29.01.2008 · Deutschland wird vom Sommer an etwa 250 Infanteriesoldaten zusätzlich nach Afghanistan entsenden. Das ist eine richtige und aus Gründen der Bündnissolidarität längst überfällige Entscheidung. Eine „neue Qualität“ erhält das deutsche Engagement am Hindukusch dadurch nicht.
Von Horst BaciaDeutschland wird vom Sommer an etwa 250 Infanteriesoldaten zusätzlich nach Afghanistan entsenden. Das ist eine richtige und - angesichts der Verluste, die andere Nato-Partner beim Einsatz der internationalen Stabilisierungskräfte (Isaf) erleiden - eine aus Gründen der Bündnissolidarität längst überfällige Entscheidung.
Eine „neue Qualität“, wie einige behaupten, erhält das deutsche Engagement am Hindukusch dadurch nicht. Schon jetzt sind Kampftruppen in der Stärke einiger Kompanien (Infanterie und Panzeraufklärer) im Norden des Landes stationiert, wo die Bundeswehr ihre Kräfte konzentriert.
Die verstärkte Infanteriekompanie soll dem Befehlshaber im Regionalkommando Nord, einem deutschen Brigadegeneral, als taktische Eingreifreserve zur Verfügung stehen. Er entscheidet über ihren Einsatz. Und falls in einem Notfall, in Übereinstimmung mit dem derzeitigen Mandat des Bundestages, die Verlegung dieser Einheit in einen anderen Teil des Landes anstehen sollte, bliebe dem Verteidigungsminister, wenn er denn wollte, noch immer die Möglichkeit, einen Vorbehalt geltend zu machen. Gewiss, niemand kann ausschließen, dass die Soldaten der „Quick Reaction Force“ auf einer Patrouille oder bei der Unterstützung bedrängter Kameraden in Kämpfe mit aufständischen Taliban oder anderen Gruppen verwickelt werden und dabei ihr Leben aufs Spiel setzen. Doch wirklich neu oder unverhältnismäßig risikoreich ist der Auftrag, den bisher die Norweger erfüllt haben, nicht.
Dennoch tut sich das Verteidigungsministerium wieder einmal schwer, die Entscheidung, die intern längst gefallen ist, einer mehrheitlich kritischen Öffentlichkeit zu erläutern. Wieder einmal muss zur Begründung die Fiktion einer „Anfrage der Nato“ herhalten, der man sich nicht entziehen könne. Diesmal wurde sogar ein Brief aus dem Nato-Hauptquartier bestellt. Dass er just an dem Tag eintrifft, an dem sich Minister Jung zu einem Besuch in Kabul aufhält, dürfte kein Zufall sein. Dieses unnötig defensive Herangehen bei der Verstärkung der eigenen Truppen dient weder der Sache noch der Debatte über den Einsatz in Afghanistan. Die Kanadier, die im Süden schon 83 Soldaten verloren haben, drohen nicht zu Unrecht, sie wollten nicht länger bleiben, wenn sich dort nicht auch andere Bündnispartner engagierten.
'unnötig defensives Herangehen ' ?
Rolf Joachim Siegen (rolfS2)
- 29.01.2008, 21:56 Uhr
ISAF und Warlords
Tillmann Schmalzried (TillmannSchmalzried)
- 29.01.2008, 23:31 Uhr
die Qualietät einer brisanten kulturellen Einmischung
dirk speier (dirspe)
- 29.01.2008, 23:51 Uhr
Haben die Deutschen sich schon an diesen Krieg gewoehnt?
Gerd Bungartz (gerdbungartz)
- 30.01.2008, 02:20 Uhr