22.11.2008 · Hillary Clinton, die sich mit Barack Obama einen bitteren Vorwahlkampf geliefert hatte, soll die Außenministerin des neuen Präsidenten werden. Das ist eine Personalentscheidung, die es in sich hat.
Von Klaus-Dieter FrankenbergerEs scheint tatsächlich so zu kommen: Hillary Clinton, die sich mit Barack Obama einen bitteren Vorwahlkampf geliefert hatte, soll die Außenministerin des neuen Präsidenten werden. Das ist eine Personalentscheidung, die es in sich hat, und zwar mindestens aus zwei Gründen.
Erstens verkörpert Frau Clinton das Gegenteil von Obama; sie ist das Hosenanzug-Dementi des Slogans vom Wandel. War nicht Hillary, wie viele andere, aber anders als Obama, für den Irak-Krieg (bevor es populär wurde, ihn für falsch zu halten)? Jene demokratischen Wähler, die dem Propheten des Wandels glaubten und alles wollen, nur nicht mit den Clintonistas zurück in die neunziger Jahre, heulen auf.
Der zweite Grund hat mit der unvermeidlichen Frage zu tun, ob Hillary Clinton, die selbstbewusste und harte Politikerin, brav die Außenpolitik des Präsidenten exekutieren wird oder ob sie eine Nebenaußenpolitik betreiben könnte. Und wie groß wird der Einfluss ihres Mannes Bill sein? Es ist bekannt, dass der letzte demokratische Präsident das Rampenlicht sucht und eigene Interessen verfolgt. Die Gefahr, dass er ein paar Sondernummern macht, ist real. Das wird auch Obama bedacht haben, der anders als Frau Clinton in puncto Disziplin keinen Spaß versteht.
Es steht dahin, ob diese Personalie ein „Desaster“ ist, wie geunkt wird. Hillary Clinton wird, wenn sie den Putins und Ahmadineschads dieser Welt gegenübersteht, kein „Softie“ sein und umkippen, wenn der Wind kalt aus autoritärer Richtung bläst. Sie wird eine Außenpolitik machen, deren Koordinaten von den Großkonflikten dieser Tage, den globalen Veränderungen und selbstverständlich von Amerikas Interessen bestimmt sind.
Einen ziemlich ernüchternden Ausblick auf die Welt in zwanzig Jahren machte soeben der amerikanische Geheimdienst. (Siehe auch: Bericht zur Weltordnung: „Amerika verliert Einfluss“) Heiter stimmt der nicht. Aber es ist nicht Heiterkeit, die man mit Hillary Clinton assoziiert.
Klaus-Dieter Frankenberger Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
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