03.05.2004 · Mit Millionenspenden und Cocktailpartys unterstützen Amerikas Stars ihre politischen Favoriten für die Präsidentschaftswahl. Der Erfolg ist zweifelhaft.
Von Katja GelinskyAls John Kerry kürzlich eine Zwanzig-Städte-Tour absolvierte, um seine Wahlkampfkasse für das Rennen gegen den finanziell bereits bestens gepolsterten George W. Bush aufzufüllen, begab sich der demokratische Präsidentschaftskandidat zunächst nach Beverly Hills. Denn liberale Hollywood-Schauspieler und -Produzenten, die dort zu Hause sind, ersehnen einen Wechsel im Weißen Haus.
Sie haben längst ihre Shows und Fernsehserien mit bösen Bush-Witzen und Anti-Bush-Botschaften gespickt. Vor allem aber lassen sie sich ihren Widerwillen gegen die Politik des konservativen Texaners einiges kosten. So konnte Kerry in Beverly Hills dank der Unterstützung prominenter Schauspieler wie Jennifer Aniston, Kevin Costner und Meg Ryan an einem einzigen Abend Spenden von mehr als 2,5 Millionen Dollar sammeln.
Hollywood hilft den Demokraten
Hollywoods Geld und Glamour sind aus dem amerikanischen Wahlkampf nicht mehr wegzudenken. Die Reichen und Berühmten der "Traumfabrik" gehörten in den vergangenen Jahren stets zu den bereitwilligsten Finanziers der amerikanischen Parteien und ihrer Kandidaten, mit eindeutiger Präferenz für die Demokraten. Als George W. Bush und Al Gore vor vier Jahren um die Präsidentschaft buhlten, halfen die Mogule der Film-, Fernseh- und Musikindustrie der Demokratischen Partei mit fast 25 Millionen Dollar. Die Republikaner bekamen "nur" knapp 14 Millionen.
Den Geldsegen aus Hollywood verdanken die Demokraten vor allem Bill Clinton, der - selbst ein begnadeter Schauspieler auf der politischen Bühne - zum Liebling des Showbusineß avancierte. Noch heute, da Clinton Kerry beim Eintreiben von Spenden hilft, pflegt er seine engen Kontakte. So rief der frühere Präsident erst neulich bei Andy Spahn an, dem Politikberater beim Unterhaltungskonzern DreamWorks, um ihm klarzumachen, wie wichtig die Unterstützung Hollywoods für die Demokraten gerade im laufenden Wahlkampf sei. Leute wie Spahn, die von den Hollywood-Größen dafür bezahlt werden, daß sie unter den zahlreichen Bittstellern aus der Politik die Förderungswürdigen auswählen, sind während des Wahlkampfs äußerst gefragt. Schließlich sind im November nicht nur Präsidentschafts-, sondern auch Kongreßwahlen.
Auch Bush hat einige Schauspieler-Freunde
Auch wenn die Demokraten in Hollywood traditionell bessere Karten haben, kann Bush nicht über mangelnde Unterstützung klagen. So spendeten ihm die Konzerne der Film-, Fernseh- und Musikindustrie bislang mehr als 900.000 Dollar. Läßt man die Spenden einzelner Hollywoodgrößen beiseite, dann wurde der Präsident in den ersten Monaten des Wahlkampfs sogar großzügiger bedacht als sein Herausforderer, der nach den jüngsten Zahlen von Ende März knapp 700.000 Dollar bekam. Sein Rückstand erklärt sich unter anderem damit, daß einige traditionell demokratische Geldgeber aus dem Showgeschäft zunächst abwarten wollten, wer aus dem Feld der demokratischen Präsidentschaftsbewerber Bushs Konkurrent werden würde.
Außerdem leben in Hollywood nicht nur politisch engagierte Künstler wie Barbra Streisand und Susan Sarandon, auf deren Hilfe sich die Demokraten verlassen können, sondern auch Studiobosse, Manager und Finanzleute, die den Republikanern Geld spenden. Und schließlich hat auch Bush einige Schauspieler-Freunde - etwa Chuck Norris, Tom Selleck und Bo Derek.
Abendessen, Cocktailpartys, Stehempfänge
Daß die Stars finanzielle Wahlkampfhilfe leisten, ist freilich noch der geringste Beitrag, zumal nach dem neuen Bundesparteispendengesetz nicht mehr als 2000 Dollar auf das Konto eines einzelnen Kandidaten überwiesen werden dürfen. Richtig interessant wird es erst, wenn die Großen der Unterhaltungsindustrie ihre Häuser für die Pflege der symbiotischen Beziehung zwischen Politik und Showgeschäft öffnen und ausgedehnte Abendessen, Cocktailpartys und Stehempfänge mit viel Prominenz organisieren.
Außerdem hoffen Politiker beider Parteien, dem Wahlvolk durch diese Beziehungen zu imponieren. Dabei kommt es bisweilen zu merkwürdigen Konstellationen. So sprang John Kerry in seinem fleißigen Bemühen um junge Wähler mit dem Techno-Star Moby auf die Bühne. Und Moby verstieg sich in seiner Begeisterung für den Senator aus Massachusetts zu dem Bekenntnis, daß er bereit wäre, "Toiletten für Kerry zu putzen". Die Liedermacher-Ikone Carole King drückt sich etwas dezenter aus: John Kerry bringe die notwendige "Integrität und Würde" für das Präsidentenamt mit.
Madonna war für Wesley Clark
Maßvolle Töne von seinem Bewunderer Michael Moore hätte sich auch der ausgeschiedene Präsidentschaftskandidat Wesley Clark gewünscht. Statt dessen brachte der lärmende Regisseur den Vier-Sterne-General in arge Verlegenheit, als er Präsident Bush einen "Deserteur" schimpfte. Dieser Fall bewies, daß Prominente sich nur bedingt für den Wahlkampf eignen. Auch Madonnas Unterstützung für Clark ließ manche Amerikaner zweifeln, ob der frühere Nato-Oberbefehlshaber der Richtige für das Amt sei - obwohl die Popsängerin nichts Falsches gesagt hatte. Aber allein schon die Tatsache, daß Madonna ihn als Präsidenten empfahl, genügte einigen Wählern, um sich von ihm abzukehren.
Daß die Amerikaner mißtrauisch werden, sobald die Show-Prominenz die politische Bühne betritt, bestätigen auch Umfragen. So finden 13 Prozent der Amerikaner bestimmte Stars derart unsympathisch, daß sie sich deren politische Überzeugung gerade nicht zu eigen machen wollen. Dem Rest der Nation ist jedoch gleichgültig, was Stars und Sternchen zum Thema Politik zu sagen haben. Auch nach Überzeugung des Politikwissenschaftlers Larry Sabato von der Universität Virginia, der seit langem die Beziehungen zwischen Showgeschäft und Politik untersucht, ist der politische Einfluß von Künstlern recht begrenzt. Nur ein "Vollidiot" werde einen Politiker wählen, "nur weil Ben Affleck für diesen Politiker stimmt". Und selbst diese "Vollidioten" gingen doch am Wahltag lieber ins Kino, als ihre Stimme abzugeben.
Howard Dean halfen viele Prominente gar nichts
"Aber Stars spielen schon eine Rolle im Wahlkampf", lenkt Sabato ein. Sie zögen immerhin Journalisten und Kameraleute an und böten den Kandidaten damit Gelegenheit, Wähler zu erreichen, ohne dafür teure Werbespots und -anzeigen schalten zu müssen. Allerdings: Weder die Spenden von Robin Williams, Whoopi Goldberg, Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones noch den Wahlkampfauftritt von Martin Sheen konnte Howard Dean in Wählerstimmen verwandeln. Er schied im demokratischen Vorwahlkampf aus. "Die Kandidaten müssen schon in der Lage sein, sich und ihre Botschaft zu verkaufen; das können ihnen die Stars nicht abnehmen", sagt Sabato dazu.
Das Risiko, Geld und Glanz an einen erfolglosen Politiker zu verschwenden, vermeiden Prominente, die statt dessen Kampagnen zur Wählermobilisierung fördern. So kamen kürzlich in Beverly Hills illustre Gäste wie Leonardo DiCaprio, Hip-Hop-Mogul Russell Simmons und der Rapper LL Cool J zusammen, um die Initiative "Declare Yourself" zu unterstützen, die wahlunlustige Jungwähler zur Stimmabgabe motivieren will. Das gleiche Ziel verfolgt die Vereinigung "Rock the Vote" mit Lenny Kravitz und den "Dixie Chicks". Sie hätten nie die Absicht gehabt, eine "politische Band" zu werden, versichern die Country-Girls. Aber nachdem Sängerin Natalie Maines auf einem Konzert geäußert hatte, sie schäme sich, daß Bush aus Texas komme, hält sich hartnäckig die Überzeugung, die "Dixie Chicks" wollten Stimmung gegen die Republikaner machen. Dagegen helfe nur eins, entschied das Trio schließlich: tatsächlich politisch aktiv zu werden.