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Abschied vom Altkanzler : Helmut Kohls letzte Reise

Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt Abschied von Helmut Kohl. Bild: dpa

Europa nimmt Abschied von Helmut Kohl. Trauerfeiern in Straßburg und Speyer und der Weg auf dem Rhein erinnern an den großen Staatsmann.

          Die letzte Reise Helmut Kohls begann früh am Samstagmorgen um Viertel vor sieben. Der Sarg mit dem Leichnam des verstorbenen Bundeskanzlers wurde in seinem Wohnhaus in Oggersheim abgeholt. Es gab zudem die Möglichkeit, Kränze und Blumen vor Kohls Haus zu legen. Seine Witwe Maike Kohl-Richter kontrollierte streng den Zugang; nicht einmal Kohls Sohn Walter kam hinein.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Moritz Eichhorn

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es war ein klares Zeichen gegenüber der Familie wie der Öffentlichkeit: Die Witwe beanspruchte die Hoheit über das Gedenken an ihren Ehemann – ob und inwieweit das dessen letzten Wünschen entsprach, blieb Gegenstand von Spekulationen. Schon in den ersten Telefonaten mit Kommissionspräsident Juncker und Bundeskanzlerin Merkel, als beide ihre Trauer bekundeten, hatte Maike Kohl-Richter die Richtung vorgegeben.

          Es sei der ausdrückliche Wunsch ihres Mannes, nicht mit einem deutschen, sondern mit einem europäischen Trauerakt geehrt zu werden, so wurde es wiedergegeben. Bundespräsident Steinmeier setzte daraufhin keinen Staatsakt an. Das Bundesinnenministerium teilte kurz und knapp mit: „Auf Wunsch der Witwe des Verstorbenen wird es keinen zusätzlichen nationalen Staatsakt geben.“ Stattdessen ein nationales Trauerzeremoniell in Speyer.

          Den deutschen Staatsakt mit dem europäischen verbinden

          Und doch war es nicht so, dass Deutschland die Hoheit über den Trauerakt einfach in europäische Hände legte. Sämtliche Planungen für Straßburg wurden mit dem deutschen Protokoll abgestimmt. Die zuständige Abteilung des Innenministeriums wuchs von 13 auf mehr als fünfzig Beamte an, die auch in Straßburg mitwirken. Intern wurde der Arbeitsauftrag so beschrieben: Es gehe darum, den deutschen Staatsakt im europäischen „aufgehen“ zu lassen. Also etwas Neues schaffen und dabei an Bewährtes anknüpfen. Das schlug sich nieder in der Liste der geladenen Gäste, bei den Rednern, in der Symbolik dieses Tages.

          Begleitet von der Bundespolizei wurde der Sarg mit Kohls Leichnam in die elsässische Metropole gefahren, etwa 140 Kilometer. Er überquerte den Rhein und wurde dann ins Europäische Parlament gebracht und in einem Trauerraum aufgebahrt. Sieben Soldaten des Eurokorps hielten dort Ehrenwache, während geladene Gäste persönlich Abschied nahmen. Zum Eurokorps hatte Kohl eine besondere Beziehung. Gemeinsam mit dem französischen Präsidenten François Mitterrand hatte er es 1992 begründet: als Hauptquartier und Keimzelle einer größeren europäischen Truppe. Heute gehören zum Eurokorps tausend Soldaten, die schon in Afghanistan, auf dem Balkan und in Mali im Einsatz waren.

          Den Sarg bedeckt die Flagge Europas

          In den Plenarsaal wurde der Sarg dann von Soldaten des Wachbataillons der Bundeswehr gebracht, begleitet von der Totenwache des Eurokorps. Der Sarg, bedeckt mit dem europäischen Sternenbanner, wurde vor einem Bild des Altkanzlers aufgebahrt, das ihn verschmitzt und altersmilde lächelnd zeigte. Daneben wurde jene Medaille gezeigt, die Kohl kurz nach dem Ende seiner Kanzlerschaft verliehen worden war: Ehrenbürger Europas, der zweite erst nach dem Gründervater Jean Monnet. Das war die tiefere Begründung für diesen präzedenzlosen Trauerakt.

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