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Analyse Lange Rede, wenig Sinn?

17.07.2001 ·  Vieles hat sich geändert seit dem ersten Weltwirtschaftsgipfel. Als „Schaulaufen“ wird der Gipfel inzwischen bezeichnet.

Von Natascha Lenz
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Es begann 1975 mit einem Glas Rotwein am Kamin des Schlosses Rambouillet mitten im Wald. Während Helmut Schmidt und Valéry Giscard d'Estaing sich auf der heutigen Sommerresidenz des französischen Staatspräsidenten südwestlich von Paris einen guten Tropfen schmecken ließen, diskutierten sie die Probleme der Weltwirtschaft.

Ein Vierteljahrhundert später machten vor allem die Kosten Schlagzeilen. Die Zusammenkunft in Japan im vergangenen Jahr ging als teuerster Gipfel aller Zeiten in die Geschichte ein. 1,6 Milliarden Mark gab die japanische Regierung für das Treffen der Staatsmänner mit einem Heer von Journalisten im Gefolge aus. Die Hälfte der Kosten entfiel auf die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Ereignis.

„Das ganze Drum und Dran macht den Gipfel zu einem Schaulaufen“, kritisiert der Politikwissenschaftler Wichard Woyke von der Universität Münster. „Es sind Erwartungshaltungen in die Treffen hineinprojiziert worden, die sie niemals bringen können“. Das Prestigestreben der Gastgeberländer und die immer breitere Berichterstattung bezeichnet er als „gegenseitiges Hinaufschaukeln“.

Globalisierung erfordert Koordination

Das Konzept sei nicht überholt, widerspricht Dalia Marin von der Universität München. „Je globaler die Welt wird, um so stärker die einzelnen Volkswirtschaften in die Weltwirtschaft integriert werden, um so stärker wird auch die Wirtschaftspolitik integriert“, sagt die Expertin für internationale Wirtschaftsbeziehungen. Die Koordination zwischen den Ländern werde immer wichtiger. Nicht zuletzt sieht Marin den Nutzen in der Selbstfindung: „Solche Gipfel haben auch die Funktion, dass man sich einig wird, was man eigentlich will“.

Um das Ereignis wieder in Schwung zu bringen, müssten sich die Teilnehmer stärker absprechen und eine gemeinsame Strategie festlegen, sind sich die Wissenschaftler einig. Gipfel funktionieren nur, wenn man sich schon vorher verständigt und die Lösung anvisiert - auch wenn es auf Kosten bestimmter Länder oder Regionen geht, so das Fazit der Volkswirtschaftlerin Marin. Die Koordination ist im Wesentlichen die Aufgabe der Sherpas. Die persönlichen Beauftragten der Staats- und Regierungschefs kommen mehrmals im Jahr zusammen, um den Gipfel vor- und nachzubereiten.

Weniger ist mehr

Vielfach diskutiert wurde in der Vergangenheit der Teilnehmerkreis. Seit den Anfängen hat sich die Zusammensetzung kaum geändert. Lediglich Russland stieß dazu und machte die G7 zur G8. Vorschläge wurden laut, weitere Länder hinzuzuziehen oder abwechselnd zum Gipfeltreffen hinzuzubitten. Politikwissenschaftler Woyke spricht sich stattdessen für einen kleineren Kreis aus: „Wo wir mit einer Vergrößerung hinkommen, zeigen OECD und Vereinte Nationen - nämlich Handlungsunfähigkeit“.

Auch inhaltlich sollten die Treffen seiner Einschätzung nach eher abgespeckt werden. Wer kann sich heute noch an die Themen von Köln oder Denver erinnern? Über die Ergebnisse und deren Umsetzung herrscht erst recht Unzufriedenheit. Zu den wenigen konkreten Ergebnissen des letztjährigen Weltwirtschaftgipfels gehört die Arbeitsgruppe Dot Force, die in Genua Vorschläge zur Ausschöpfung der digitalen Möglichkeiten vorlegen soll. „Die Beschlüsse einer Regierungskonferenz haben keine Bindekraft für den einzelnen Staat“, betont Woyke.

Ansatzpunkte, um die Abläufe und letzten Ende das Ergebnis des alljährlichen Weltwirtschaftsgipfels, gibt es also genug. Denn jeder weiß, dass die ursprüngliche Idee des Beratschlagens und der Koordination heute noch wichtiger geworden ist als beim ersten Schluck Rotwein auf Schloss Rambouillet.

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