31.10.2010 · Bei der Fahndung nach den Drahtziehern der vereitelten Paketbombenanschläge haben die amerikanischen Ermittler einen ersten Hauptverdächtigen benannt: Der saudische Terrorist Ibrahim Hassan al Asiri soll hinter den Attentatsplänen stecken.
Im Frühjahr 2008 hatte der Vater Hassan al Asiri zuletzt mit seinen beiden Söhnen Ibrahim und Abdullah telefoniert. Der pensionierte Polizist hatte noch versucht, beide zur Rückkehr aus dem Jemen nach Saudi-Arabien zu überreden. Sie lehnten entschieden ab; seither hatten sie keinen Kontakt mehr zur Familie, die in der saudischen Hauptstadt Riad wohnt.
Der Vater, ein pensionierter Soldat, will nicht glauben, dass sich seine beiden Söhne Al Qaida angeschlossen haben. Im Sommer 2006 hatten beide Saudi-Arabien verlassen, im Februar 2009 setzte sie Saudi-Arabien auf die Liste der 85 am meisten gesuchten Personen, die sich außerhalb des Königreichs befinden - die meisten davon sollen sich im Jemen aufhalten. Ibrahim al Asiri führte die Liste an, er galt schon damals als einer der Sprengstoffspezialisten von Al Qaida. Abdullah al Asiri stand auf Platz 40.
Abdullah wurde getötet, nicht aber Prinz Muhammad
Der Vater behauptet, bis zum Verschwinden seiner Söhne sei ihm keine bemerkenswerte Verhaltensänderung aufgefallen. Beide seien immer fromm gewesen und hätten besonders im Fastenmonat Ramadan karitative Aufgaben übernommen. Ibrahim al Asiri, heute 28 Jahre alt, hatte an der naturwissenschaftlichen Fakultät der König-Saud-Universität studiert, sein fünf Jahre jüngerer Bruder Abdullah al Asiri hatte vor der Ausreise in den Jemen gerade zu studieren begonnen.
Im September 2009 schickte Ibrahim al Asiri seinen Bruder Abdullah mit einem Sprengstoffgürtel auf den Weg. Er sollte als scheinbar reuiger Terrorist versuchen, vom stellvertretenden saudischen Innenminister Muhammad Bin Nayef Al Saud empfangen zu werden und dabei sich und seine Umgebung in die Luft zu jagen. Abdullah wurde getötet, nicht aber Prinz Muhammad. Weitere Bomben mit demselben Sprengstoff PETN soll Ibrahim al Asiri für den Nigerianer Faruq Abdulmuttalib gebastelt haben, der an Weihnachten 2009 ein Passagierflugzeug im Anflug auf Detroit zur Explosion bringen wollte. Ibrahim al Asiri wird heute in der dünn besiedelten jemenitischen Provinz Dschauf an der Grenze zu Saudi-Arabien vermutet. Sie gilt als der wichtigste Rückzugsort für Al Qaida im Jemen. Dort soll sich die wichtigste Infrastruktur für die Terrorplanung und die Bombenbauer befinden.