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Allensbach-Umfrage : Der deutsche Pass ist nicht genug

  • -Aktualisiert am

Allensbach-Umfrage will wissen: Was ist deutsch? Fans singen die Nationalhymne während der Europameisterschaft 2016. Bild: Picture-Alliance

Was braucht es, um Deutscher zu sein? Eine relative Mehrheit der Deutschen ist sich einig. Sie definiert sich auch über gewachsene Kultur und gemeinsame Herkunft. 

          Man kann die Frage, wer oder was deutsch ist, welche Personen oder kulturellen und religiösen Traditionen zu Deutschland gehören und welche nicht, wirklich nicht als besonders originell oder gar neu bezeichnen, wohl aber ihrerseits als „typisch deutsch“. Schon vor 130 Jahren schrieb Friedrich Nietzsche, es kennzeichne die Deutschen, dass bei ihnen die Frage „Was ist deutsch?“ niemals aussterbe.

          Daran hat sich seitdem nichts geändert, und doch lohnt es sich in diesen Tagen, der Frage mit besonderer Aufmerksamkeit nachzugehen. Es gibt einige konkrete Anlässe dazu: die anhaltende Debatte über die Äußerung des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, der Islam gehöre mittlerweile zu Deutschland, oder aber die kürzlich vermeldete Tatsache, dass inzwischen jeder fünfte Bewohner der Bundesrepublik Deutschland einen Migrationshintergrund hat, also entweder selbst im Ausland geboren wurde oder das Kind von Einwanderern ist. Auch die Wahlerfolge der AfD bei verschiedenen Landtagswahlen, zuletzt vergangenen Sonntag in Berlin, scheinen angesichts mancher Äußerungen von Vertretern dieser Partei eine Diskussion über die deutsche Identität geradezu zu erzwingen.

          Zwei Lager der Bevölkerung

          Jasper von Altenbockum hat am 1. Juni in dieser Zeitung dazu geschrieben, nach seinem Eindruck drohe die Diskussion um die nationale Identität die Bevölkerung in zwei Lager zu spalten. Da gebe es einmal diejenigen, deren Vorstellungen tief im 19. Jahrhundert wurzelten und für die zur nationalen Identität eine gewisse kulturelle, religiöse und ethnische Homogenität gehöre. Auf der anderen Seite stünden die „Multikulturalisten“, für die die Zugehörigkeit zur Gesellschaft allenfalls noch an die Beherrschung der Sprache geknüpft sei, alles Weitere regele das Grundgesetz.

          Stimmt das? Finden sich wirklich diese zwei Lager in der Bevölkerung, und, wenn ja, welches Lager dominiert? Welchen Blick haben die Deutschen im Spätsommer 2016 auf die eigene Identität? Dieser Frage ist das Institut für Demoskopie Allensbach in seiner aktuellen Repräsentativumfrage im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nachgegangen.

          Die Ergebnisse zeigen, dass deutsch sein für eine klare Mehrheit etwas ist, was deutlich über die formelle Staatsbürgerschaft hinausgeht. Auf die Frage „Gibt es so etwas wie einen deutschen Nationalcharakter, oder gibt es das eigentlich nicht?“ antworteten 57 Prozent, es gebe einen solchen Nationalcharakter, lediglich 26 Prozent meinten, so etwas gebe es nicht. Dabei ist auffällig, wie sehr sich die Antworten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen gleichen. Es gibt praktisch keine Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen und nur sehr geringe zwischen den verschiedenen Altersgruppen. Die Vorstellung, wonach der Begriff „Nationalcharakter“ für ein veraltetes Konzept stehe, das mit nachwachsenden Generationen überwunden werde, führt in die Irre. Auch die parteipolitische Orientierung spielt keine große Rolle. Selbst die Anhänger der Grünen sagen mit einer Mehrheit von 46 zu 34 Prozent, es gebe einen deutschen Nationalcharakter.

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