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Andrea Nahles im Interview „Ich fahre gerne schnell“

Die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles über die Freiheit des Autofahrens, Lambos auf dem Nürburgring, Schulbusse auf dem Dorf und die Pendelei zwischen Eifel und Berlin.

© Röth, Frank Landstraße statt Times Square: Die SPD-Generalsekretärin in der Nähe ihres Heimatdorfs in der Eifel

Frau Nahles, Sie haben kürzlich ein neues Auto gekauft. Ist es wieder ein Golf GTI?

Nein, ein Opel Adam, in Rot. Der ist richtig schön.

Ein Opel? Wir dachten, Sie mögen schnelle Wagen.

Ich wollte einen kleinen Flitzer haben für die Wahlkampfmonate.

Wie viel PS, wie viel Hubraum?

87 PS hat der. Für ein kleines Auto ist das schon ordentlich. Er wird in Eisenach gebaut und ist der einzige deutsche Kleinwagen, der überhaupt noch in Deutschland gebaut wird.

Nebenbei ist Opel auch ein wichtiger Arbeitgeber. Ich beschäftige mich schon damit, wie ein Auto produziert wird. Ich interessiere mich nicht nur für das Endprodukt.

Aber das Endprodukt muss eine gewisse Sportlichkeit haben?

Ja klar! Sonst macht’s ja keinen Spaß.

Woher kommt Ihre Freude am schnellen Autofahren?

Ich wohne zehn Kilometer entfernt vom Nürburgring. In der ganzen Region gibt es viel Begeisterung für den Motorsport. Es macht halt unheimlich Spaß, durch die Eifel zu fahren. Weil es so kurvige Strecken sind, weil die Landschaft so toll ist.

Außerdem: Wenn man in einem Eifeldorf lebt, muss man mit dem Auto fahren, weil es sonst kaum Verkehrsmittel gibt. Da bedeuten Führerschein und eigenes Auto schlichtweg Freiheit.

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Sind Sie auch schon auf dem Nürburgring gefahren?

O ja, oft. Mit allem, was man sich so vorstellen kann. Das Beste war eine Fahrt mit dem Rennfahrer Christian Abt in einem Lamborghini Gallardo. Die ersten zwei Minuten hatte ich tierisch Schiss, aber dann habe ich gemerkt: Er kann’s, und dann war ich entspannt.

Ich bin die Strecke auch selber schon oft gefahren. Mit Peter Struck auf dem Motorrad, aber auch privat, mit Freunden, da kann ja jeder ein Ticket kaufen. Die Nordschleife ist auch ein Naturerlebnis, deshalb rase ich da eigentlich ungern.

Also, Sie rasen ungern auf dem Nürburgring, aber sonst ganz gern?

Wenn ich eine freie Strecke habe, wie zum Beispiel auf der A 48, fahre ich schon gerne schnell.

Wie oft wurden Sie schon beim Rasen erwischt?

Ich habe auf jeden Fall ein paar Punkte. In letzter Zeit ist es aber besser geworden, weil ich viel mit Fahrer unterwegs sein muss. Das rettet mich. Und meine zweieinhalb Jahre alte Tochter sagt immer: „Net schnell fahren!“

Die sitzt hinten im Kindersitz, und schon Normalgeschwindigkeit empfindet sie als schnell. Unter anderem wegen der großen Schlaglöcher. Die Straßen hin zu meinem Dorf sind von unterirdischer Qualität. Also ruft die Kleine von hinten: „Net bollern!“

Sie hatten auch schon mal einen schweren Unfall. Wie ist das passiert?

Ich bin zu schnell gefahren, im Urlaub, auf einer Straße in Schweden. Es war eine Schotterpiste, ich hatte gerade drei Monate meinen Führerschein und dachte, ich könnte Autofahren. War aber nicht so. Ich bin mit 50, 60 Stundenkilometern unangeschnallt gegen einen Baum geschleudert und habe mich sehr schwer verletzt.

Davon habe ich immer noch die Narbe auf der Stirn. Gott sei dank ist meinem Beifahrer, einem Freund, nichts passiert. Ich bin dann auf abenteuerlichen Wegen aus dem schwedischen Wald zum nächsten Krankenhaus gebracht worden. Es war wirklich sehr eng. Danach habe ich nie wieder einen Unfall gehabt.

Aber Sie haben immer noch Spaß am schnellen Fahren.

Ja, aber nachdem ich fast mit meinem Leben dafür bezahlt hatte, habe ich meine Lektion gelernt. Ich habe auch ein Fahrsicherheitstraining gemacht. Und ich fahre nur schnell, wenn der Verkehr das zulässt. Ich bin kein Rowdy, der in der Innenstadt schnell fährt.

Eine Frau vom linken Parteiflügel der SPD hat Spaß am schnellen Autofahren - das ist doch politisch völlig unkorrekt.

Das ist mir so was von egal! Und diese politische Korrektheit ist auch nicht überall in Deutschland die gleiche. Es gibt bei Mobilität und Verkehr ganz klar einen Unterschied zwischen Land und Stadt. In meiner Region war es ganz normal, dass ein SPD-Ortsvereinsvorsitzende jahrelang Porsche fuhr. War gar kein Thema.

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