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Aktenfund in der Birthler-Behörde Stasi-Mitarbeiter erschoss Benno Ohnesorg

Der Polizist Karl-Heinz Kurras, der am 2. Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg aus nächster Nähe erschoss, war Mitglied der SED und Inoffizieller Mitarbeiter des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit. Das belegt nach F.A.Z.-Informationen ein neuer Aktenfund.

© rbb Vergrößern Ein Bild mit Folgen: Der angeschossene Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967

Der Polizist Karl-Heinz Kurras, der am 2. Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg aus nächster Nähe erschoss, war Mitglied der SED und Inoffizieller Mitarbeiter des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).

Das berichten Helmut Müller-Enbergs und Cornelia Jabs, die durch einen Zufall entsprechende Unterlagen im Aktenbestand des MfS gefunden haben. Ihr Bericht über die insgesamt 17 Aktenbände des Staatsicherheitsdienstes zu Kurras erscheint in der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Deutschlandarchiv“, die am 28. Mai herauskommen wird: „Der 2. Juni 1967 und die Staatssicherheit“. Müller-Enbergs und Frau Jabs arbeiten in der Behörde der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Berlin, einem größeren Publikum ist der Historiker Müller-Enbergs durch seine Forschungen zur Arbeit der Stasi im sechsten Deutschen Bundestag bekanntgeworden, die sich aus den Akten der Auslandsaufklärung HVA des MfS ergibt.

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Der Aktenfund erhellt den Täter, nicht seine Tat. Warum Kurras damals im Hof der Krummen Straße 68 auf den 26 Jahre alten Ohnesorg schoss, bleibt rätselhaft. Im März 1950, da war er 22 Jahre alt, trat Kurras in den Dienst der West-Berliner Polizei. Im April 1955 bat er, in die DDR übersiedeln und in der Volkspolizei arbeiten zu dürfen. Doch seine Gesprächspartner in Ost-Berlin überzeugten ihn in „einer gründlichen Aussprache“, wie es in seiner Akte heißt, besser in der West-Berliner Polizei weiterzuarbeiten.

BENNO OHNESORG schwerverletzt © ASSOCIATED PRESS Vergrößern Der schwerverletzte Ohnesorg wurde ins Krankenhaus Moabit gebracht und dort am Kopf operiert - wann er wirklich starb ist ungewiss

IM „Otto Bohl“

Kurras wurde von der DDR nicht eingebürgert, aber er wurde zum Inoffiziellen Mitarbeiter der Abteilung IV der Groß-Berliner Stasi, der er sich am 26. April 1955 schriftlich zur Kooperation und Konspiration verpflichtete. Sein Deckname war „Otto Bohl“. Am 15. Dezember 1962 stellte er „in ehrlicher Überzeugung“ den Antrag, in die SED aufgenommen zu werden, weil diese „mit ihrer Zielsetzung den wahren demokratischen Willen verkörpert, ein demokratisches Deutschland zu schaffen“. Mit Zustimmung des ZK der SED wurde er nach der Kandidatenzeit tatsächlich aufgenommen und erhielt am 28. Juli 1964 das Mitgliedsbuch mit der Nummer 2 002 373.

Nachdem Kurras Benno Ohnesorg erschossen hatte, gab es kein Parteiausschlussverfahren gegen ihn. Doch in sein Mitgliedsbuch wurden von da an keine Beitragsmarken mehr geklebt. Im Staatssicherheitsdienst wurde die Personenkartei (F 16) für Karl-Heinz Kurras entfernt, so dass es unmittelbar nach dem 2. Juni 1967 unmöglich wurde, seine Akte zu finden. Müller-Enbergs notiert, sie sei für die Zeitgeschichte „ausschließlich durch interne Forschungen auffindbar geworden“.

IM „Otto Bohl“ war eine „Spitzenquelle“ für das MfS, vor allem, seit er 1965 zur Kriminalpolizei ging und in einer Sonderermittlungsgruppe arbeitete, die nach „Verrätern in den eigenen Reihen“ suchte. Kurras lieferte, schreiben Müller-Enbergs und Frau Jabs, „detailliert Erkenntnisse über Mitarbeiter, Ausbildung, Arbeitsweise und Personalveränderungen, Befehle, Dienstpläne und Einsatzpläne, zur Tätigkeit der Alliierten, der Ausstattung und Standorte - meist in dokumentarischer Form. Er war verantwortlich für die Asservate und die Auswertung des Funkverkehrs des MfS“.

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