Home
http://www.faz.net/-gpf-shsv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Al Dschazira Weißes Haus hält Bin-Ladin-Botschaft für authentisch

24.04.2006 ·  Die Vereinigten Staaten stufen die jüngste Tonbandaufnahme des Terrorführers als authentisch ein. Der arabische Sender Al Dschazira hatte die Audio-Botschaft Bin Ladins ausgestrahlt, die vermutlich Mitte März aufgenommen worden war.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (4)

Die Vereinigten Staaten stufen die jüngste ausgestrahlte Usama-Bin-Ladin-Tonbandaufnahme als authentisch ein. Der islamistische Terroführer wirft darin dem Westen einen Kreuzzug gegen den Islam vor. Zudem greift er auch explizit die Vereinten Nationen an, wie aus am Sonntag abend zusätzlich gesendeten Passagen hervorging.

Die amerikanischen Geheimdienste seien der Ansicht, daß es sich bei dem Band um keine Fälschung handle, sagte Regierungssprecher Scott McClellan. Er fügte hinzu, daß die Al-Qaida-Führung auf der Flucht sei und unter großem Druck stehe. Der arabische Fernsehsender Al Dschazira sendete am Sonntag die neue angebliche Erklärung Bin Ladins. Der Fernsehsender lehnte es aber ab, zu erläutern, wie er an die Aufnahme gelangte. Sie muß allerdings nach dem 14. März entstanden sein, da sich Bin Ladin auf einen israelischen Angriff auf ein Gefängnis im Westjordanland an jenem Tage bezieht.

„Krieg gegen den Islam“

Neben seinen Vorwürfen gegen die Bevölkerung im Westen, die er für einen „Krieg gegen den Islam“ mitverantwortlich macht, nimmt sich Bin Ladin auch die Vereinten Nationen vor. Die UN seien eine ungläubige Institution. Jeder, der ihre Resolutionen akzeptiere, werde ebenfalls zum Ungläubigen, sagte er der Aufnahme nach. Die UN seien „ein Werkzeug zur Durchsetzung von Resolutionen der Kreuzritter und Zionisten“, deren Ziel ein Krieg gegen Moslems sowie die Besetzung deren Territorien sei. Bin Laden kritisierte, daß die Moslems keinen ständigen Sitz im Sicherheitsrat hätten, obwohl sie ein Fünftel der Weltbevölkerung stellten. Gleichwohl fordere er keinen ständigen Sitz in dem Gremium - eben weil die UN eine ungläubige Institution seien.

Derzeit haben mit den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, China und Rußland fünf Länder je einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat inne. Sie verfügen damit jeder über ein Veto-Recht, mit dem sie Entscheidungen des Gremiums blockieren können.

„Plündernde Kreuzritter“

Es handelte sich um die erste Botschaft Bin Ladins seit dem 19. Januar. „Für diesen Krieg sind die Menschen und die Regierungen gemeinsam verantwortlich“, sagte Bin Ladin mit Blick auf die Auseinandersetzungen des Westens mit dem Islam. „Solange dieser Krieg weiter geht, bekräftigen die Menschen ihren Herrschern und Politikern ihre Gefolgschaft und schicken weiterhin ihre Söhne in unsere Länder, um uns zu bekämpfen.“

Bin Ladin rief ferner seine Einheiten dazu auf, im Sudan aktiv zu werden, um die geplante Stationierung von UN-Friedenstruppen, die er „plündernde Kreuzritter“ nannte, zu verhindern. Dabei gehe es nicht darum, die Regierung in Khartum zu verteidigen, sondern den Islam. Bin Ladin hatte einst seine Basis im Sudan, wurde aber später des Landes verwiesen. Er floh zunächst nach Afghanistan und wird heute in Pakistan vermutet.

In seiner Botschaft vom 19. Januar, die ebenfalls von Al Dschazira ausgestrahlt wurde, hatte Bin Ladin mit neuen Anschlägen in den Vereinigten Staaten gedroht. Zugleich bot der Terroristenführer einen Waffenstillstand „mit fairen Bedingungen“ an, „so daß wir den Irak und Afghanistan wieder aufbauen können“. Davor hatte sich Bin Ladin im Dezember 2004 zu Wort gemeldet. Seither veröffentlichte sein Stellvertreter im Irak, Ajman al Zawahri, mehrere Video- und Audiobotschaften. In einer bekannte er sich zu den Anschlägen auf den öffentlichen Nahverkehr in London am 7. Juli vergangenen Jahres.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr