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Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare : Lückenhafte Erkenntnisse über das Kindeswohl

In den Koalitionsverhandlungen noch immer heftig umstritten: das volle Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare Bild: dapd

In den Koalitionsverhandlungen wird weiter über das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare gestritten. Die Erfahrungen mit der Vermittlung von Kindern zu gleichgeschlechtlichen Pflegeeltern in Frankfurt jedoch sind gut.

          Noch immer streiten Union und SPD in den Koalitionsverhandlungen darüber, ob gleichgeschlechtliche Paare das Recht erhalten sollen, Kinder zu adoptieren. Das Thema ist ein „ideologoischer Konflikt“, wie Andrea Nahles in der vergangenen Woche nach dem abrupten Ende einer Nachtsitzung der von Manuela Schwesig geführt Koalitionsarbeitsgruppe zur Familienpolitik sagte. Man könnte es auch eine Glaubensfrage nennen.

          Susanne Kusicke

          Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Die Union beruft sich in ihrer Ablehnung auf das Kindeswohl, hat aber kaum Argumente an der Hand, die eine Beeinträchtigung von Kindern in gleichgeschlechtlichen Familienkonstellationen eindeutig belegen. Ihr Unbehagen speist sich vor allem aus dem Gedanken, dass Kinder weibliche und männliche Orientierungsmuster brauchen, um sich psychisch ausgewogen entwickeln zu können. Zum anderen zögert man vermutlich auch, Kinder durch eine vollständige Adoption ohne weitere Kontrollmöglichkeiten zu zwei nicht-leiblichen, gleichgeschlechtlichen Elternteilen zu geben.

          Zweifel an empirischer Grundlage

          Die SPD argumentiert, das volle Adoptionsrecht für lesbische und schwule Paare sei im Sinne der Gleichberechtigung der Homosexuellen überfällig und werde durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ohnehin bald eingeführt. Und sie gibt an, es existiere keine Studie, die Nachteile für die Kinder nachweise.

          Diese Argumentation ist allerdings zweischneidig – oder vielmehr lückenhaft. Zwar bescheinigt die bisher einzige bundesweite Studie zu diesem Thema Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sogar mehr Sozialkompetenz und Selbstwertgefühl als Kindern in anderen Familienkonstellationen. Die empirische Grundlage dieser 2009 im Auftrag des Bundesjustizministeriums erstellten Studie wurde jedoch zwei Jahre später vernichtend kritisiert – in einer Stellungnahme für das Bundesverfassungsgericht, das sich damals mit der Sukzessivadoption befasste, also der Adoption eines zuvor schon von einem der Lebenspartner adoptierten Kindes.

          Darin schreibt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (dgkjp), Frank Häßler: „Die Studie lässt gar keine generalisierbaren Aussagen über männliche, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu, da diese nur 7,3 Prozent ausmachten.“

          „Überwiegende Fremdangaben“ über die Kinder

          Kontaktiert worden seien für die von der Soziologin Marina Rupp an der Universität Bamberg erstellte Studie „Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften“ 13.000 Paare. 1059 Eltern seien zu einem Telefoninterview bereit gewesen. 688 der Befragten lebten in eingetragenen Lebenspartnerschaften, darunter 63 Väter. 95 Kinder seien psychologisch untersucht worden; über die Entwicklung der darüber hinaus in der Studie angeführten Kinder wurden die Eltern befragt.

          In Häßlers Stellungnahme heißt es dazu: „Die Studie lässt aufgrund der überwiegenden Fremdangaben keine Rückschlüsse auf die subjektiven Wahrnehmungen, Erfahrungen und Störungen der Kinder zu, denn valide Entwicklungsaussagen bedürfen einer Zweipunktmessung bzw. einer gematschten Kontrollgruppe. Die Studie ist für Argumente für vs. gegen die sukzessve Adoption bei Lebenspartnerschaften untauglich. (...) Kindeswohlaspekte sind auch in der vorliegenden zitierten Studie nicht aussagefähig untersucht worden, schon gar nicht bezüglich männlicher Lebenspartnerschaften.“

          Mehr Substanzmissbrauch, mehr soziale Störungen

          Und Häßler, der an der Universitätsklinik in Rostock die Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter leitet, ging noch einen Schritt weiter: Er machte auf Studien im angelsächsischen Raum aus den Jahren 2009 und 2011 aufmerksam, die festgestellt hätten, „dass homosexuelle Eltern mehr gleichgeschlechtlich orientierte Kinder haben“. Die Rede ist von einem „transgenerationalen Effekt“. Kinder, die mit schwulen Vätern zusammenleben, hätten außerdem „mehr soziale und mehr emotionale Störungen“ und wiesen einen „häufigeren Substanzmissbrauch“ auf.

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