27.12.2008 · Die Luftangriffe der israelischen Armee auf den Gazastreifen kamen nicht überraschend. Was sie für die bevorstehende israelische Wahl bedeuten, lässt sich nur mutmaßen. Manches spricht dafür, dass der Hardliner Benjamin Netanjahu weiter an Sympathie gewinnt.
Von Oliver HoischenDie Luftangriffe der israelischen Armee auf den Gazastreifen kamen am Samstag alles andere als überraschend: Seit Tagen schon war der – von Ägypten vermittelte und nie schriftlich fixierte – Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas abgelaufen.
Eine Seite beschuldigte die andere, sich nicht daran gehalten zu haben, wofür es durchaus Argumente gibt: Tatsächlich haben die palästinensischen Islamisten nie aufgehört, aus dem Gazastreifen heraus Raketen und Granaten auf den Süden Israels zu feuern und bewusst auch die Zivilbevölkerung zu gefährden. Im Gegenzug weigerte sich Israel stets, größere Mengen an Hilfsgütern in das von der Hamas beherrschte Gebiet zu lassen, das kleiner als das Bundesland Bremen ist und in dem eineinhalb Millionen Menschen in zum Teil großer Armut leben. Nun dreht sich die Spirale der Gewalt von neuem: Die Hamas kündigte sofort an, sich für die Zerstörung von Polizeistationen und Waffenlagern zu rächen.
Was das alles für die bevorstehende israelische Wahl bedeutet, lässt sich nur mutmaßen. Manches spricht dafür, dass der Favorit Benjamin Netanjahu weiter an Sympathien gewinnt, schließlich ist er kein Freund von Kompromissen mit den Islamisten. Sogar viele gemäßigte Israelis stehen inzwischen hinter den Militäraktionen. Ihre Hoffnungen auf Frieden sind längst zerstoben: Nach dem Abzug der israelischen Siedler und Militärs aus dem Gazastreifen vor einigen Jahren ist ihr Leben nicht sicherer geworden.
Im Gegenteil: Die Hamas findet in der Bevölkerung immer mehr Anhänger, ihr erklärter Vernichtungskampf gegen die jüdischen Nachbarn wird von Iran gefördert, nicht nur finanziell. Der gesamte Nahe Osten ist in diesen Konflikt involviert. Darum wäre schon viel gewonnen, wenn es den Vermittlern jetzt gelänge, wenigstens einen regelrechten Krieg wie zuletzt im Libanon zu verhindern.