16.06.2010 · Zwei Wochen nach seinem überraschenden Rücktritt ist Bundespräsident a.D. Horst Köhler am Abend mit einem Großen Zapfenstreich der Bundeswehr verabschiedet worden. Die Zeremonie ist die höchste Form militärischer Ehrerweisung durch deutsche Soldaten.
Der bisherige Bundespräsident Horst Köhler hat bei seiner offiziellen Verabschiedung am Dienstagabend seinen überraschenden Rücktritt verteidigt. „Ich habe die Entscheidung getroffen, die ich für richtig hielt und weiterhin halte“, sagte er bei einem Empfang im Schloss Bellevue. „Zu den Gründen meines Rücktritts habe ich mich bereits öffentlich geäußert. Dem ist von mir nichts hinzuzufügen.“ Köhler sagte weiter: „Respekt und Wahrhaftigkeit sollen in der politischen Kultur unseres Landes einen festen Platz behalten... Es war mir eine Ehre, Deutschland zu dienen.“
Am Dienstagabend wurde Köhler von der Bundeswehr mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet. An der Zeremonie im Park des Berliner Schlosses Bellevue nahmen unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Guido Westerwelle und Bundestagspräsident Norbert Lammert teil. Auch Köhlers Ehefrau Eva Luise und seine beiden Kinder Ulrike und Jochen waren zugegen.
Neben Köhler standen während der Zeremonie Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker. Der Große Zapfenstreich begann um 22.00 Uhr mit dem Einmarsch der Formation zu den Klängen des Yorck'schen Marsches.
Zum Abschied: der „St. Louis Blues“
Der Große Zapfenstreich ist die höchste Form militärischer Ehrerweisung durch deutsche Soldaten. Die Zeremonie besteht aus dem „Locken“ der Spielleute, dem Auftritt des Musikkorps und der berittenen Truppen, einem Gebet und dem Abspielen der Nationalhymne. Auch Köhlers Vorgänger im Amt des Bundespräsidenten, Johannes Rau, war vor sechs Jahren mit dem militärischen Zeremoniell verabschiedet worden.
Auf Wunsch Köhlers spielte das Musikkorps den „Marsch der Elisabether“ von Johann Strauß, einen historischen Marsch aus der Zeit Friedrich des Großen sowie den „St. Louis Blues“ von William Handy. Reden oder Grußworte werden beim Großen Zapfenstreich traditionell nicht gehalten. Abgeschlossen wurde er mit der Nationalhymne. Köhler war sichtlich bewegt.
Schon am Morgen hatte sich der ehemalige Präsident bei den Mitarbeitern für die „wunderbare Unterstützung“ bedankt, die ihm in sechs Jahren zuteil geworden sei. Anschließend gab es noch ein Gruppenfoto. Den Mitarbeitern, deren Arbeitsverträge an ihn persönlich gebunden waren, machte Köhler mit den Worten Mut, er hoffe für alle auf eine „gute Lösung“. Zudem bekam jeder noch ein Bild des ehemaligen Chefs, auf dem der eigene Name eingraviert ist.
Der 67-Jährige war Ende Mai wegen der Kritik an seinen Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr zurückgetreten. Um die eigene Zukunft muss sich der neunte Bundespräsident keine großen Sorgen machen. Köhler bekommt das gleiche Gehalt wie bisher. Derzeit sind das 199.000 Euro pro Jahr als „Ehrensold“. Zudem hat er das Recht auf ein eigenes Büro, Dienstwagen, Büroleiter und persönliche Sekretärin. Die Dienstvilla muss er räumen. Die Köhlers haben aber noch eine Privatwohnung in Charlottenburg.
Umfrage: Deutsche für Gauck als Bundespräsident
Der Nachfolger Köhlers wird am 30. Juni durch die Bundesversammlung gewählt. Schwarz-Gelb hat dafür den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) aufgestellt. SPD und Grüne schicken den ehemaligen Stasi-Beauftragten Joachim Gauck ins Rennen. Für die Linkspartei kandidiert die Journalistin Luc Jochimsen. Die NPD hat den Liedermacher Frank Rennicke nominiert.
Nach einer Umfrage favorisieren die Deutschen weiter Joachim Gauck als neuen Bundespräsidenten. Könnten sie das Staatsoberhaupt direkt wählen, würden sich nach einem am Dienstag veröffentlichten ARD-„Deutschlandtrend“-Extra 43 Prozent für Gauck entscheiden. Dies sind drei Punkte mehr im Vergleich zur Vorwoche. 37 Prozent würden den Kandidaten von Schwarz- Gelb, Niedersachsens Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU), wählen (+ 6). Nur 2 Prozent bekäme die Kandidatin der Linkspartei, Luc Jochimsen (-1).