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AfD-Abtrünnige : Gründet Petry jetzt „Die Blauen“?

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Oft „PP“ genannt: Petry und Pretzell (Archivbild) Bild: dpa

Eine von der AfD-Abtrünnigen Frauke Petry registrierte Webadresse und Aussagen ihres Mannes Marcus Pretzell nähren Spekulationen über die Neugründung einer Partei. Petry weist das nun zurück, hält sich aber bedeckt. Das Rätselraten geht weiter.

          Das Rätselraten um die weiteren politischen Pläne der AfD-Abtrünnigen Frauke Petry und Marcus Pretzell geht in eine neue Runde. Nachdem bekannt geworden war, dass Petry bereits im Besitz einer Domain mit dem Namen www.dieblauen.de ist, schossen Spekulationen ins Kraut, dass sie „den Lucke“ machen, also eine neue Partei gründen könnte, der dann wohl auch Pretzell beitreten würde. Nun wischt Petry diese Spekulationen beiseite.

          Am Rande einer Sitzung des sächsischen Landtages in Dresden bestätigte Petry am Mittwoch, die Domain angemeldet zu haben. Eine Partei stecke aber nicht dahinter, sagte sie. Das „Blau“ verkörpere eine Idee, sei aber kein Parteiname, sagte Petry. Sie werde sich zu gegebener Zeit detaillierter äußern. „Mehr möchte ich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht darüber sagen.“

          „Lassen Sie sich mal überraschen“

          Die Spekulationen waren durch eine Äußerung von Petrys Mann Marcus Pretzell befeuert worden. In einem Gespräch mit dem ZDF sagte Pretzell am Mittwochmorgen, es gebe in Deutschland derzeit nur eine „relevante“ Volkspartei, die CSU. Doch die sei „bundespolitisch völlig kastriert“, also handlungsunfähig, da sie sich auf Bayern beschränke. „Es gibt derzeit keine Partei, die in der Lage wäre, politische Veränderungen in Deutschland durchzusetzen. Und wenn es keine gibt, dann muss man ... ja, lassen Sie sich mal überraschen, was wir so vorhaben“, sagte Pretzell auf die Frage, ob die Gründung einer neuen Partei geplant sei. „Wir sind dabei, wir führen eine ganze Menge Gespräche in diesen Tagen.“ Es werde aber noch „einige Wochen dauern“.

          Weiterhin sagte Pretzell: „Wir werden von vielen Leuten von außerhalb und auch innerhalb der AfD angesprochen. Wir werden uns jetzt erstmal bisschen Zeit nehmen, viele, viele Gespräche führen, und dann werden wir das machen, was wir uns für die Zukunft vorgenommen haben.“

          Am Mittwochmorgen hatte sich die Nachricht verbreitet, dass Petry mindestens bereits seit dem 3. Juli bei der deutschen Registrierungsstelle Denic die Webdomain www.dieblauen.de gesichert hat – also lange vor der Bundestagswahl. Die Domain ist unter derselben Adresse registriert, unter der Petry einst ein Patent für Reifenfüllstoffe beim Europäischen Patentamt angemeldet hatte.

          Pretzell und Petry hatten am Dienstag angekündigt, ihre Ämter niederzulegen und aus der AfD auszutreten. Petry hatte das mit der „Radikalisierung“ der Partei begründet. Kurz zuvor und keine 24 Stunden nach der Wahl hatte sie am Montagmorgen in der Bundespressekonferenz kundgetan, nicht der neuen AfD-Fraktion im Bundestag angehören zu wollen. Ihre Parteikollegen ließ sie verdutzt zurück – sie waren in ihre Pläne nicht eingeweiht worden.

          „Vielleicht in einer anderen Konstellation“

          Über ihre weitere Zukunft äußerte sich Petry bislang nur vage. Vor Journalisten sagte sie wörtlich: „Ich möchte als Einzelabgeordnete und vielleicht noch später in einer anderen Konstellation, über die es jetzt viel zu früh ist zu sprechen, selbstverständlich für einen Politikwechsel 2021 eintreten.“ Im MDR schloss sie aus, einer anderen etablierten Partei beizutreten.

          Ein Exodus aus der AfD ist bislang nicht sichtbar. Mit Petry verlassen in Sachsen lediglich zwei weitere AfD-Politiker die Fraktion: der Parlamentarische Geschäftsführer Uwe Wurlitzer und die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Kirsten Muster. Gemeinsam mit Pretzell kehrt überdies der Abgeordnete Alexander Langguth der AfD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag den Rücken. Unter den verbliebenen 93 AfD-Bundestagsabgeordneten fand sich bislang jedoch kein weiterer Abweichler.

          Die derzeitigen Ereignisse in Nordrhein-Westfalen und Sachsen erinnern an den Austritt des früheren Parteivorsitzenden Bernd Lucke. Er verließ die AfD im Juli 2015 im Streit mit Petry über den künftigen Kurs der Partei. Wenige Tage später gründete Lucke zusammen mit weiteren Abtrünnigen die neue Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa), die später in Liberal-Konservative Reformer umbenannt wurde. Allerdings spielt die Partei politisch praktisch keine Rolle, weswegen Beobachter einer möglichen weiteren Abspaltung von der AfD auch keine Überlebenschancen zumessen.

          „Die Blauen“ könnte auch der Name einer geplanten Parlamentariergruppe im neuen Bundestag werden, wenn es Petry doch noch gelingen sollte, dort Mitstreiter zu finden. Auf jeden Fall ist der Name politisch schon besetzt: Es ist ein gut eingeführter und weit verbreiteter Begriff für die rechtspopulistische FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs).

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