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RB Leipzig : Der Störenfried aus dem Osten

RB Leipzig musste aber aus Marketinggründen RB Leipzig heißen - und das Emblem des Klubs sieht dem Markenlogo zum Verwechseln ähnlich. Red Bull hat mittlerweile mehrere hundert Millionen Euro in sein Projekt gesteckt. Der Klub gehört nach seinen Aufstiegen aus der fünften Klasse mittlerweile zur Spitzengruppe der zweiten Liga. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass am Ende dieser Jubiläums-Wiedervereinigungssaison wieder ein Klub aus dem Osten in der Bundesliga mitspielen darf.

„Leipzig wird das Aushängeschild des Ostens.“

„Man mag über den Verein denken, wie man will. Aber Red Bull hat dieser Region, was den Sport angeht, wieder Leben eingehaucht“, sagte Perry Bräutigam, der frühere DDR-Auswahltorhüter und aktuelle Torwarttrainer von RB Leipzig, schon kurz nach dem Aufstieg in die zweite Liga. „Leipzig wird das Aushängeschild des Ostens.“ Seit der Klub der Bundesliga immer näher kommt, steigert sich der bundesweite Protest in den Stadien gegen den Störenfried aus dem Osten.

Weil die Mitglieder bei RB Leipzig nicht mitbestimmen können und der Klub weit mehr Geld als die Konkurrenz in Spieler und Infrastruktur investiert, machen viele Fans am Konzernklub ihren Ärger über die Kommerzialisierung des Fußballs fest. Die Fans in Leipzig dagegen haben sich mit der Entwicklung längst arrangiert, sogar angefreundet.

Die Wunden, die der langjährige Niedergang hinterlassen hat, sind im Osten aber längst nicht verheilt. Auch nicht in Leipzig. Nach der Wende machten sich nach dem sportlichen Ausverkauf die Glücksritter aus dem Westen über die Klubs her, dann kamen vielerorts hausgemachte Fehler hinzu. Alle großen Vereine der einstigen DDR-Oberliga wurden deklassiert.

Die Ostklubs rutschen in die Drittklassigkeit

Der frühere Europapokalsieger 1. FC Magdeburg, aus dem Jürgen Sparwasser hervorgegangen war, der bei der WM 1974 das 1:0-Siegtor gegen die Bundesrepublik erzielt hatte, spielt in der dritten Liga. Ebenso Dynamo Dresden, das ein halbes Jahr vor dem Mauerfall noch im Halbfinale des Uefa-Cups gestanden hatte. Erich Mielkes Lieblingsklub BFC Dynamo, einst DDR-Serienmeister, dümpelt in der vierten Liga vor sich hin.

Die dritte Liga, die unterste Profiklasse in Deutschland, ist mittlerweile zu einem Auffangbecken für DDR-Oberliga-Romantiker geworden. Dort tummeln sich neben Dresden und Magdeburg auch noch Erzgebirge Aue, Chemnitzer FC, Hansa Rostock, Rot-Weiß Erfurt, Energie Cottbus und Hallescher FC - ihre Gegner sind die zweiten Mannschaften westdeutscher Bundesligaklubs.

Leipzig ist hungrig nach Erstklassigkeit

Aber wohl nirgendwo außer in Dresden wurde der Fußballabsturz härter empfunden als in Leipzig, dem Gründungsort des DFB und stets einer der bedeutendsten Fußball-Standorte des Landes. Nach vielen Irrungen, Wirrungen und Umbenennungen spielt Lok Leipzig heute in der fünften Liga, Chemie Leipzig in der sechsten, und Sachsen Leipzig musste den Spielbetrieb einstellen. Erst Red Bull hat die Zukunft in die Traditionsstadt des deutschen Fußballs zurückgebracht.

Die Zuschauer in Leipzig, hungrig nach Erstklassigkeit und nach friedlichen Stadionbesuchen nach Jahren der Gewalt, strömen wieder zum Fußball. So, wie man das in Leipzig seit hundert Jahren kennt. 1922 entstand dort das erste Großstadion in Deutschland, in das mehr als 40.000 Zuschauer passten.

In DDR-Zeiten war das Zentralstadion sogar das größte Stadion, das überhaupt jemals in Deutschland errichtet wurde. Und zum Leipziger Derby zwischen Rotation Leipzig und Lok Leipzig kamen 1956 rund 100.000 Zuschauer, bis heute ein deutscher Rekord. In die Red-Bull-Arena passen nur noch 44.000 Zuschauer. Da könnte es angesichts der großen Pläne des Klubs schon bald zu eng werden. Aber auch dieses Problem dürfte sich lösen lassen: RB Leipzig denkt schon über einen Neubau nach.

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