Mehr deutsche Soldaten nach Afghanistan - fast unbemerkt hat das der Bundestag in dieser Woche im Windschatten der Finanzkrise beschlossen. War da ein Seufzer der Erleichterung zu hören, dass die unpopuläre Aufstockung und Verlängerung des Mandats so wenig Beachtung fand? Denn die Argumente, die einst Sinn und Zweck des westlichen Einsatzes erklärten, verlieren immer mehr an Überzeugungskraft: deutsche Sicherheit am Hindukusch? Stabilität für ein geschundenes Land?
Es war nie leicht zu erklären, was uns Afghanistan angeht. Jetzt, da die Lageberichte von der afghanischen Front immer pessimistischer, die Erfolgsaussichten immer geringer werden, wird es noch schwerer, den Einsatz zu begründen. Gleichwohl münden die düsteren Analysen regelmäßig in die Schlusswende, dass es keine Alternative gebe. Das klingt am ehesten nach einer Verlängerung der Ratlosigkeit.
Teil der Lösung oder des Problems?
Der Westen hat seine Möglichkeiten sowohl im Militärischen als auch beim Aufbau einer halbwegs demokratischen, stabilen Ordnung überschätzt. Selbst die vielgelobte zivile Aufbauarbeit ist immer weniger möglich, weil sich Helfer in viele Teile des Landes nicht mehr hineinwagen. Zudem quälen Zweifel, ob der westliche Einsatz Teil der Lösung ist oder Teil des Problems.
Man werde in Afghanistan viel von den Russen lernen können, hatte die damalige Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice in einem Anflug unfreiwilliger Weitsicht gesagt, als der Westen sich anschickte, die Taliban zu stürzen. Sieben Jahre später scheint er nicht mehr weit von der Lektion entfernt, die die Sowjetunion bitter lernen musste. Schon haben Niederländer und Kanadier ihren Rückzug angekündigt, insgesamt aber fehlt es an einer Perspektive, wann und wie der Einsatz zu beenden wäre. Zugleich wird die Angst vor einem Gesichtsverlust der Nato zu einem immer gewichtigeren Argument für die Verlängerung des Einsatzes.
In Amerika scheint Barack Obama der Überzeugung zu sein, dass sich der westliche Kampf gegen den Terrorismus in Afghanistan entscheidet, und er würde als amerikanischer Präsident Pakistan als Ursache vieler afghanischer Übel mehr als bisher in den Blick nehmen. Aber auch gegenüber der labilen Atommacht sind die Einflussmöglichkeiten des Westens begrenzt.
Perspektive
Josef Bujtor (Mramorak)
- 20.10.2008, 12:56 Uhr