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25 Jahre Mauerfall : „Wollen wir nicht erst mal miteinander anstoßen?“

Aus gutem Grund gelaunt: Willy Brandt und der Westberliner SPD-Politiker Dietrich Stobbe am Grenzübergang Invalidenstraße am Abend des 10. November 1989 Bild: Barbara Klemm

Am Tag nach der Öffnung der Mauer bekommen die ostdeutschen Sozialdemokraten hohen Besuch. Willy Brandt und Hans-Jochen Vogel wollen mit ihnen über das weitere Vorgehen beraten. FAZ.NET dokumentiert das denkwürdige Treffen.

          Am 10. November 1989 war es gewesen. Einen Tag nach der Öffnung, mithin dem Fall der Mauer in Berlin. „Hast du heute Abend noch was vor?“, hat Hans-Jochen Vogel, der SPD-Vorsitzende, seinen Vorgänger Willy Brandt gefragt, als im Westen der Stadt am frühen Abend eine Kundgebung am Schöneberger Rathaus beendet war. Brandt hatte. Eine Gruppe machte sich auf. Ihr Ziel: das Hotel „Christliches Hospiz“ in der Albrechtstraße, Ost-Berlin, das heute „Albrechtshof“ heißt. Freitag Abend also ein Kennenlernen der westdeutschen SPD-Führung mit ostdeutschen Sozialdemokraten.

          Günter Bannas

          Leiter der politischen Redaktion in Berlin.

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          Hans-Jochen Vogel: Wir müssen um Entschuldigung bitten, dass das so lange gedauert hat. Aber die Kundgebung war viel länger, als man das erwartet hat. Und dann hat’s auch an der Grenze ein bisschen gedauert, obwohl wir sind, glaube ich, ganz überwältigt davon, was man jetzt an diesem Grenzübergang erlebt hat. Das ist wie eine Völkerwanderung. Die Menschen fröhlich, und den Willy haben sie erkannt und ihm zugerufen, und „Wir kommen aber wieder!“ haben sie gerufen. Es war nicht ganz klar, ob sie das in der Richtung oder in der Richtung gesagt haben. Und wir haben gedacht, der Tag, an dem dies alles passiert ist, der wär einfach nicht vollständig und nicht abzuschließen, wenn wir nicht zu euch kämen.

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          Gesprächspartner der beiden Bonner SPD-Größen sind ihnen persönlich nicht bekannte ostdeutsche Sozialdemokraten, die sich in den Tagen davor in Schwante unter dem Namen SDP gegründet hatten. Ibrahim Böhme ist ihr Geschäftsführer und in dem etwa achtzig Minuten langen Gespräch ihr Wortführer. Drei Pfarrer an seiner Seite. Peter Hilsberg - als Vertreter seines Sohnes Stephan Hilsberg, der als „Sprecher“ der SDP einen anderen Termin hatte, Hans Simon von der Zionskirchgemeinde und Martin Gutzeit, der ein halbes Jahr in die Volkskammer gewählt wurde. Mit dabei auch der frühere Regierende Bürgermeister West-Berlins, Dietrich Stobbe, der Berliner Bundestagsabgeordnete Gert Weisskirchen, der über Jahre hinweg Kontakte zur DDR-Opposition gepflegt hatte. Dazu noch Mitarbeiter und Vertraute. Anwesend auch: ein Fernsehteam des ZDF und die F.A.Z.-Fotografin Barbara Klemm.

          Zum Kennenlernen über die Grenze: Hans-Jochen Vogel, Willy Brandt, der später enttarnte Stasi-Spitzel Ibrahim Böhme und Martin Gutzeit (v.l.) am 10.November 1989 im Ost-Berliner Hotel Albrechtshof
          Zum Kennenlernen über die Grenze: Hans-Jochen Vogel, Willy Brandt, der später enttarnte Stasi-Spitzel Ibrahim Böhme und Martin Gutzeit (v.l.) am 10.November 1989 im Ost-Berliner Hotel Albrechtshof : Bild: Barbara Klemm

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          Ibrahim Böhme: Wenn ich das sagen darf: lieber Genosse Brandt! Ich darf sagen, wir sind uns in unserer Partei noch nicht so einig über die Anrede und die Symbole, und ich hoffe, wir werden uns viel Zeit lassen, das zu diskutieren. Ich möchte sagen, lieber Genosse Brandt, dass du’s auf dich genommen hast, hier rüberzukommen, herzlichen Dank von allen Sozialdemokraten der DDR und von vielen Freunden in anderen politischen Bewegungsformen.

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          Böhme, der später als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der DDR-Staatssicherheit enttarnt wurde, spricht den ganzen Abend über nicht bloß für die ostdeutschen Sozialdemokraten, sondern auch für andere Oppositionelle der DDR. Brandt soll, wie übermittelt ist, dem neuen Genossen einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter gegeben haben.

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          Willy Brandt: Also, was die Anrede angeht: Ich finde, Freunde zu sein und sich auch so anzureden ist nicht weniger, als den traditionellen Begriff „Genosse“ zu verwenden. Ich hab eigentlich in meinen Parteitagsreden in aller Regel die Anrede „Freunde“ - ich hab ein bisschen Probleme mit Feministinnen auch ...

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