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Veröffentlicht: 18.06.2012, 20:02 Uhr

Abgeschrieben Plagiatsvorwurf gegen Rumäniens Ministerpräsident

Nach Recherchen der F.A.Z. sind große Teile der Dissertation Victor Pontas abgeschrieben. Betreut wurde seine Arbeit von keinem Geringeren als dem damaligen Ministerpräsidenten Adrian Nastase.

von , Bukarest
© AFP Victor Ponta

Der rumänische Ministerpräsident Victor Ponta steht unter dem Verdacht, weite Teile seiner 2003 an der Universität Bukarest eingereichten und ein Jahr später publizierten rechtswissenschaftlichen Dissertation abgeschrieben zu haben. Nach Karl-Theodor zu Guttenberg, der im März vorigen Jahres als deutscher Verteidigungsminister ausschied, und Pál Schmitt, der im April als ungarischer Präsident zurücktrat, ist Ponta der dritte ranghohe Politiker in der EU, der von einer Plagiatsaffaire erfasst wird.

Ein Vergleich der Texte, die der F.A.Z. im Faksimile vorliegen, ergibt, dass ganze Abschnitte von Pontas Dissertation über den Internationalen Strafgerichtshof („Curtea Penal Internaional, 2003, Tez de doctorat) aus unterschiedlichen Quellen nahezu wortwörtlich übernommen wurden. Die Plagiate erstrecken sich über etwa 130 von rund 300 Seiten – das Inhalts- und das Literaturverzeichnis sowie das wohlwollende Vorwort seines Dissertationsvaters nicht mitgerechnet. Unter anderem nutzte Ponta ausführlich ein Buch des Rechtswissenschaftlers Dumitru Diaconu, das 1999 im Bukarester Verlag „Editura All Beck“ unter dem Titel „Curtea Penal Internaional, Istorie i realitate“ (Der Internationale Strafgerichtshof. Geschichte und Realität) erschienen ist. Er fügte aber auch andere nicht gekennzeichnete Textelemente ein, auf den Seiten 78-79 etwa einen langen Auszug aus einem Artikel, der am 23. Juli 1998 in der Tageszeitung „Romania libera“ erschienen war.

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Betreut wurde die „eigenständige wissenschaftliche Arbeit“ Victor Pontas von keinem Geringeren als dem damaligen Ministerpräsidenten. Es war Adrian Nastase, Professor an der rechtswissenschaftlichen Fakultät, der zur Zeit unter der Anklage der Korruption vor Gericht steht. Der 1972 geborene Ponta, der von 1995 bis 2001 als Staatsanwalt tätig war, war 2002 der sozialdemokratischen PSD beigetreten. Er gehörte zwischen 2001 und 2004 der Regierung Nastase als Staatssekretär an und leitete von 2002 bis 2006 auch die Jugendorganisation der PSD. Seit Februar 2010 ist er Parteivorsitzender der PSD, nach dem Sturz der konservativen Regierung Ungureanu ernannte ihn Präsident Traian Basescu am 27. April zum Ministerpräsidenten.

In dieser Funktion scheiterte er zweimal bei der Besetzung des Postens des Unterrichtsministers, und in beiden Fällen wegen Plagiatsaffären. Seine erste Wahl war Carina Dumitrescu, die Rektorin der privaten Dimitrie-Cantemir-Universität, an der auch Nastase unterrichtet, die zweite der PSD-Senator Ion Mang. Während bei Dumitrescu noch andere Skandale zum Vorschein traten, scheiterte Mang ausschließlich daran, dass er wissenschaftliche Arbeiten anderer als seine eigenen ausgegeben hatte. Auffällig an dem Krisenmanagement des jungen Ministerpräsidenten war, dass er sich bei der Entlassung Mangs viel Zeit lies.

Und noch ein Umstand verdient Aufmerksamkeit. Der von Ponta danach interimistisch eingesetzte Unterrichtsminister Liviu Pop wechselte überraschend die Mitglieder der Ethik-Kommission aus, die für die Überprüfung von Plagiatsvorwürfen herangezogen wird. Noch nie zuvor waren die auf vier Jahre bestellten Mitglieder dieser Kommission vorzeitig entlassen worden. Im Zuge der Unterrichtsreform hatte die konservative Regierung Boc sehr strenge Regeln zur Verfolgung und Ahndung von Plagiaten durchgesetzt: gegen den heftigen Widerstand der damals noch oppositionellen PSD.

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Von Thomas Gutschker

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