21.02.2010 · Einen Tag vor Beginn des womöglich größten Streiks in der deutschen Luftfahrtgeschichte hat die Lufthansa im Tarifkonflikt mit den Piloten eine Arbeitsplatzgarantie bis 2012 angeboten. Doch bisher zeichnet sich keine Einigung zwischen dem Unternehmen und der Pilotenvereinigung ab. Mehr als 4000 Piloten sind aufgerufen, bis Donnerstag am Boden zu bleiben.
Im Tarifstreit bei der Lufthansa sind offenbar letzte Versuche gescheitert, den angekündigten Streik der Piloten abzuwenden. Die Vereinigung Cockpit (VC) wies am Sonntag die Forderung der Lufthansa zurück, nur dann miteinander zu sprechen, wenn die Piloten auf ihren Forderungskatalog verzichteten. Damit dürfte der Streik von 4000 Piloten, der um Mitternacht beginnen sollte, nicht mehr abzuwenden sein.
Die Lufthansa hatte zuvor erklärt, sie sei zu Gesprächen ohne Vorbedingungen bereit. Konzernsprecher Klaus Walther schränkte aber ein, Gespräche werde es nur geben, wenn die VC gleichfalls auf Vorbedingungen verzichte und ihren „unerfüllbaren und rechtswidrigen Forderungskatalog nicht länger zur Gesprächsgrundlage“ mache und zurückziehe.
Der Sprecher der Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg, nannte dies „völlig inakzeptabel“. Er warf Lufthansa vor, „den Konflikt zu suchen“. Piloten und Konzernführung hätten seit Jahren verhandelt und seien auf einem konstruktiven Weg gewesen. „Wir fangen doch jetzt nicht noch einmal bei Null an“, sagte Handwerg. Die Vorbedingung, die Piloten sollten „ihre Tarifverträge zerreißen“, sei „völlig unrealistisch“. Die Vereinigung Cockpit werde nicht von ihrer Forderung abrücken, dass der bestehende Tarifvertrag eingehalten werde. Die Erklärung des Konzerns sei eine „Nebelbombe“, sagte Handwerg. „Unser Eindruck ist, dass die Lufthansa nicht mit uns sprechen möchte.“
Einen Tag vor Beginn des womöglich größten Streiks in der deutschen Luftfahrtgeschichte hat die Lufthansa im Tarifkonflikt mit den Piloten eine Arbeitsplatzgarantie bis 2012 angeboten. Doch bisher zeichnet sich keine Einigung zwischen dem Unternehmen und der Pilotenvereinigung ab. Mehr als 4000 Piloten sind aufgerufen, bis Donnerstag am Boden zu bleiben.
Lufthansa bietet Arbeitsplatzgarantie
Das Unternehmen sei bereit, bis Ende 2012 eine Arbeitsplatzgarantie zu geben, sagte Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Die Garantie könne bis 2013 oder 2014 verlängert werden. „Voraussetzung ist aber, dass wir wieder an einen Tisch kommen.“
Von Montag bis einschließlich Donnerstag hat die Vereinigung Cockpit mehr als 4000 Piloten zum Streik aufgerufen. Mit rund 3200 Flugausfällen wäre es für die Airline der bisher größte Ausstand. Normalerweise zählt die Lufthansa jeden Tag rund 150.000 Passagiere. Gestritten wird über Gehälter, Arbeitsplatzsicherung und Einfluss auf die Unternehmenspolitik.
Verkehrsminister versucht Streik abzuwenden
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer bemühte sich im Tarifkonflikt bei der Lufthansa darum, den bevorstehenden Streik der Piloten in letzter Minute zu verhindern. „Ich werde heute alles daran setzen, die beiden Lager zusammenzubringen, um diesen Streik abzuwenden“, sagte Ramsauer am Sonntag in Berlin. Er stehe sowohl mit der Lufthansa als auch mit der Vereinigung Cockpit in Kontakt. Ein Streik hätte verheerende Folgen, die weit über die Luftfahrtbranche hinaus gingen, und sei ein schlechtes Signal für andere Tarifparteien, sagte Ramsauer. Beide Seiten hätten ihm aber erklärt, dass ihnen nicht unbedingt an einem Streik gelegen sei.
Am Samstag noch hatte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber mit dem Vorsitzenden der Pilotenvereinigung Cockpit, Präsident Winfried Streicher telefoniert. Die von der Fluggesellschaft gestellten Vorbedingungen für Gespräche lehnte Cockpit aber ab. Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther bestätigte den telefonischen Kontakt zwischen Mayrhuber und Streicher. Die Fluggesellschaft sei dialogbereit, wenn Cockpit vorab bestätige, „von Forderungen, die die unternehmerische Freiheit unzulässig beschränken, wie Markennutzung und Auslandsbeteiligungen, abzurücken und nicht erneut zum Gegenstand der Verhandlungen zu machen“.
„Unerfüllbare und rechtlich unzulässige Forderungen“
Lufthansa-Vorstand Christoph Franz erklärte, über das Thema Arbeitsplatzsicherheit könne sofort verhandelt werden, „wenn VC ihre unerfüllbaren und rechtlich unzulässigen Forderungen über die Ausweitung deutschen Tarifrechts ins Ausland fallen lässt“. Es seien keine Arbeitsplätze ins Ausland verlagert worden; „es hat noch nie einen Stellenabbau im Lufthansa Passage Cockpit gegeben, und das ist auch derzeit nicht geplant.“
„Irrweg“
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sprach von einem „Irrweg“ und rief dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Hundt nannte den Streik in der „Welt am Sonntag“ einen unzulässigen Eingriff in die Unternehmerfreiheit mit Konsequenzen weit über die Lufthansa hinaus: „Ich fordere die Vereinigung Cockpit auf, ihren gefährlichen Irrweg zu verlassen und sofort an den Verhandlungstisch zurückzukehren.“
Wegen des bisher umfassendsten Ausstands bei der deutschen Fluggesellschaft hatte die Lufthansa am Freitag die Streichung von zwei Dritteln der Verbindungen von Montag bis Donnerstag angekündigt. Passagiere können sich unter der kostenfreien Nummer 0800 / 8 50 60 70 informieren. Die Lufthansa bot den Kunden kulante Umbuchungsmöglichkeiten an.
Die ebenfalls bestreikte Tochtergesellschaft Germanwings hat bereits angekündigt, an den vier Streiktagen rund 400 ihrer 600 geplanten Flüge zu absolvieren. Die Lufthansa will ihre Piloten aus dem Management einsetzen und wahrscheinlich in erster Linie die lukrativen Überseeverbindungen aufrechterhalten.
Zudem hat die Lufthansa einen Sonderflugplan erarbeitet und ins Internet gestellt
Die Bahn stellt sich auf volle Züge auf den Hauptstrecken ein, während Autovermieter ihre Flotten auf die Flughäfen konzentrierten. Auch Lufthansa-Konkurrenten wie Ryanair oder Air Berlin warben um Umsteiger.