Zwei Tage nach der Festnahme Khalid Scheich Mohammeds wächst die Verwirrung über den Verbleib des Al-Qaida-Führers. Nachdem pakistanische Regierungsstellen zunächst mitgeteilt hatten, Scheich Mohammed sei unmittelbar nach seiner Verhaftung amerikanischen Behörden übergeben und von diesen an einen unbekannten Ort gebracht worden, korrigierte der pakistanische Innenminister Faisal Saleh Hayat diese Information später grundlegend. Mohammed, so der Minister, sei in pakistanischem Gewahrsam und werde über seine Aktivität im Lande verhört. Britische und amerikanische Nachrichtenagenturen melden hingegen unter Berufung auf Geheimdienstquellen und Fachleute, Mohammed befinde sich in den Händen der CIA und werde an einem geheimen Ort außerhalb Pakistans verhört.
Der Regierungssprecher in Islamabad, Rashid Qureshi, bestätigte zwar, daß amerikanische Geheimdienstmitarbeiter an der Befragung Mohammeds beteiligt seien, nannte aber Berichte, nach denen der mutmaßliche Terrorist außerhalb Pakistans verhört werde, "Unsinn". Der pakistanische Innenminister Hayat wurde von der Nachrichtenagentur Reuters mit den Worten zitiert: "Er ist nach wie vor in pakistanischem Gewahrsam und wird verhört." Auf die Frage, ob Islamabad vorhabe, Mohammed an die Vereinigten Staaten auszuliefern, antwortete Hayat, seine Regierung wolle zunächst mit der Regierung Kuweits in Kontakt treten, bevor diese Entscheidung getroffen werde. Mohammed, der pakistanischer Abstammung sein soll, besitzt einen kuweitischen Paß. "Wenn er ausgeliefert wird, werden wir das offiziell mitteilen", sagte Hayat.
Unterdessen scheint sich zumindest die Nationalität der beiden Männer zu klären, die zusammen mit Mohammed festgenommen wurden. Hayat bestätigte, daß es sich bei dem einen um einen Pakistaner handelt, während der andere nicht, wie es zunächst geheißen hatte, Ägypter sei, sondern Somalier. Diese Aussage blieb bislang unwidersprochen. Ebenfalls könnte sich der Widerspruch auflösen, der durch unterschiedliche Darstellungen der Festnahme selbst entstanden war. Während die pakistanischen Behörden betonten, sie hätten die drei Männer ohne amerikanische Hilfe verhaftet, sprach man in Washington zunächst von einem gemeinsamen Zugriff. Der Nachrichtensender CNN zitierte nun einen CIA-Mitarbeiter mit der Darstellung, Amerikaner seien während der Festnahme anwesend gewesen, hätten sich aber nicht an ihr beteiligt. Dieselbe Quelle berichtete, Mohammed sei "ein paar Stunden später" an die CIA übergeben worden.
Ein Geheimdienstmitarbeiter gab ferner an, daß Mohammed möglicherweise an Plänen für Terrorangriffe in Europa und Amerika gearbeitet habe. Darüber und über den Aufenthaltsort Usama Bin Ladins werde Mohammed derzeit vor allem befragt, wobei "aller angemessener Druck" auf ihn ausgeübt werde. Auch Ahmed Rashid, ein Fachmann für das Al-Qaida-Netzwerk und die Taliban, sprach von "Alarmsignalen aus jüngster Zeit", die auf Anschläge in Europa und Amerika hingewiesen hätten und an deren Planung Mohammed beteiligt gewesen sei.
Mohammed, angeblich einer der Drahtzieher der Anschläge vom 11. September, soll sich nach den Attentaten nach einem Bericht der britischen Zeitung "The Guardian" in die pakistanische Stadt Karachi abgesetzt haben. Von dort habe er die Bewegungen von Aktivisten des Terrornetzwerkes im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet gesteuert. Fachleute seien sicher, daß Mohammed nicht primär von religiösen Motiven geleitet werde. Ihn treibe allein Haß auf die Vereinigten Staaten und deren Verbündete.
Sogar unter seinen Anhängern sei Mohammed gefürchtet, schreibt die Zeitung weiter. Er handele nach dem Grundsatz, auch aus einem in den Augen der Terroristen mißglückten Einsatz könne man noch Lehren ziehen. Sei ein Ziel beim ersten Versuch nicht erreicht worden, müsse es mit einer neuen Taktik noch einmal angegriffen werden. Bestes Beispiel für diese Vorgehensweise sei das World Trade Center, das den ersten Anschlag im Jahre 1993 noch fast unbeschadet überstanden hatte.