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Veröffentlicht: 16.01.2014, 17:25 Uhr

Andreas Scheuer Der CSU drohen Turbulenzen um Doktortitel ihres Generalsekretärs

Der neue CSU-Generalsekretär tritt in Deutschland als „Dr. Andreas Scheuer“ auf. Dabei hat er in Prag nur ein sogenanntes kleines Doktorat erworben. Das ist nicht die einzige Unstimmigkeit im Zusammenhang mit seiner Promotion.

© dpa Dr. - oder auch: PhDr. - Andreas Scheuer

Die CSU muss sich nach Informationen der F.A.Z. auf Turbulenzen um den Doktortitel ihres Generalsekretärs Andreas Scheuer einstellen. Scheuer erwarb 2004 an der Prager Karlsuniversität ein „kleines Doktorat“, das ihn in Deutschland nur in den Ländern Berlin und Bayern zur Führung des Titels „Dr.“ berechtigt. In den anderen Bundesländern darf nur die tschechische Abkürzung „PhDr.“ geführt werden.

Scheuers Arbeit über „Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns“ ist in Deutschland über den Verlag Books on Demand zu erhalten, der im schleswig-holsteinischen Norderstedt ansässig ist. Im Impressum des Buches firmiert er als „Dr. Andreas Scheuer, MdB“. Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht rügte im Jahr 2011 einen Steuerberater, der ein slowakisches „kleines Doktorat“ nutzte, um als „Dr.“ aufzutreten; der Steuerberater hatte seinen Hauptwohnsitz in Bayern, arbeitete aber in Schleswig-Holstein.

„Ganz normal“

Der Prager Doktorvater Scheuers, der Politologe Rudolf Kučera, bezeichnete es gegenüber dieser Zeitung als „ganz normal“, dass Scheuer in Prag eine Arbeit in deutscher Sprache vorgelegt habe. Tschechischkenntnisse seien nicht verlangt worden; Scheuer habe in Prag keine Lehrveranstaltungen besucht. Der Prüfungskommission, die mit Scheuers Promotion befasst gewesen sei, habe auch der Politologe Bohumil Doležal angehört. Doležal sagte der F.A.Z., er sei nicht Mitglied der Prüfungskommission gewesen und wisse über diese Angelegenheit nichts.

Zu Vorwürfen, er habe in seiner Arbeit eine längere Textpassage aus einer Veröffentlichung der Bundeszentrale für politische Bildung, die in Zusammenarbeit mit der Universität Münster erstellt worden war, ohne Kenntlichmachung weitgehend übernommen, ließ Scheuer seinen Sprecher mitteilen, bei einer „detaillierten Überprüfung“ der Arbeitsunterlagen für seine Promotion sei „kein Textdokument der Universität Münster“ gefunden worden. Er werde die Universität bitten, „über Autorschaft und Entstehungsdatum“ des Textes Auskunft zu geben. Es sei nicht notwendig gewesen, für das Promotionsverfahren „die tschechische Sprache zu erlernen“, da Kučera Deutsch spreche.


Bundeszentrale für politische Bildung
„Wahlanalyse und Wahlprognose 2002.
Die Bundestagswahl im Unterricht“:


Andreas Scheuer
„Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns“, Books on Demand:


Politische Arbeit und Erfolge
dieser Partei sind untrennbar mit dem Namen Franz-Josef Strauß verbunden, der als Parteivorsitzender von 1961 bis zu seinem Tod 1988 ohne ernsthafte Infragestellung amtierte. Anfechtungen, die für andere Spitzenpolitiker oft das politische „Aus“ bedeuteten („Spiegel-Affäre“, gescheiterte Kanzlerkandidatur 1980), konnten seine Stellung - jedenfalls in Bayern - nicht ernsthaft beeinträchtigen. Strauß war der Prototyp des dynamischen, fast charismatischen Politikers, der seine politischen Auseinandersetzungen mit Härte und Entschlossenheit bestritt und auf diese Weise die Bevölkerung polarisierte: Der Bundestagswahlkampf 1980 z.B. reduzierte sich thematisch auf die Frage „für oder gegen“ Strauß. Die Frage, ob die Partei auch ohne ihren „großen Vorsitzenden“ bestehen könne, stand lange im Raum, hat sich jedoch mit Edmund Stoiber als bayrischem Ministerpräsidenten und Theo Waigel als Vorsitzendem gelöst.


Die Politische Arbeit und die Erfolge der CSU sind fast untrennbar mit dem Namen Franz-Josef Strauß verbunden. Strauß war von 1961-1988 CSU-Vorsitzender, gehörte verschiedenen Bundeskabinetten als Minister an und übernahm von 1978 das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten. Probleme, die für andere Spitzenpolitiker oft das sichere politische „Aus“ bedeutet hätten („Spiegel-Affäre“, gescheiterte Kanzlerkandidatur 1980), konnten seine politische Stellung - jedenfalls in Bayern - nicht ernsthaft beeinträchtigen. Strauß hat die Arbeit der CSU wie kein Zweiter geprägt und darf als Prototyp des dynamischen Politikers gelte, der seine politischen Auseinandersetzungen mit Härte und Entschlossenheit bestritt und nicht selten die Wähler polarisierte: Der Bundestagswahlkampf 1980 z.B. reduzierte sich thematisch auf die Frage „für und gegen“ Strauß. Die Frage, ob die Partei auch ohne ihren „großen Vorsitzenden“ bestehen könne, stand lange im Raum, hat sich jedoch mit Edmund Stoiber als
bayerischem Ministerpräsidenten und Theo Waigel als Vorsitzenden gelöst.

Quelle: ff./kps./F.A.Z.

 

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