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Gedenkstunde im Bundestag : Biermann greift „Linke“ frontal an

  • Aktualisiert am

Immer eigen: Auftritt Wolf Biermanns am 8. November im Berliner Ensemble Bild: AFP

In der Gedenkstunde im Bundestag zum Fall der Mauer vor 25 Jahren hat der eingeladene Liedermacher Wolf Biermann die Abgeordneten der Linkspartei scharf attackiert: Sie seien „der elende Rest dessen, was zum Glück überwunden ist“.

          Scharfer Wortwechsel in der Feierstunde: Der Liedermacher Wolf Biermann hat die Linkspartei in der Gedenksitzung des Bundestages zum Fall der Mauer vor 25 Jahren frontal angegriffen. Die Linke sei „der elende Rest dessen, was zum Glück überwunden ist“, sagte Biermann am Freitag im Reichstag.

          Mit Verweis auf seine Bezeichnung als „Drachentöter“ sagte der Liedermacher, er könne „nicht die Reste der Drachenbrut“ niederschlagen, „die sind geschlagen“. Es sei „Strafe genug“ für die Linken, „dass sie hier sitzen müssen und sich das anhören müssen“. Auf den Einwurf von Abgeordneten der Linksfraktion, sie seien gewählt worden, erwiderte Biermann, eine Wahl sei doch „kein Gottesurteil“. Die Linke sei in Wahrheit „reaktionär“.

          Im Anschluss an den Schlagabtausch trug Biermann sein Lied „Ermutigung“ vor, das vor allem bei den Oppositionellen in der damaligen DDR populär war. Biermann selbst nannte es „ein Stück Seelenbrot“ insbesondere für die Insassen von DDR-Gefängnissen: „Ich weiß, dass manche, die im Gefängnis saßen, nur mit diesem Lied in der Zelle überlebt haben“.

          Der Auftritt Biermanns war in den Reihen der Linken schon zuvor umstritten. Die Fraktion fühlte sich bei der Festlegung des Programms für die Gedenkstunde übergangen und hatte verlangt, dass Biermann seinen Auftritt nicht für Parteienkritik nutzt. Biermann war 1976 wegen kritischer Gedichte und Lieder aus der DDR ausgebürgert worden.

          Er ahne, dass er mit seinem Auftritt „den Linken ein paar Ohrfeigen verpassen“ solle, erklärte Biermann. „Aber das kann ich ja nicht liefern, mein Beruf war doch Drachentöter.“ Daraufhin entgegnete Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU): Er könne mit der Geschäftsordnung des Bundestags aushelfen. Als gewählter Abgeordneter dürfte Biermann vor dem Plenum reden, „heute sind Sie zum Singen eingeladen.“ Biermann entgegnete: „Das Reden habe ich mir in der DDR nicht abgewöhnt und werde das hier schon gar nicht tun.“

          Lammert: Mauerfall ist Glücksfall der Geschichte

          Lammert bezeichnete den Fall der Mauer als einen Glücksfall der deutschen Geschichte. Innerhalb weniger Monate habe sich auch die politische Landschaft Europas grundlegend neu gestaltet, betonte Lammert. Ohne die Bürgerrechtsbewegung, die daraus entstandenen Volksbewegungen und ohne die friedlichen Massendemonstrationen wie etwa in Leipzig hätte es den 9. November 1989 nicht gegeben. „Ein Wunder war der Mauerfall aber nicht, sondern die Folge einer nicht nur in der deutschen Geschichte beispiellosen friedlichen Revolution.“

          Allerdings folge ein „glücklicher Ausgang“ einer Revolution keiner Regel und schon gar keinem Terminkalender, erklärte Lammert mit Blick auf die Unruhen in der Ukraine. Abgeordnete schilderten aus persönlicher Sicht, wie sie den 9. November vor 25 Jahren erlebt haben.

          Linksfraktionschef Gregor Gysi beklagte schwere Versäumnisse bei der deutsch-deutschen Wiedervereinigung. Große Probleme seien dadurch entstanden, dass die DDR nach dem Mauerfall der Bundesrepublik beigetreten sei und es keine echte Vereinigung der beiden deutschen Staaten gegeben habe, sagte Gysi.In der DDR habe eine Diktatur und grobes Unrecht geherrscht, sagte Gysi. Er blieb damit bei seiner Haltung, die DDR nicht pauschal als Unrechtstaat zu bezeichnen.

          Im Anschluss an seinen Auftritt hörte Biermann auch der Rede des Fraktionsvorsitzenden der Linken, Gregor Gysi, zu
          Im Anschluss an seinen Auftritt hörte Biermann auch der Rede des Fraktionsvorsitzenden der Linken, Gregor Gysi, zu : Bild: Reuters

          Gysi sagte weiter, hätte die Bundesrepublik Errungenschaften der DDR wie etwa die Polikliniken übernommen, hätte dies das Selbstbewusstsein der Ostdeutschen gestärkt und den Westdeutschen das Gefühl einer Qualitätssteigerung gegeben. Es sei aber nicht nur die DDR verschwunden, „sondern auch die alte BRD“. Diese sei sozialer gewesen und hätte niemals Krieg geführt, sagte Gysi. Er ging in seiner Rede nicht auf die scharfen Angriffe Biermanns ein.

          Quelle: gif./dpa/epd/AFP

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