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Amerika und Bushs Ultimatum Enttäuschung überwiegt den Stehauf-Patriotismus

 ·  Krieg auf den Trümmern der Diplomatie: Die Amerikaner schwanken zwischen Erleichterung und Enttäuschung. Der Irak-Krieg erscheint unvermeidlich. Aber viele denken, dass der Präsident die diplomatische Schlacht verloren hat.

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Am Tag nach dem Ultimatum von Präsident Bush fasste Tom Daschle, Minderheitenführer der Demokraten im Senat, das zusammen, was ein größer werdener Teil seiner Landsleute denkt: "Ich bin traurig, dass der Präsident mit seiner Diplomatie gescheitert ist und wir jetzt in einen Krieg ziehen müssen".

Die Notwendigkeit, einen Krieg gegen Saddam Hussein zu führen, sehen viele Amerikaner, die sich am Dienstag in den zahlreichen Diskussionsrunden im Fernsehen zuschalten lassen. Doch teilen nur wenige den Stehauf-Patriotismus eines Anrufers aus Midwest, der klipp und klar sagt: "Lasst uns Bagdad befreien. Am Ende werden uns nicht nur die Iraker danken, sondern auch die Staaten, die den Feldzug jetzt noch ablehnen".

Viele Amerikaner zeigen enttäuscht darüber, dass es der amerikanischen Administration nicht gelungen ist, über eine Handvoll Bündnispartner hinaus den UN-Sicherheitsrat auf ihre Seite zu ziehen. Auch die "New York Times" überschrieb ihren Leitartikel mit der Zeile: "Krieg auf den Trümmern der Diplomatie".

Raum für Kompromisse verschenkt

Zwar werden auch Russland, China und vor allem Frankreich für ihre Haltung im Sicherheitsrat kritisiert - hauptsächlich für die Formulierung, jedwede Resolution abzulehnen, die zu einem Krieg führen könnte -, doch meint etwa eine ältere Dame aus Florida in einer Fernsehdiskussion, dass zwischen 48 Stunden, die Bush als Ultimatum gesetzt hat, und 30 Tagen, die Paris gefordert hat, eine Menge Raum für Kompromisse liegt. Auch meint sie, dass Washington sich nicht darüber im klaren ist, was nach dem Feldzug kommt.

Jahrelange Militärpräsenz an Euphrat und Tigris? Anschläge gegen die dort stationierten amerikanischen Soldaten? Horrende Kosten für den Bundeshaushalt in einer ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Situation? Das sind die Fragen, die vielen Amerikanern durch den Kopf gehen. An einem militärischen Erfolg zweifeln sie indes nicht, ein zweites Vietnam fürchtet so gut wie niemand.

Jüdische Gruppen halten sich bedeckt

Eine gesellschaftliche Gruppe hält sich dieser Tage mit Bemerkungen zur Irak-Krise auffallend zurück. Amerikanisch-Jüdische Organisationen fürchten nicht nur ein Wiederaufflackern des Antisemitismus und Terroranschläge gegen ihre Einrichtungen. Die Verbände wissen auch, dass nicht wenige Amerikaner denken, dass ein Krieg gegen den Irak eigentlich für Israel geführt würde. Um Verschwörungstheorien im Keim zu ersticken, schweigt man lieber.

Terrorismus fürchten im übrigen nicht nur Angehörige von Soldaten und jüdische Repräsentanten. Laut einer Umfrage rechnen 75 Prozent der Amerikaner mit Anschlägen gegen Einrichtungen im Lande nach einem Krieg gegen den Irak.

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Jahrgang 1970, politischer Korrespondent in Berlin.

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