Einen Tag nach der gewaltsamen Massendemonstration von Berbern herrschte am Freitag in der algerischen Hauptstadt gespannte Ruhe. Teile von Algier glichen nach den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei einem Schlachtfeld. Ausgebrannte Autos, zertrümmerte Geschäftsfassaden und demolierte Absperrungen prägten das Stadtbild.
Hunderttausende hatten am Donnerstag gegen die Politik von Präsident Abdelaziz Bouteflika demonstriert. Es war die größte Demonstration in Algerien seit der Unabhängigkeit 1962. Seit dem Donnerstagmorgen hatten sich am Stadtrand von Algier die Demonstranten zu ihrem „Marsch für die Demokratie“ versammelt, um sich schließlich in einem zehn Kilometer langen Zug in Richtung Innenstadt zu bewegen. Viele der überwiegend jungen Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie „Mörder-Regierung“ oder „Wir haben genug von dieser Regierung“.
Demonstranten durchbrechen Absperrungen
Die Veranstalter, Berberorganisationen und zahlreiche Oppositionsparteien, hatten sich nicht an die Auflagen der Behörden gehalten. Bei dem Versuch, die Absperrungen auf dem Weg zum Präsidentenpalast zu umgehen, kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Hunderte von Menschen wurden verletzt, als die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen sie vorging. Ein Polizeisprecher bestritt aber, dass Schusswaffen eingesetzt worden seien.
Bei den Auseinandersetzungen kamen auch zwei Journalisten ums Leben. Sie wurden nach Angaben von Ärzten von einem Bus überfahren, während sie die Zusammenstösse zwischen demonstrierenden Berbern und der Polizei beobachteten.
Berber werden benachteiligt
Seit Beginn der Proteste in der Berber-Region Kabylei wurden nach offiziellen Angaben mehr als 50 Menschen getötet und etwa 1.300 verletzt. Die Proteste waren durch den Tod eines Jugendlichen ausgelöst worden, der am 18. April auf einer Polizeiwache erschossen worden war. Seitdem gab es in ganz Algerien zu zahlreichen Demonstrationen. D0ie Berber protestieren gegen ihre Benachteiligung durch die Zentralregierung. Die Proteste hatten sich aber über die Forderungen der Berber hinaus ausgeweitet.