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Bis zum Ramadan-Ende : Afghanistan ruft bedingungslose Waffenruhe mit Taliban aus

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Sie kämpfen weiter gegen IS und Al Qaida: Afghanische Soldaten am 31. Mai. auf einer Militärbasis in der Provinz Helmand Bild: EPA

Der Ankündigung von Präsident Ashraf Ghani schließen sich auch die amerikanischen Streitkräfte an. Lob kommt aus Berlin. Gegen zwei andere Gegner geht der Kampf weiter.

          Afghanistan hat erstmals eine einseitige bedingungslose Waffenruhe im Kampf gegen die radikalislamistischen Taliban ausgerufen. Die Waffen sollten bis zum 20. Juni schweigen, dem Ende des Ramadan, erklärte Afghanistans Präsident Aschraf Ghani am Donnerstag in einer Fernsehansprache. Die Einsätze gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) und andere militante Gruppen würden dagegen fortgesetzt. Der Schritt wurde international begrüßt, eine Stellungnahme der Taliban stand zunächst aus. Ghani hatte ihnen Anfang des Jahres Friedensgespräche angeboten, was diese im April jedoch ausschlugen.

          Die Waffenruhe während des Fastenmonats sei eine Gelegenheit für die Taliban, sich selbst zu prüfen und festzustellen, dass sie nicht die Herzen und Köpfe der Menschen gewännen, sondern sich weiter von ihnen entfernten, sagte Ghani. Die Afghanen wollten eine friedliche Lösung des Konflikts. Der Präsident hatte sich wiederholt für Feuerpausen mit den Islamisten ausgesprochen. Dies ist jedoch das erste Mal seit seiner Wahl 2014, dass er eine bedingungslose Waffenruhe anbietet.

          Das amerikanische Militär in Afghanistan kündigte an, sich der Feuerpause anzuschließen. Gegen den IS und Al Qaida werde jedoch weiter gekämpft. In einer Erklärung des amerikanischen Außenministeriums hieß es, das Angebot unterstreiche, wie die Regierung in Kabul „aus nationaler und religiöser Verantwortung“ dem Frieden verpflichtet sei. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin erklärte, es handle sich um einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Frieden. Auch die Nato, die Vereinten Nationen und Russland begrüßten die Ankündigung.

          Der ehemalige afghanische General Atikullah Amarkhel zeigte sich dagegen skeptisch. Die Feuerpause werde den Taliban eine Gelegenheit geben, sich neu aufzustellen, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. „Aus militärischer Sicht ist das kein guter Schritt.“

          In Afghanistan kämpfen die Taliban und andere Gruppen gegen Regierungstruppen, die von den Vereinigten Staaten und weiteren Nato-Staaten unterstützt werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Mittwoch erklärt, dass die Bundesregierung Einschränkungen bei der Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern aus Afghanistan wieder aufhebt. Die meisten Rückführungen waren wegen der unsicheren Sicherheitslage in dem Land voriges Jahr ausgesetzt worden.

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