06.10.2004 · Wenige Tage vor der Wahl in Afghanistan ist der Vizepräsidenten-Kandidat von Amtsinhaber Hamid Karzai am Bundeswehrstandort Faizabad nur knapp einem Attentat entgangen.
Drei Tage vor der ersten freien Wahl in der Geschichte Afghanistans ist der Vizepräsidenten-Kandidat von Amtsinhaber Hamid Karsai unverletzt einem Attentat entgangen. In der Provinzhauptstadt Faizabad soll ein Kontingent von 105 Bundeswehrsoldaten die Sicherheitslage und den Wiederaufbau in dem jahrzehntelang umkämpften Land unterstützen.
Unter dem Auto-Konvoi von Ahmed Zia Masud explodierte auf dem Weg zu einer Wahlkampfveranstaltung in Faisabad in der nordöstlichen Provinz Badachschan eine Mine. Polizeiangaben zufolge wurden ein Mensch getötet und mindestens zwei weitere verletzt. Bei einem der Verletzten handele es sich um einen ehemaligen Gouverneur der abgelegenen Bergprovinz und engen Karzai-Vertrauten. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Attentat, aber die Behörden machten Muslim-Extremisten der gestürzten Taliban-Regierung oder des Terrornetrzes Al Qaid für die Tat verantwortlich.
„Das war die Tat von Feinden“
Auf einem seiner seltenen Wahlkampfauftritte forderte Präsident Karzai in Kabul alle Afghanen auf, am Samstag wählen zu gehen und sich nicht von den Gewalttaten radikaler Moslems einschüchtern zu lassen. „Das war die Tat von Feinden Afghanistans", sagte der Gouverneur Badachschans mit Blick auf Anhänger der Taliban und A Qaidas, die in den vergangenen Monaten wiederholt Anschläge verübt hatten.
Karzais Kandidat für das Vize-Amt ist der Bruder des bei einem Anschlag ums Leben gekommenen afghanischen Widerstandskämpfers Ahmed Schah Masud. I
„Helden bei der Wahl“
Bereits im September war es in Faizabad zu Unruhen und Angriffen auf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen gekommen. Karzai appellierte auf der Abschlußkundgebung seines Wahlkampfes vor etwa 4000 Anhängern im stark gesicherten Stadion von Kabul an alle Afghanen, ihr Wahlrecht zu nutzen: „Ihr habt Euch im Kampf gegen die Sowjetunion und gegen Terroristen als Helden erwiesen. Zeigt jetzt, daß Ihr auch Helden bei der Wahl seid".
Karzai gilt als aussichtsreichster der 18 Bewerber für das Präsidentenamt. Er erklärte, daß er das Votum des afghanischen Volkes auch bei einer Niederlage akzeptieren werde. Er hat sich seit einem Attentatsversuch auf seinen Präsidentenhubschrauber bei einem Wahlkampfauftritt im September kaum in der Öffentlichkeit gezeigt. Rund 10,5 Millionen der insgesamt rund 28 Millionen Afghanen haben sich für die Wahl am Samstag registrieren lassen. Am Montag soll auch Bundeskanzler Gerhard Schröder auf einer mehrtägigen Asien-Reise Afghanistan besuchen.