Am Tag, an dem im Berliner Bendlerblock das Denkmal für die Toten der Bundeswehr eingeweiht wurde, hat die Kanzlerin ihrem Verteidigungsminister vorgeführt, wie man auch Nachrichten über getötete Zivilisten aus Afghanistan politisch bewältigt. Jeder am Hindukusch unschuldig Umgekommene sei einer zu viel und werde betrauert, sagte sie in der Bundestagsdebatte, die die Linkspartei zu einem Tribunal gegen die deutsche Afghanistan-Politik machen wollte.
Dem aber baute die Kanzlerin vor: Es werde keine Vertuschung geben, sondern lückenlose Aufklärung. Diese unter deutschen Verhältnissen eigentlich überflüssige Erklärung war unumgänglich geworden, weil Jung sich bei der (notwendigen) Verteidigung des umstrittenen Einsatzes am Kundus-Fluss (unnötig) darauf festgelegt hatte, dass Unschuldige nicht zu Schaden gekommen seien. Die Kanzlerin hat den daraus erwachsenden und auch geschürten Verdacht nun mit maximalem Einsatz entkräftet: Sie stehe selbst dafür ein, dass nichts beschönigt werde.
So springt man nicht mit Deutschland um
Frau Merkel stellte die in den vergangenen Tagen im In- und Ausland merkwürdige Züge annehmende Debatte wieder vom Kopf auf die Füße. Auch den Verbündeten auf beiden Seiten des Atlantiks erteilte die Bundeskanzlerin, unterstützt vom Kanzlerkandidaten, eine Lektion: So springt man nicht mit Deutschland um. Man mag verstehen, dass gerade die Amerikaner enttäuscht sind von den Rückschlägen in Afghanistan. Einen Alliierten, von dem man mehr Kampfeinsätze sehen will, für einen Kampfeinsatz an den Pranger zu stellen – nicht weniger hat McChrystal getan – ist aber schon in einer weit weniger kritischen Lage ausgesprochen dumm. Besser hätte auch Bin Ladin einen Anschlag auf die Geschlossenheit der Nato nicht planen können.
Vor diesem Hintergrund ist es fast schon erstaunlich, dass die deutschen Parteien weiterhin zur eingeschlagenen Afghanistan-Politik stehen, vom unvermeidlichen Wahlkampfgeplänkel und der Linkspartei einmal abgesehen. Diese Standfestigkeit ist ein Zeichen der außenpolitischen Reife.
Alle wissen, dass der Einsatz nicht populär ist und mit jedem weiteren toten Soldaten oder Zivilisten immer schwerer zu begründen sein wird. Doch ist den meisten deutschen Politikern auch klar, was wäre, wenn Afghanistan wieder zu einer Basis des islamistischen Terrorismus würde – und gar die benachbarte Nuklearmacht Pakistan in den Strudel hineingeriete.
Wagenburgmentalität
Sepp Söllner (Steurzahler2009)
- 08.09.2009, 21:46 Uhr
US-Bombardierungen pakistanischer Dorfer / Amerikansche Belehrungen nicht notig
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 08.09.2009, 21:56 Uhr
Afghanistan als Basis des 'islamischen Terrorismus' ...
K. Peter Luecke (microplan2002)
- 08.09.2009, 21:56 Uhr
Merkels fehlende Selbsteinschätzung
(rudyguy)
- 08.09.2009, 22:15 Uhr
Entschuldigung!
(Piesel_W)
- 08.09.2009, 22:30 Uhr