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Afghanistan Bewährungsprobe Mardschah

14.02.2010 ·  Jetzt schlägt die Stunde der Wahrheit. Im Süden Afghanistans hat die größte militärische Operation seit dem Sturz der Taliban 2001 begonnen. Wird es gelingen, die Aufständischen zu vertreiben und dabei zivile Opfer in größerer Zahl zu vermeiden?

Von Horst Bacia
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Im Süden Afghanistans hat am Wochenende die größte militärische Operation seit dem Sturz der Taliban im Dezember 2001 begonnen. Für die neue Strategie des Isaf-Befehlshabers McChrystal, die Präsident Obama erst nach monatelangem Abwägen billigte, schlägt jetzt die Stunde der Wahrheit. Wird es gelingen, die Aufständischen aus ihrer Hochburg zu vertreiben und dabei zivile Opfer in größerer Zahl zu vermeiden? Sind die zivilen Maßnahmen, die den militärischen auf dem Fuß folgen sollen, ausreichend und überzeugend? Und werden Vertreter der afghanischen Regierung, die angeblich schon zur Übernahme der Verantwortung bereitstehen, so auftreten, dass sie die Bewohner von Mardschah, einer Stadt mit etwa 80.000 Einwohnern, für sich gewinnen und eine Rückkehr der Taliban verhindern können?

Es hat lange gedauert, bis sich gerade bei amerikanischen Truppenführern die Einsicht durchsetzte, dass es in diesem Konflikt nicht darauf ankommt, möglichst viele Taliban und ausländische Kämpfer von Al Qaida zu töten, sondern darauf, die afghanische Bevölkerung so gut wie möglich gegen deren Terrorherrschaft in Schutz zu nehmen. Andere Bündnispartner, auch die deutschen, waren da schon früh deutlich weiter. Kampftruppen in ausreichender Zahl, um es ernsthaft mit den Aufständischen aufzunehmen, wenn die sich irgendwo festgesetzt hatten, wollen oder können sie aber nicht einsetzen. Selbst die Amerikaner haben erst nach der von Obama beschlossenen Verstärkung genügend Kräfte für diese Operation neuen Stils, mit der General McChrystal die Initiative in ganz Afghanistan zurückgewinnen will.

Mardschah soll die einzige größere Stadt in der Provinz Helmand sein, die noch von den Taliban kontrolliert wurde - ein Zentrum für Bombenbastler und das Heroingeschäft, aus dem die Aufständischen sich finanzieren. Mit ihrer gewaltigen Übermacht haben Isaf-Truppen und afghanische Armee, insgesamt mehrere tausend Soldaten, die Stadt offenbar ohne schwerere Kämpfe einnehmen können. Es werde aber Wochen dauern, sagt der zuständige Befehlshaber, bis Haus für Haus durchsucht worden sei. Die eigentliche Bewährungsprobe hat dann die afghanische Regierung zu bestehen. Sie muss zeigen, dass man ihr tatsächlich Verantwortung übertragen kann. Darauf beruht schließlich die neue Strategie mit eingebauter Rückzugsperspektive für die fremden Truppen.

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