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Allensbach-Umfrage : Der deutsche Pass ist nicht genug

  • -Aktualisiert am

Plakative, klischeehafte Antworten

Fragt man nach, was denn diesen Nationalcharakter ausmache, erhält man auffallend plakative, klischeehafte Antworten, vor allem dann, wenn man mit einer sogenannten „offenen Frage“ die spontanen Reaktionen der Befragten ermittelt, sie also bittet, ihre Antworten selbst zu formulieren, statt ihnen vorformulierte Antwortmöglichkeiten vorzulegen. Von denen, die sagten, es gebe einen deutschen Nationalcharakter, verwiesen bei einer solchen Frage 41 Prozent auf Pünktlichkeit, 25 Prozent meinten, Deutsche zeichneten sich durch Ordnungsliebe aus, 24 Prozent nannten Fleiß, 19 Prozent Zuverlässigkeit. Für eine offene Frage sind das bemerkenswert hohe Werte.

Sogar Anhänger der Grünen meinen mehrheitlich, dass es so etwas wie einen
Nationalcharakter gibt.
Sogar Anhänger der Grünen meinen mehrheitlich, dass es so etwas wie einen Nationalcharakter gibt. : Bild: F.A.Z.

Dieses Bild ändert sich nur wenig, wenn man verschiedene Antwortvorgaben schriftlich vorlegt. Auf die Frage, welche von 27 zur Wahl gestellten Eigenschaften „typisch deutsch“ seien, meinten 88 Prozent, Deutsche seien pflichtbewusst, diszipliniert, 82 Prozent bezeichneten sie als ordnungsliebend, 81 Prozent als arbeitsam, fleißig. Dabei fällt auf, dass das Selbstbild der Deutschen im vergangenen Jahrzehnt positiver geworden ist. So hatten 74 Prozent der damals Befragten die Deutschen als pflichtbewusst beschrieben, 73 Prozent als ordnungsliebend und 67 Prozent als arbeitsam. Dagegen ging die Zuschreibung „überheblich, arrogant“ von 36 auf 18 Prozent zurück, „rechthaberisch“ von 36 auf 31 und „pessimistisch“ von 42 auf 30 Prozent. Es ist offensichtlich, dass die Deutschen selbstbewusster geworden sind und sich die nationalen Klischees dabei nicht abgenutzt haben.

Beim Thema Einwanderung hin- und hergerissen

Das ist nicht gleichzusetzen mit einer grundsätzlichen Ablehnung gegenüber Einflüssen aus anderen Kulturen, vor allem im Alltag. In einer weiteren Frage wurden den Befragten Karten überreicht, auf denen verschiedene Dinge des Alltagslebens standen, mit der Bitte, die Karten danach zu sortieren, welche dieser Dinge ihrer Ansicht nach „unbedingt“ oder „auch noch“ zu einem Leben in Deutschland gehörten und bei welchen man dies „eher nicht“ oder „gar nicht“ sagen könne. 97 Prozent sagten, dass Weihnachtsmärkte „unbedingt“ oder „auch noch“ zu einem Leben in Deutschland gehörten, 95 Prozent nannten Fußball, 94 Prozent eine große Auswahl von Brot- und Wurstsorten. Aber immerhin 79 Prozent fanden, dass auch Pizzerien zum Leben in Deutschland gehörten, 57 Prozent sagten das Gleiche über Dönerbuden. Fragt man allerdings nach Dingen von größerer kultureller Symbolkraft, fallen die Antworten deutlich anders aus: Dass Moscheen zum Leben in Deutschland dazugehörten, fanden nur 19 Prozent der Befragten.

Es ist erkennbar, dass die Bevölkerung beim Thema Einwanderung hin- und hergerissen ist. Auf der einen Seite haben die Allensbacher Umfragen immer wieder gezeigt, dass viele Deutsche großes Verständnis für die Einwanderer aufbringen. Doch gleichzeitig reicht die Furcht vor dem Verlust der kulturellen Identität weit über den Kreis der AfD-Anhänger hinaus. Das zeigen die Antworten auf die Frage „Wenn immer mehr Einwanderer nach Deutschland kommen, geht dann das, was Deutschland war, allmählich verloren, oder glauben Sie das nicht?“ 53 Prozent sagen heute, sie glaubten, das, was Deutschland ausmache, gehe langsam verloren, nur 30 Prozent widersprechen.

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