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Al Qaida und Taliban Berlin nimmt Terroristen-Botschaften sehr ernst

26.09.2009 ·  Kurz vor der Bundestagswahl sind mehrere Videos aufgetaucht, die vor Terror-Anschlägen in Deutschland und Europa warnen. Das Bundesinnenministerium nimmt die Aufnahmen, die dem Terrornetz Al Qaida sowie den Taliban zugeordnet werden, sehr ernst.

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Botschaften des Terrornetzwerks Al Qaida und der afghanischen Taliban kurz vor der Bundestagswahl werden vom Bundesinnenministerium sehr ernst genommen. Das Band von Terroristenchef Usama bin Ladin, das sich in die massive Propaganda von Al Qaida einfüge, werde derzeit ausgewertet. Das Bundesinnenministerium bestätigte zudem, dass es ein neues Video der radikalislamischen afghanischen Taliban gebe. Darin sollen Anschläge auf Deutschland als „verlockend“ geschildert werden.

Der Führer des Terrornetzes Al Qaida, Usama bin Ladin, soll Europa wegen dessen Engagements in Afghanistan mit Vergeltung gedroht haben. In einer Audiobotschaft, die am Freitag ins Internet gestellt wurde, fordert Bin Ladin dass sich die Europäer umgehend aus der Koalition mit den Vereinigten Staaten zurückziehen. Wegen dieser Allianz trügen die Europäer eine Mitschuld an den Luftangriffen der Nato auf Zivilpersonen in Afghanistan. Und direkt an die Adresse der „europäischen Völker“ gerichtet, sagt die mutmaßliche Stimme Bin Ladins: „Wie glaubt ihr wohl, wie es euch ergehen wird, wenn sich Amerika - so Allah will - zurückzieht und wir im Namen der Unterdrückten an den Unterdrückern Vergeltung üben?“ Die Europäer sollten „von den Fehlern anderer lernen“, denn „ein weiser Mensch würde seine Söhne und sein Geld nicht für eine Bande von Kriminellen in Washington verschwenden.“

Mehrere Videos in wenigen Tagen

Das auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisierte amerikanische Unternehmen Site meldete, es handele sich um eine knapp fünf Minuten lange Botschaft mit einem Standbild Bin Ladins. Sie sei mit deutschen und englischen Untertiteln versehen. Im Bundesinnenministerium hieße es, die Bin-Ladin-Botschaft sei bekannt, und sie werde sehr ernst genommen. Das Band füge sich in die massive Propaganda des Terrornetzes und werde derzeit ausgewertet: „Wir tun unsere Arbeit, und wir tun das ruhig und gewissenhaft.“ Man lasse sich nicht von den Terroristen und ihren Verlautbarungen „in den Zustand der Erregung versetzen“. Die Stimme Bin Ladins nimmt auch Bezug auf die Al-Qaida-Anschläge in Madrid im März 2004 und in London im Juli 2005.

Vor der Bundestagswahl am Sonntag waren in den vergangenen Tagen schon insgesamt drei Videos des Islamisten Bekkay Harrach im Internet aufgetaucht. (Siehe auch: Neue Terrordrohung gegen Deutschland im Internet )

Der gebürtige Marokkaner aus Bonn, der sich mutmaßlich in Pakistan oder Afghanistan aufhält, erläutert darin seine persönliche Zuneigung zu Allah. Konkrete Drohungen spricht der 32 Jahre alte Mann allerdings nicht aus. Er hinterlässt einen geistig verwirrten Eindruck, verursacht gleichzeitig aber eine gewisse Unruhe bei den Sicherheitsbehörden.

In Stuttgart wurde ein polizeibekannter 25 Jahre alter Islamist festgenommen, der eine Datei des Drohvideos ins Internet eingestellt haben soll. Für die Herstellung des Videos kommt der Verdächtige den Ermittlungen zufolge nicht in Betracht. Woher der Mann die Datei hat, ist noch unklar.

„Der Staat ist nicht beunruhigt, sondern wachsam“

Botschaften Harrachs, der seit 1997 deutscher Staatsbürger ist, sowie des ebenfalls seit längerem gesuchten Eric Breininger hatten neben anderen Indizien seit vergangener Woche zu einer Verstärkung von Sicherheitsmaßnahmen an Bahnhöfen und Flughäfen geführt. Der Sprecher des Innenministeriums erklärte am Freitag auf Nachfragen vor der Bundespressekonferenz: „Der Staat ist nicht beunruhigt, sondern wachsam“. Es gebe eine abstrakte Bedrohung, aber keine konkreten Hinweise auf bevorstehende Anschläge.

Die Botschaften aus dem Internet nehme man „ernst, und darauf reagieren wir auch“. Harrach hatte beispielsweise in seiner am 18. September im Internet aufgetauchten Video-Sendung im Namen von Al Qaida den sofortigen Abzug aller deutschen Soldaten aus Afghanistan gefordert. Andernfalls drohe nach der Bundestagswahl am 27. September ein „böses Erwachen“. In seiner jüngsten Nachricht rede er, so der Sprecher des Innenministeriums, „über die Freuden des jenseitigen Lebens, die einem als Belohnung für eine Teilnahme am Dschihad von Gott gewährt würden.“

Die Botschaften seien Teil einer koordinierten Medienkampagne der Organisation Al Qaida gegen Deutschland vor der Bundestagswahl. Ihr Inhalt spreche „gezielt die im deutschsprachigen Raum lebende muslimische Bevölkerung an“ und sei als Rekrutierungs- und Propagandaverlautbarung zu verstehen. „In Deutschland lebende Muslime sollen durch die Audiobotschaft emotionalisiert und für den Dschihad sowie die Belange von Al Qaida gewonnen werden.“

Quelle: FAZ.NET mit AFP/AP sowie pca.
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