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Afghanistan : Vier Bundeswehrsoldaten in Kabul getötet

  • Aktualisiert am

Die Isaf untersucht die Unglücksstelle Bild: AP

Ein Bus der Internationalen Schutztruppe explodierte, als in einem vorbeifahrenden Taxi ein Sprengsatz gezündet wurde. Dabei starben vier Bundeswehrsoldaten.

          Bei dem ersten tödlichen Anschlag auf einen mit deutschen Soldaten besetzten Bus in Kabul sind am Samstag mindestens vier Bundeswehrsoldaten getötet worden. Zudem wurden nach Angaben von Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) 29 Soldaten verletzt, sieben davon schwer. Die schwer Verletzten sollten nach einer Notbehandlung in Afghanistan noch am Samstag nach Deutschland ausgeflogen werden.

          Auf einer Pressekonferenz am Samstag nachmittag sagte Struck: „Wir hoffen, daß sie am Leben bleiben.“ Die Angehörigen der Opfer seien informiert worden. Er bezeichnete den Anschlag als schreckliche Bestätigung für die unsichere Lage am Ort. Es sei das erste Mal, dass deutsche Soldaten Ziel eines terroristischen Anschlags geworden seien.

          Der Anschlag ereignete sich nach Angaben der Isaf gegen 6.00 Uhr (MESZ) im Osten Kabuls in der Nähe eines Übungsgeländes der afghanischen Armee. Der mit 33 Soldaten besetzte Bus befand sich den Angaben zufolge zusammen mit einem Gepäckbus auf dem Weg vom Isaf-Hauptquartier Camp Warehouse zum Flughafen. Der Gepäckbus habe auf der Straße ein Taxi überholt. Als der mit den Soldaten besetzte Bus das Taxi überholen wollte, sei der Sprengstoff gezündet worden.

          Kontrollen in Kabul

          Selbstmordattentat wahrscheinlich

          Sehr wahrscheinlich handle es sich um ein Selbstmordattentat, sagte ein Mitarbeiter des Kabuler Polizeichefs Basir Salangi. Von dem Taxi sei außer dem Nummernschild nichts mehr übrig. Auch ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam sagte, man könne mittlerweile von einem gezielten Anschlag ausgehen. Auch der Vizekommandeur der Truppen in Kabul, Afsal Aman, sprach von einem Selbstmordanschlag. Augenzeugen hätten zwei mutmaßliche Attentäter in einem Taxi gesehen, das sich vor der Detonation an den Bus geheftet habe, sagte Aman.

          Auch Struck ging von einem Selbstmordattentat aus. Vieles spreche dafür, dass sich der Täter mit seinem Wagen - einem Taxi - in die Luft gesprengt habe, als der Bus mit den Bundeswehrangehörigen aufgetaucht sei, sagte er. Der Angreifer sei ums Leben gekommen. Die Soldaten seien auf dem Heimweg gewesen, um einen Urlaub anzutreten.

          Bush kondolierte persönlich

          Der amerikanische Präsident George W. Bush habe Bundeskanzler Gerhard Schröder persönlich das Beileid des amerikanischen Volkes ausgesprochen. Schröder und Bush hätten die gemeinsame besondere Verantwortung Deutschlands und der Vereinigten Staaten für Afghanistan bekräftigt, „um das Land wieder zu einem stabilen demokratischen Staat zu machen und nicht mehr zum Ausgangspunkt von Terrorismus". Es war das erste Mal seit dem deutsch-amerikanischen Streit wegen des Irak-Kriegs, dass Bush mit Schröder telefonierte.

          Schröder verurteilte am Samstag das Bombenattentat auf Bundeswehrsoldaten in Kabul als feigen und hinterhältigen Terroranschlag. Schröder sprach von einem schrecklichen Ereignis und drückte den Angehörigen der Opfer sein tiefes Mitgefühl aus. Die „terroristischen Kräfte“, die nach bisherigen Erkenntnissen Verursacher der Bombenexplosion gewesen seien, bezeichnete Schröder als erklärte Gegner der Friedens- und Stabilisierungsbemühungen in Afghanistan.

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