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Amerikanische Militärstrategie „Irak-Plan gescheitert“

20.10.2006 ·  Amerikaner suchen neue Strategie im Kampf gegen Gewalt / Bush sieht Parallelen zu Vietnam

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Die amerikanischen Streitkräfte haben das Scheitern ihres Plans vom Juni zur Eindämmung der Gewalt in der irakischen Hauptstadt Bagdad eingestanden und suchen nach einer neuen Taktik. Die Zahl der Angriffe habe in den ersten drei Wochen des Fastenmonats Ramadan um 22 Prozent zugenommen, sagte ein Sprecher der Koalitionsstreitkräfte im Irak am Freitag in Bagdad.

Die Zahl der im Oktober getöteten amerikanischen Soldaten stieg in der Nacht zum Freitag auf 73. Der Befehlshaber der Koalitionstruppen, Heeresgeneral George Casey, berate schon seit der vergangenen Woche mit der irakischen Regierung, wie man der anhaltenden Gewalt mit einer veränderten Taktik begegnen könne, sagte der Sprecher. Die im Juni beschlossene Operation "Gemeinsam vorwärts" zur Verstärkung der amerikanischen Truppenpräsenz habe "nicht unsere Erwartungen erfüllt, die Gewalt anhaltend zu reduzieren", sagte der Sprecher.

Vergleich mit Vietnam

In einem Gespräch mit dem amerikanischen Fernsehsender ABC stimmte Präsident Bush erstmals einem Vergleich der Lage im Irak mit jener in Vietnam vor etwa drei Jahrzehnten in der Hinsicht zu, daß die Zunahme der Gewalt mit einer bevorstehenden Wahl zusammenhänge. "Auf jeden Fall hat die Gewalt im Irak zugenommen, und wir stehen kurz vor einer Wahl", sagte Bush mit Blick auf die Kongreßwahlen vom 7. November, bei denen die regierenden Republikaner nach jüngsten Umfragen ihre Mehrheit in einer der beiden Kammern des Kongresses verlieren könnten.

Auch die von den Rebellen des Vietcong und der kommunistischen nordvietnamesischen Armee im Januar 1968 unternommene sogenannte Tet-Offensive gegen die amerikanischen Truppen und deren südvietnamesischen Verbündeten habe deutlich darauf abgezielt, die Stimmung der amerikanischen Bevölkerung in einem Wahljahr zu beeinflussen. Obwohl die amerikanischen Streitkräfte und die Südvietnamesen die Angriffe zurückzuschlagen vermochten, führten die großen Verluste und der Stimmungsumschwung in der amerikanischen Bevölkerung dazu, daß der Kongreß die Finanzierung der Militäroperationen in Vietnam deutlich reduzierte.

Kämpfe in Amara

Schiitische Rebellen haben am Freitag Polizeiwachen in der südirakischen Stadt Amara angegriffen. Um die Spannungen zu entschärfen, schickte der irakische Ministerpräsident Nuri al Maliki nach Angaben aus den Sicherheitskräften den irakischen Sicherheitsminister Schirwan al Waeni in die Stadt. Er beschrieb die Lage als ernst, widersprach aber Berichten, nach denen Anhänger des radikalen schiitischen Predigers Muqtada al Sadr die Kontrolle über Amara übernommen haben.

Zur Unterstützung der Polizei schickte die irakische Armee nach britischen Angaben zwei Kompanien mit etwa 230 Mann nach Amara. Die britischen Streitkräfte steuerten Luftaufklärung bei und seien zu mehr Hilfe bereit, sagte ein Sprecher. Fünfzehn Personen wurden bei den Kämpfen getötet.

Quelle: rüb.; F.A.Z., 21.10.2006
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