Die Rede Mubaraks, mit der er am Donnerstagabend die Massen auf dem Tahrir-Platz gegen sich aufbrachte, war vielleicht ein letztes Aufbäumen. Denn nun heißt es, der Präsident, den sie den „Pharao“ nannten, habe mit seiner Familie Kairo verlassen. Was das bedeutet, ist noch unklar. Es muss aber in der Militärführung Leute geben, die Mubarak nahelegen konnten, eine (Teil-)Abgabe von Macht sei den Versuch wert, die Wogen des Aufruhrs zu glätten. Gleichwohl wurden in Kairo wütende Proteste nach den Freitagsgebeten sogar vor den Präsidentenpalast getragen. Die Ära Mubarak ist in jedem Fall Geschichte.
Zum zweiten Mal hat die arabische Welt gezeigt, dass es demonstrierenden und weitgehend auch friedlichen Massen gelingen kann, einen bis vor kurzem noch als unangreifbar geltenden Machthaber zum Rückzug zu veranlassen — oder wenigstens in große Schwierigkeiten zu bringen. Nun soll Omar Suleiman, der erfahrene, 74 Jahre alte Chef der Geheimdienste, im Auftrag Mubaraks dafür sorgen, dass eine stabile Ordnung entsteht und zugesagte Reformen verwirklicht werden.
Manchen Ägyptern reicht der Rückzug Mubaraks aus
Viele der Demonstrierenden sind aber auch gegen Suleiman, den kompromittierten Repräsentanten des alten Systems. Sie fürchten, dass die alten Kräfte versuchen werden, ihre Besitzstände so weit wie möglich zu wahren und dies durch Scheinreformen bemänteln. Man darf aber nicht vergessen, dass es auch Ägypter gibt, denen ein weitgehender Rückzug Mubaraks schon ausreichte. Mit ihnen rechnen die Vertreter des „ancien régime“. Die andern, denen das nicht genug ist, werden auf dem Tahrir-Platz und anderswo ausharren. Denn die paternalistische Art, mit der Suleiman die Rückkehr zur Normalität forderte, erinnerte allzu sehr an das gewohnte Gebaren der Herrschenden.
Das sich abzeichnende politische Ende Husni Mubaraks ist nicht nur für Ägypten ein tiefer Einschnitt. Nicht ohne Grund haben sich Präsidenten und Potentaten in der Nachbarschaft für ein Verbleiben Mubaraks ausgesprochen oder Präsident Obama aufgefordert, ihn nicht offen aus dem Amt zu drängen. Denn manche fürchten nun auch um ihre Throne. Vielleicht wird die Geschichte einst in Obamas historischer Kairoer Rede einen Meilenstein auf dem Weg zum Wandel im Nahen Osten sehen. Obama und andere könnten jetzt als Ärzte helfen, die schwerste Krankheit in der Region zu heilen: die orientalische Despotie.