Home
http://www.faz.net/-gpf-78w5z
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Andrea Nahles im Interview „Ich fahre gerne schnell“

Die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles über die Freiheit des Autofahrens, Lambos auf dem Nürburgring, Schulbusse auf dem Dorf und die Pendelei zwischen Eifel und Berlin.

© Röth, Frank Vergrößern Landstraße statt Times Square: Die SPD-Generalsekretärin in der Nähe ihres Heimatdorfs in der Eifel

Frau Nahles, Sie haben kürzlich ein neues Auto gekauft. Ist es wieder ein Golf GTI?

Nein, ein Opel Adam, in Rot. Der ist richtig schön.

Ein Opel? Wir dachten, Sie mögen schnelle Wagen.

Ich wollte einen kleinen Flitzer haben für die Wahlkampfmonate.

Wie viel PS, wie viel Hubraum?

87 PS hat der. Für ein kleines Auto ist das schon ordentlich. Er wird in Eisenach gebaut und ist der einzige deutsche Kleinwagen, der überhaupt noch in Deutschland gebaut wird.

Nebenbei ist Opel auch ein wichtiger Arbeitgeber. Ich beschäftige mich schon damit, wie ein Auto produziert wird. Ich interessiere mich nicht nur für das Endprodukt.

Aber das Endprodukt muss eine gewisse Sportlichkeit haben?

Ja klar! Sonst macht’s ja keinen Spaß.

Woher kommt Ihre Freude am schnellen Autofahren?

Ich wohne zehn Kilometer entfernt vom Nürburgring. In der ganzen Region gibt es viel Begeisterung für den Motorsport. Es macht halt unheimlich Spaß, durch die Eifel zu fahren. Weil es so kurvige Strecken sind, weil die Landschaft so toll ist.

Außerdem: Wenn man in einem Eifeldorf lebt, muss man mit dem Auto fahren, weil es sonst kaum Verkehrsmittel gibt. Da bedeuten Führerschein und eigenes Auto schlichtweg Freiheit.

Mehr zum Thema

Sind Sie auch schon auf dem Nürburgring gefahren?

O ja, oft. Mit allem, was man sich so vorstellen kann. Das Beste war eine Fahrt mit dem Rennfahrer Christian Abt in einem Lamborghini Gallardo. Die ersten zwei Minuten hatte ich tierisch Schiss, aber dann habe ich gemerkt: Er kann’s, und dann war ich entspannt.

Ich bin die Strecke auch selber schon oft gefahren. Mit Peter Struck auf dem Motorrad, aber auch privat, mit Freunden, da kann ja jeder ein Ticket kaufen. Die Nordschleife ist auch ein Naturerlebnis, deshalb rase ich da eigentlich ungern.

Also, Sie rasen ungern auf dem Nürburgring, aber sonst ganz gern?

Wenn ich eine freie Strecke habe, wie zum Beispiel auf der A 48, fahre ich schon gerne schnell.

Wie oft wurden Sie schon beim Rasen erwischt?

Ich habe auf jeden Fall ein paar Punkte. In letzter Zeit ist es aber besser geworden, weil ich viel mit Fahrer unterwegs sein muss. Das rettet mich. Und meine zweieinhalb Jahre alte Tochter sagt immer: „Net schnell fahren!“

Die sitzt hinten im Kindersitz, und schon Normalgeschwindigkeit empfindet sie als schnell. Unter anderem wegen der großen Schlaglöcher. Die Straßen hin zu meinem Dorf sind von unterirdischer Qualität. Also ruft die Kleine von hinten: „Net bollern!“

Sie hatten auch schon mal einen schweren Unfall. Wie ist das passiert?

Ich bin zu schnell gefahren, im Urlaub, auf einer Straße in Schweden. Es war eine Schotterpiste, ich hatte gerade drei Monate meinen Führerschein und dachte, ich könnte Autofahren. War aber nicht so. Ich bin mit 50, 60 Stundenkilometern unangeschnallt gegen einen Baum geschleudert und habe mich sehr schwer verletzt.

Davon habe ich immer noch die Narbe auf der Stirn. Gott sei dank ist meinem Beifahrer, einem Freund, nichts passiert. Ich bin dann auf abenteuerlichen Wegen aus dem schwedischen Wald zum nächsten Krankenhaus gebracht worden. Es war wirklich sehr eng. Danach habe ich nie wieder einen Unfall gehabt.

Aber Sie haben immer noch Spaß am schnellen Fahren.

Ja, aber nachdem ich fast mit meinem Leben dafür bezahlt hatte, habe ich meine Lektion gelernt. Ich habe auch ein Fahrsicherheitstraining gemacht. Und ich fahre nur schnell, wenn der Verkehr das zulässt. Ich bin kein Rowdy, der in der Innenstadt schnell fährt.

Eine Frau vom linken Parteiflügel der SPD hat Spaß am schnellen Autofahren - das ist doch politisch völlig unkorrekt.

Das ist mir so was von egal! Und diese politische Korrektheit ist auch nicht überall in Deutschland die gleiche. Es gibt bei Mobilität und Verkehr ganz klar einen Unterschied zwischen Land und Stadt. In meiner Region war es ganz normal, dass ein SPD-Ortsvereinsvorsitzende jahrelang Porsche fuhr. War gar kein Thema.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
IOC: Claudia Bokel im Gespräch Ich werde versuchen, auf russische Athleten zuzugehen

Claudia Bokel ist Vorsitzende der IOC-Athletenkommission. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über den Doping-Skandal in Russland, Trauer bei Olympia und ewige Verbandspräsidenten. Mehr

08.12.2014, 07:37 Uhr | Sport
Das geteilte Dorf Mauer trennte Mödlareuth

Nicht nur die Millionenmetropole Berlin war früher geteilt in Ost und West: Auch im kleinen Dorf Mödlareuth an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen stand jahrzehntelang eine Mauer. Mehr

04.11.2014, 14:20 Uhr | Politik
Juncker im F.A.Z.-Gespräch Meine Glaubwürdigkeit ist nicht beschädigt

Immer mehr Einzelheiten über die Luxemburger Steuerpraktiken werden bekannt. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sieht sich in der Affäre nicht richtig dargestellt. Im F.A.Z.-Interview schließt er einen Rücktritt aus. Mehr

10.12.2014, 17:26 Uhr | Politik
Fahrt durchs "achte Weltwunder"

Hundert Jahre nach seiner Fertigstellung zieht der 80 Kilometer lange Panama-Kanal nicht nur Frachtschiffe an, sondern beeindruckt auch Touristen. Derzeit wird die viel befahrene Wasserstraße erweitert - auch weil es bald Konkurrenz für den Kanal geben könnte. Mehr

15.08.2014, 14:35 Uhr | Wirtschaft
Schule und Helikopter-Eltern Unterricht ist heilig

Durch den Brandbrief eines Stuttgarter Schulleiters hat die Diskussion um überfürsorgliche Helikopter-Eltern gerade neuen Schwung bekommen. Wie viel Engagement ist gut, wo ist die Grenze zum Zuviel? Eine Direktorin berichtet. Mehr

15.12.2014, 14:16 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.05.2013, 10:37 Uhr

Kampf für den Westen

Von Berthold Kohler

Berlin betritt mit dem Beschluss, militärische Ausbilder in den Nordirak zu schicken, unsicheres Terrain. Doch man muss den Kurden im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ helfen, so gut es nur geht. Mehr 12 10