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Drahtzieher der Anschläge : Bundespolizei ließ Abaaoud in Türkei reisen

  • Aktualisiert am

Abdelhamid Abaaoud wurde bei dem Polizeieinsatz in Saint-Denis getötet Bild: dpa

Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris, Abdelhamid Abaaoud, war 2014 in Deutschland. Er reiste über den Flughafen Köln/Bonn in die Türkei.

          Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris, Abdelhamid Abaaoud, war mindestens ein Mal in Deutschland. Er sei am 20. Januar vergangenen Jahres am Flughafen Köln/Bonn von der Bundespolizei kontrolliert worden, sagte am Donnerstag ein Sprecher des Präsidiums der Behörde in Potsdam. „Es gab keinen Hinweis an die Bundespolizei, dass wir die Reise untersagen oder ihn festnehmen sollten“, fügte er hinzu.

          Als belgischer Staatsbürger habe für Abaaoud die Freizügigkeit im europäischen Reiseverkehr gegolten. Den Angaben zufolge gab Abaaoud bei der Kontrolle an, nach Istanbul weiterreisen zu wollen. Über eine Rückkehr nach Deutschland sei nichts bekannt, sagte der Sprecher. Darüber hinaus war zu erfahren, dass Abaaoud aber im Netz-Verbund der Schengen-Staaten verzeichnet war und es gemeldet werden sollte, wenn er irgendwo kontrolliert wurde.

          An diesem Donnerstag hatte die französische Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass Abaaoud tot ist. Er sei bei der Razzia im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Ein in der gestürmten Wohnung gefundener Leichnam sei als der des belgischen Islamisten identifiziert worden, so die Staatsanwaltschaft weiter. Es sei unklar, ob sich Abaaoud selbst in die Luft gesprengt hat oder nicht.

          Valls lobte Geheimdienste und Polizei

          Frankreichs Premierminister Manuel Valls lobte Geheimdienste und Polizei für ihre Arbeit. Damit sei „einer der Drahtzieher“ der Anschläge tot. „Wir wissen heute, dass Abaaoud, das Gehirn dieser Anschläge - eines der Gehirne, denn wir müssen besonders vorsichtig sein und kennen die Bedrohungen - sich unter den Toten befand“, sagte Valls am Donnerstag in der Nationalversammlung.

          Die Identität der Frau, die sich bei der Razzia in die Luft gesprengt hat, ist weiterhin unklar. Englische Zeitungen berichten unter Berufung auf französische Medien, bei der Frau handele es sich um die 26 Jahre alte Hasna Ait Boulahcen. Weiterhin wird gemutmaßt, sie könne die Cousine des bei der Razzia getöteten Abaaoud sein. Den Berichten zufolge, soll Boulahcen zwar in Paris geboren sein, jedoch marokkanische Wurzeln haben und in ihrer Jugend ein lebhaftes Mädchen gewesen sein.

          Die „Washington Post“ hatte schon am Mittwochabend unter Berufung auf Geheimdienstkreise gemeldet, dass Abaaoud bei der Razzia getötet worden sei. Französische Spezialkräfte hatten am Mittwochmorgen bei dem dramatischen, siebenstündigen Zugriff in dem nördlichen Pariser Vorort acht Menschen festgenommen. Zwei mutmaßliche Terroristen starben.

          Tod wurde zunächst nicht bestätigt

          Der für Terrorismus zuständige oberste Staatsanwalt, François Molins, hatte den Tod Abaaouds zunächst nicht  bestätigt und lediglich gesagt, dass sich der mutmaßliche Drahtzieher der Terroranschläge von Paris nicht unter den  Festgenommenen befinde. Danach sagte er, Auslöser des Einsatzes sei ein Hinweis gewesen, demzufolge sich Abaaoud in Saint-Denis aufhalten sollte.

          Der meistgesuchte Islamist Belgiens, der für den IS in Syrien gekämpft haben soll, hat marokkanische Wurzeln. Er lebte früher in der Brüsseler Islamistenhochburg Molenbeek. Die Polizei hatte die Spur zu dem Mann, der in Belgien im Juli in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, zunächst verloren. Sein Mobiltelefon war noch einmal in Griechenland geortet worden. Abaaoud soll in den Jahren 2010 und 2011 zusammen mit Salah Abdeslam diverse Straftaten in Brüssel begangen haben. Der Name Abaaoud taucht auch in verschiedenen anderen terroristischen Zusammenhängen auf, etwa dem Anschlag im Thalys-Zug im August und dem vereitelten Angriff auf die Kirche von Villejuif.

          Der Leiter der europäischen Polizeibehörde Europol, Rob Wainwright, forderte die EU-Staaten unterdessen dazu auf, mehr Informationen über Terrorverdächtige auszutauschen. Europa sehe sich der stärksten Bedrohung „der vergangenen zehn Jahre“ gegenüber, sagte Wainwright vor dem Innenausschuss des Europaparlaments am Donnerstag. Weitere Anschläge seien „wahrscheinlich“. Angesichts von „enorm vielen Verdächtigen in vielen Ländern“ benötige die EU „ein echtes System für den Austausch von Informationen und Ermittlungsergebnissen“. Nur so könnten weitere Anschläge verhindert werden. Bei den Anschlägen am vergangenen Freitag waren in Paris 129 Menschen getötet und mehr als 350 verletzt worden.

          Videografik : Anti-Terror-Großeinsatz in Saint-Denis

          Quelle: lohe./oge./jutr./pca./dpa/Reuters

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