Home
http://www.faz.net/-gpf-wdp7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

AKP-Verbot Türkische Prüfung

01.04.2008 ·  Die Aufhebung des Kopftuchverbotes für Studentinnen - also die Herstellung eines Zustands, wie er in Amerika und anderswo üblich ist - nahm der türkische „General“-Staatsanwalt Yalçinkaya nun sogar zum Anlass, ein Verbot der Regierungspartei AKP zu erwägen.

Von Wolfgang Günter Lerch
Artikel Lesermeinungen (6)

Dass viele weltlich gesinnte Türken, vor allem aus der Oberschicht, der konservativ-islamischen Regierungspartei AKP und dem Ministerpräsidenten Erdogan nicht über den Weg trauen, ist ihr gutes Recht. Auf einem anderen Blatt steht freilich, dass das Verfassungsgericht nun tatsächlich einen Verbotsantrag gegen die Partei und 71 Politiker prüfen will.

Die Aufhebung des Kopftuchverbotes für Studentinnen, also die Herstellung eines Zustands, wie er in Amerika und anderswo üblich ist, nahm „General“-Staatsanwalt Yalçinkaya zum Anlass für den Verbotsantrag. Wo die Verstöße gegen den Laizismus der Verfassung genau liegen sollen, ist noch nicht deutlich.

Die AKP bekam bei den Wahlen 47 Prozent der Stimmen, sie stellt 330 von 550 Abgeordneten. Umfragen haben ergeben, dass sie die Mittelschicht repräsentiert, die in der Türkei entstanden ist - nicht zuletzt dank der wirtschaftlichen Erfolge der AKP.

Die alte Elite hatte in den neunziger Jahren das Land weitgehend ruiniert und war durch Skandale negativ aufgefallen. Sie muss sich bald, frei nach Bert Brecht, ein neues Volk zusammenbasteln.

Quelle: F.A.Z., 01.04.2008, Nr. 76 / Seite 10
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1946, Redakteur in der Politik.

Jüngste Beiträge

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr