Dies ist die erste internationale Afghanistan-Konferenz, die am Ort des Geschehens selbst, in Kabul, stattgefunden hat. Schon das wird als Erfolg gefeiert. Nachdem ausländische Truppen seit neun Jahren - inzwischen mit einer Stärke von annähernd 140.000 Soldaten - am Hindukusch präsent sind, wird man diesen Erfolg relativ nennen müssen. Dennoch hat das Ganze eine symbolische Bedeutung, die nicht zu unterschätzen ist.
Die militärische Lage wird nach wie vor uneinheitlich bewertet: Einerseits ist die Rede davon, dass der Truppenaufwuchs und die neue Strategie Fortschritte gebracht hätten - ein Indiz dafür sind verstärkte Kämpfe, die leider auch mehr Soldaten das Leben kosten. Andererseits beherrschen die Taliban und andere „Aufständische“ immer noch einen großen Teil des Landes. Nicht weniger schwierig ist es, eine Bilanz des Wieder- oder Neuaufbaus in Afghanistan zu ziehen: Neben erfolgreichen Projekten stehen viele andere, die immer wieder begonnen werden, aber auch immer wieder scheitern. Die Befriedung, Stabilisierung und Zivilisierung Afghanistans ist jedenfalls schwieriger und teurer, als sich das vor neun Jahren irgendjemand vorstellen konnte oder wollte.
Der Endpunkt 2014 dürfte Phantasie bleiben
Die Konferenz von Kabul stand unter dem Stichwort „Übergang“. Gemeint ist damit, dass die afghanische Regierung Schritt für Schritt die Verantwortung für Sicherheit und Wiederaufbau des Landes übernehmen soll, wenn die ausländischen Truppen - vom nächsten Jahr an - mit dem Abzug beginnen. Als Endpunkt des Übergangs wird das Jahr 2014 genannt. Doch das dürfte Phantasie bleiben. Die Zentralregierung unter Präsident Karzai wird auch dann weder militärisch noch administrativ in der Lage sein, Afghanistan zu kontrollieren.
Ob das Land mit seinen Stämmen, Unterstämmen und Clans sich überhaupt von einer Zentrale aus regieren lässt, ist die größte politische Frage. Noch nicht einmal in Ansätzen ist erkennbar, welche Aufständischen oder wie viele Taliban sich darauf einlassen werden, mit der Regierung zu verhandeln, um sich in den politischen Prozess einzugliedern. Schließlich ist die Frage, wo das Geld ankommt, welches die internationale Gemeinschaft versprochen (und zum Teil schon ausbezahlt) hat. Die Korruption in Afghanistan ist endemisch. Wenn die Hälfte der Finanzhilfen künftig von der Regierung verteilt wird, werden dunkle Geschäfte erst recht aufblühen.
'P h a n t a s i e'??
Rolf Joachim Siegen (rolfS2)
- 20.07.2010, 20:23 Uhr
Diese Konferenz in Afghanistan wird offenbar nur von Politikern
Lill-Karin Bryant (kb26919)
- 21.07.2010, 02:28 Uhr
Bis 1014 sieht die Welt sicher anders aus - politisch
Josef Bujtor (Mramorak)
- 21.07.2010, 14:46 Uhr
Köpfern den klaren Kopf entgegenhalten
Gernot Radtke (Autonomus)
- 21.07.2010, 21:50 Uhr