Inmitten andauernder Proteste hat in Ägypten die erste Parlamentswahl seit dem Sturz des Regimes von Präsident Husni Mubarak begonnen. Vor den Wahllokalen bildeten sich vor deren Öffnung am Montagmorgen lange Schlangen. Die Abstimmung ist ein Meilenstein in der Geschichte des Landes nach Jahrzehnten der Herrschaft von Mubarak. Ein gutes Abschneiden der Muslimbrüder und anderer islamistischer Parteien wird erwartet.
In der Hauptstadt Kairo warteten die Menschen lange vor Öffnung der Wahllokale auf Einlass. „Ich wähle die Freiheit. Wir haben in Sklaverei gelebt. Jetzt wollen wir Gerechtigkeit in Freiheit“, sagte eine 50-jährige Frau vor einem Wahllokal im Bezirk Maadi, einem Vorort von Kairo. „Wir haben Angst vor den Muslimbrüdern. Doch wir haben 30 Jahre lang unter Mubarak gelebt, also werden wir auch mit ihnen leben können“, fügte die Erstwählerin hinzu.
Im vornehmen Stadtviertel Samalek warteten 500 Wähler vor einem Wahllokal in einer Schule, darunter eine 45-jährige Frau mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter. „Ich habe nie gewählt, weil ich nicht sicher war, ob es echt ist“, sagte sie. „Dieses Mal hoffe ich, dass es das ist, aber ich bin nicht optimistisch. Das Wichtigste ist, ein liberales und zivilisiertes Land zu haben, keine Fanatiker“, erklärte sie unter Verweis auf die Islamisten, die hoffen, dass ihre Dominanz im nächsten Parlament sie ein Stück näher an die Verwirklichung ihres Traums bringt, ein islamisches Ägypten zu schaffen.
Die Vorbereitungen zur Parlamentswahl wurden von erneuten Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften auf dem Tahrir-Platz in Kairo überschattet. Mehr als 40 Menschen sind seit Beginn der jüngsten Unruhen am 19. November ums Leben gekommen.
Unerträgliche Gleichgültigkeit des Westens
Norbert Pütz (4nevergiveup)
- 28.11.2011, 16:20 Uhr