Die Kandidatenkür der Berliner Grünen für die Bundestagswahl barg Überraschungen - auch wenn erwartungsgemäß Verbraucherschutzministerin Renate Künast den ersten Listenplatz für sich buchen konnte. Am Ende blieben zwei enttäuscht zurück, die sich große Chancen ausgerechnet hatten: Der Parteilinke Christian Ströbele und die ehemalige Gesundheitsministerin Andrea Fischer schafften es nicht auf einen sicheren Platz. Ihre weitere politische Laufbahn steht damit in den Sternen.
Der lachende Dritte ist der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Werner Schulz, eigentlich als Außenseiter-Kandidat für den als sicher geltenden zweiten Listenplatz angetreten. Mit einer mitreißenden Rede schaffte er ein kleines Wunder: "Dies ist der Aufbruch in diesem Landesverband", rief er und traf damit direkt in die Herzen der Parteimitglieder.
PDS-Erfolg verunsichert die Grünen
Die Berliner Grünen sind verunsichert: Die stetig hohen Wahlerfolge der PDS im Osten der Stadt, nun auch das Ende der Regierungsbeteiligung in der Hauptstadt - all das nagt am Selbstbewusstsein. Schulz nutzte seine Chance: "Ich werde die Stimme Ostdeutschlands im Bundestagswahlkampf repräsentieren", kündigte er an. Die Botschaft kam an: Wollen die Grünen im Osten Deutschlands überhaupt noch eine Chance haben, müssen sie auch Personen in den Vordergrund stellen, die in den neuen Ländern glaubhaft für grüne Politik werben können.
Im Osten klafft bei den Grünen seit jeher eine große Lücke. Trotz des Zusammengehens mit Bündnis 90 konnte die Partei in vielen Regionen keine stabilen Strukturen aufbauen. Und auch die Bundespartei zeigte kein wirkliches Interesse am Osten. Der Durchmarsch der PDS in Berlin bis hin zur Regierungsbeteiligung war ein Warnsignal, auf das zumindest die Berliner Grünen nun reagiert haben.
Gegen die Ost-Ausdünnung
Auf die PDS-Ausdehnung im Westen dürfe es keine Ost-Ausdünnung der Grünen geben, warnte Schulz und warb damit für sich. Die Wahl in Sachsen-Anhalt ist ein erster Test, ob die Grünen ihre neue Ost-Begeisterung auch in Wählerstimmen umsetzen können. Schulz jedenfalls hofft bei der Landtagswahl auf "neuen Rückenwind" für seine Partei.