22.08.2008 · Das letzte Kapitel des „Prager Frühlings“ unter Alexander Dubcek wurde mit Blut geschrieben. Statt eines „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ rollten russische Panzer in die Tschechoslowakei. Ein Blick zurück mit Fotos von Bohumil Dobrovolský.
Das letzte Kapitel des „Prager Frühlings“, der tschechoslowakischen Reformbewegung unter Alexander Dubcek zur Schaffung eines „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, wurde mit Blut geschrieben.
58 Tote, davon 22 in Prag, gab es bereits am ersten Tag des Einmarsches der Truppen von fünf Staaten des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei, der in der Nacht zum 21. August 1968 begann. 17 starben bei dem Massaker vor dem Rundfunkgebäude im Prager Stadtteil Vinohrady (Weinberge), als unbewaffnete Bürger die Panzer umstellten und für die Freiheit der Tschechoslowakei demonstrierten. Andere wurden von psychisch völlig überforderten jungen Soldaten erschossen, sie wurden von Panzern oder anderen Militärfahrzeugen überfahren, sie kamen in brennenden Häusern ums Leben oder bei dem Versuch, sich durch den Sprung durch das Fenster zu retten.
Das Tschechische Institut für das Studium der totalitären Regime hat ermittelt, dass vom 21. August bis Jahresende 1968 insgesamt 108 Tschechen und Slowaken der Gewalt der Besatzer zum Opfer fielen; mehr als 500 wurden verletzt, 300 von ihnen schwer.
Das jüngste Todesopfer war ein zwei Jahre alter slowakischer Junge, der von einem Panzer überfahren wurde, das älteste eine 82 Jahre alte Tschechin.
Die Invasoren boten zur Besetzung der Tschechoslowakei 27 Divisionen mit einer halben Million Soldaten auf, rund 6300 Panzer, 800 Flugzeuge und 2000 Geschütze. Zum Vergleich: Deutschland setzte 1940 gegen Frankreich 2500 und 1941 gegen Russland 3580 Panzer ein. So massiv die Invasion begann, so stümperhaft verhielt sich die Besatzungsmacht.
Tagelang gelang es ihr nicht einmal, den tschechoslowakischen Rundfunk auszuschalten, der den zivilen Widerstand koordinierte. Ihr Plan, eine sowjetfreundliche „Arbeiter- und Bauernregierung“ zu etablieren, schlug fehl. Es dauerte ein ganzes Jahr, bis sich die Lage in ihrem Sinne „normalisiert“ hatte.