprochen. In den Zeitungen erschienen ganzseitige Anzeigen, in denen Jordanier den betroffenen Familien ihr Beileid aussprachen und dem Königshaus ihre Loyalität versicherten. Sänger verfassten ein Lied mit dem Titel „Unser Land“, das sie im Fernsehen präsentierten. „Wir werden dem Terrorismus nicht nachgeben“, lautet eine Textzeile.

Auch nach den Freitagsgebeten strömten tausende Menschen, darunter viele Iraker, auf die Straßen, um gegen die Gewalt zu demonstrieren. Nach Angaben vom Freitag wurden bei den Anschlägen 38 Jordanier getötet, viele von ihnen waren palästinensischer Herkunft. Die amerikanische Botschaft in Amman erklärte, auch zwei amerikanische Bürger seien getötet worden.

Beim ersten Freitagsgebet nach den Anschlägen reichte der Platz in der Husseini-Moschee im Zentrum von Amman nicht aus, um alle Gläubigen aufzunehmen. Die Betenden, unter ihnen auch Prinz Hassan, der Bruder des verstorbenen Königs Hussein, knieten auf der Straße nieder, auf der sich kurz darauf ein Demonstrationszug formierte. Oppositionelle Islamisten, Berufsvereinigungen und ein Künstlerverband hatten dazu aufgerufen.

„Zarqawi ist kein Muslim“,

...ereifert sich ein bärtiger Demonstrant über den aus Jordanien stammenden Terroristenführer, dessen Gruppe sich im Internet der Tat bezichtigt hatte. Für den Vorsitzenden des Ingenieurverbands war klar, daß hinter den Anschlägen auf drei Hotels nur die Amerikaner und der israelische Geheimdienst Mossad stecken können - als Vorwand, um noch mehr Besatzungstruppen in die Region zu schicken.

Andere Menschen in dem Zug schwenkten jordanische Fahnen oder hielten Bilder von König Abdullah in die Höhe; an vielen Autos, Geschäften und Fenstern in Amman brachten Jordanier ihre Nationalsymbole an, um zu zeigen, daß sie in diesen Tagen zusammenhalten müßten, die manche als den „11. September“ des kleinen arabischen Landes bezeichnen.

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