Bei einem Luftangriff in Afghanistan hat die amerikanische Armee neun Kinder getötet. Ein Kampfflugzeug habe in der südostafghanischen Provinz Ghasni am Samstag morgen einen „mutmaßlichen Terroristen“ anvisiert, der ebenfalls ums Leben gekommen sei, teilte ein Militärsprecher im Luftwaffenstützpunkt Bagram mit.
Die Vereinten Nationen warnten vor einer weiteren Verschlechterung der Sicherheitslage durch die Tragödie. Der „mutmaßliche Terrorist“ werde für den Tod von zwei Arbeitern an einer Straßenbaustelle verantwortlich gemacht, teilte die amerikanische Armee mit. Nach dem Bombenangriff südlich der Stadt Ghasni, etwa 130 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Kabul, hätten Bodentruppen vor Ort die Leichen von neun Kindern gefunden.
„Angst und Unsicherheit“
Die Streitkräfte hätten den Einsatz auf der Grundlage von Geheimdienstmaterial von langer Hand vorbereitet und dafür gesorgt, daß sich der Gesuchte zum Zeitpunkt des Angriffs in einer abgelegenen ländlichen Gegend aufhielt. Der amerikanische Botschafter in Kabul, Zalmai Khalilzad, sagte am Sonntag: „Das ist ein tragischer Verlust von unschuldigem Leben.“ Sowohl die afghanische Regierung als auch die amerikanische Armee richteten Untersuchungskommissionen ein.
Amerikanische Militärs seien vor Ort, um den Familien der Toten jedwede Unterstützung zu leisten und den Vorfall aufzuklären. Dem afghanischen Innenminister Ali Ahmad Dschalali zufolge handelte es sich bei dem Getöteten um den mutmaßlichen Taliban Mullah Wasir. Der amerikanische Botschafter bestätigte, nach dem Angriff in Ghasni hätten Bodentruppen den Tod von Mullah Wazir bestätigt
Dschalali verlangte von den amerikanischen Truppen „Erklärungen“ für den Tot der Kinder. Ein UN-Sprecher sagte, der abermalige tödliche Angriff auf Zivilisten lasse „Angst und Unsicherheit“ wachsen.Bei einer der schwersten versehentlichen Bombardierungen in Afghanistan hatte die amerikanische Luftwaffe im Juni vergangenen Jahres in der zentralafghanischen Provinz Urusgan 48 Gäste einer Hochzeitsgesellschaft getötet. Im November waren mindestens acht Zivilisten bei einem Angriff der Luftwaffe auf ein Bergdorf in der nordöstlichen Provinz Nuristan getötet worden.
Anschlag in Kandahar
Bei einer Bombenexplosion im Zentrum der südafghanischen Stadt Kandahar wurden am Samstag mindestens 15 Menschen zum Teil schwer verletzt. Der Sprengsatz war nach ersten Erkenntnissen an einem Fahrrad befestigt und explodierte Polizeiangaben zufolge nahe einer stark befahrenen Kreuzung. Unter den Verletzten waren ausschließlich einheimische Zivilisten.
Kandahar ist die einstige Hochburg der radikalislamischen Taliban, die gegen die Regierung von Karsai kämpfen. Der Präsident verurteilte den Anschlag, der die Bevölkerung „terrorisieren“ und die Vorbereitungen für die Beratungen der Loja Dschirga über eine neue Verfassung stören solle.
Karsei verlangt Präsidialsystem
Karsai betonte, er werde bei der für Juni kommenden Jahres geplanten Präsidentschaftwahl nur antreten, wenn die „künftige Regierung ein präsidiales System hat und auf freien und gerechten Wahlen beruht“.
Er bezeichnete den Anschlag als einen Versuch von Terroristen, die verfassungsgebende Große Ratsversammlung zu behindern. Der ursprünglich für Mittwoch geplante Beginn der Loja Dschirga
wurde unterdessen verschoben. Die Verfassungskommission teilte am Sonntag mit, die 500 Delegierten aus dem ganzen Land würden nicht rechtzeitig in der Hauptstadt Kabul eintreffen. Sie sollen nach 25 Jahren Krieg und Bürgerkrieg eine neue Verfassung für Afghanistan verabschieden.
Weitere Zwischenfälle
Eine Woche nach der Freilassung einer türkischen Geisel entführten Taliban-Kämpfer in der südostafghanischen Provinz Zabul am Samstag zwei indische Ingenieure. Ein Taliban-Sprecher bestätigte die Entführung am Sonntag in einem Gespräch mit der in Pakistan ansässigen afghanischen Nachrichtenagentur AIP. Zu eventuellen Forderungen machte er keine Angaben. Auch zwei türkische Ingenieure gelten seit Sonntag als verschollen. Ein Polizeisprecher sagte, es sei unklar, ob sie von Taliban entführt worden seien.
Seit August haben Angriffe radikal-islamischer Rebellen wie der Taliban besonders im Süden und Osten Afghanistans zugenommen. Seitdem starben bei gewaltsamen Zwischenfällen fast 400 Menschen, darunter Rebellen, afghanische Sicherheitskräfte, ausländische Soldaten, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Zivilisten.