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11. September : Tausend Gutachten später

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Flugzeugkörper verursachten kaum Schaden

Simulation und Visualisierung liegen in ihren Forschungstraditionen eigentlich weit auseinander. Die eine stellt ihre Studienobjekte üblicherweise als Puzzle aus sogenannten finiten Elementen dar, das zur Erzeugung künstlicher Bilder selten brauchbar ist. Die Wissenschaftler mußten also erst Programme für eine Umsetzung der Daten schreiben, um schließlich die handelsübliche Bildsoftware 3DS Max damit zu füttern. Was auf den Bildern zu erkennen ist, erstaunt. Bei der offiziell abgeschätzten Geschwindigkeit von 850 Kilometern pro Stunde etwa verursacht der Flugzeugkörper selbst kaum nennenswerte Effekte. „Der ist mehr wie eine dünne Haut“, erläutert Mete Sozen, „jedenfalls zerkrümelt er gleich beim Einschlag.“ Erst die Masse dessen, was an Bord ist, zerstört den Bau, allem voran das Benzin in den Tanks.

„Das ist, als würde ein gewaltiger Fluß in das Gebäude donnern.“ Sogar die Triebwerke, denen nach Flugzeug-Crashtests einmal die größte Einschlagwirkung aller Flugzeugteile zugeschrieben wurde, erreichen hier nicht soviel Zerstörungskraft. Im Fall des Pentagons riß auch wohl eine der beiden Turbinen auf Flughöhe Null knapp vor dem Eindringen ins Gebäude ab. Um die Einzelheiten des Geschehens in Washington kann sich aber kaum eine ähnliche Debatte entspinnen, wie sie inzwischen im Fall des World Trade Center läuft. Das Pentagon wurde 1943 eingeweiht, seine vergleichsweise niedrige Traufhöhe und die konventionelle Bauweise in stahlverstärktem Beton bringen niemanden auf die Idee, nach der Terrorattacke müßten nun weltweit Bauvorschriften geändert werden.

Hergang der Katastrophe erarbeitet

Das sieht beim World Trade Center anders aus. Geplant und gebaut wurde es in den aufwärtsstrebenden sechziger Jahren. Mit je 110 Stockwerken waren die beiden Türme einige Jahre lang das höchste Bauwerk der Welt, sie setzten Zeichen in vieler Hinsicht, auch für den Fortschritt der Technik. Für jeden Turm steckten die Konstrukteure quasi zwei Röhren ineinander und verwoben sie im Inneren. Da standen also in der Mitte das Stahlskelett des Kerns, der Fahrstühle und Installationen aufnahm, und außen die Fassade, ein dichtes Gitter von Stahlträgern. Das Gewebe zwischen diesen beiden Komponenten waren (unter den Stockwerksböden aus Beton) die stählernen Fachwerkträger, die mit Bolzen an Fassade und Kern befestigt waren und zum Teil 18 Meter ohne Stütze überspannten.

Als Folge des Fema-Berichts kam im Oktober 2002 ein Gesetz heraus, das der amerikanischen Normenbehörde Nist (National Institute of Standards and Technology) die Verantwortung für Einsturzanalysen dieser Größenordnung übertrug. Das Nist (http://wtc.nist.gov) gab dann nach Informationen der „New York Times“ 16 Millionen Dollar für Analysen des WTC aus. Die Experten bauten Bürotrakte nach, untersuchten die Reaktion der Stahlträger auf den Einschlag mit Hochgeschwindigkeits-Rammen, veranstalteten Brandversuche und simulierten am Computer Lasttests für einzelne Teile der Baukonstruktion. Insgesamt werden die Berichtsdokumente auf mehr als 10.000 Seiten anwachsen; manche Teile, etwa jener, der das WTC 7 betrifft, ist noch in Arbeit. Für die Türme WTC 1 und WTC 2 legte das Nist die entscheidenden Berichte Ende Juni 2005 vor und gab auswärtigen Experten anschließend sechs Wochen Zeit für Kommentare. Dann wurden die Berichte ein wenig ergänzt und veröffentlicht. Insgesamt zeichnen sie ein konsistentes Bild vom Hergang der Katastrophe.

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